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Trotz der heiklen Lage und der lauten KritikDarum halten die FC-Bosse an Trainer Wagner fest

Nach dem ganz schwachen Auftritt gegen Schalke stellt sich Sportchef Kessler hinter den Coach, verlangt aber jetzt Erfolge.

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1. FC Köln vs. Schalke 04, 7. Spieltag, 24.10.2026, 15.30 Uhr, Pressekonferenz nach dem Spiel, Thomas Kessler (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler verfolgt die Pressekonferenz nach dem FC-Spiel gegen Schalke.

Am Sonntag, einen Tag nach der quälenden Nullnummer gegen Schalke und dem Pfeifkonzert von den Rängen, sprach Sportgeschäftsführer Thomas Kessler Trainer René Wagner „die volle Rückendeckung“ zu. Und er ergänzte: „Wir haben jetzt zwei brutal wichtige Spiele, zweimal gegen den gleichen Gegner. Deswegen geht es jetzt einfach darum, einen guten Job zu machen. Und das, was natürlich Vertrauen der Menschen herbeiruft, sind Erfolge. Das ist die Währung, die jetzt aktuell offensichtlich zählt.“

Schon am Morgen hatte das Team in einer langen internen Sitzung die schwache Partie gegen Schalke gründlich aufgearbeitet. Auf die Rufe von den Rängen angesprochen, sagte Kessler: „Ich nehme das natürlich ernst. Das ist schon hoch emotional in so einem Spiel.“

Fakt ist: Kessler (40) hält noch zu Wagner (Vertrag bis 2028), den er nach seiner Interimstätigkeit als Wunschtrainer fest verpflichtet hatte. Wagner hatte den Posten im März von Lukas Kwasniok übernommen. Kessler will die Spirale aus Trainerwechseln beim FC durchbrechen. Zwölf verschiedene Trainer haben in den vergangenen zehn Jahren auf der Bank des Klubs gesessen, dauerhaft bergauf ging es dabei kaum. Mit Wagner setzt Kessler auf den Mann, mit dem sich kontinuierlich etwas aufbauen lassen soll.

Ja, er hat volle Rückendeckung. Das, was natürlich Vertrauen der Menschen herbeiruft, sind Erfolge. Das ist die Währung, die jetzt aktuell offensichtlich zählt.
FC-Sportchef Thomas Kessler über Trainer René Wagner

Dabei hatte die Botschaft an die Vereinsführung des 1. FC Köln tags zuvor unüberhörbar anders geklungen. „Wagner raus“, skandierten Teile der FC-Fans nach der ernüchternden Nullnummer gegen Schalke 04. Erstmals entlud sich der Unmut gegen den Trainer spürbar. „Die Erwartungshaltung an diesem Standort ist riesig“, sagte der 38-Jährige, als man ihn auf die unruhige Stimmung ansprach. Doch ein Rauswurf Wagners zeichnet sich nicht ab. „Ich rede mit den Leuten, die hier im Verein entscheiden, und da gibt es für mich keine Diskussion“, sagte Wagner. Die Klubspitze selbst, etwa Kessler, schwieg am Samstagabend zunächst, ehe er sich am Sonntag äußerte.

Wagner selbst versuchte, der Kölner Leistung Positives abzugewinnen. „Der Punkt fühlt sich vielleicht ein bisschen zu wenig an“, sagte er. Immerhin kassierte Köln erstmals im 15. Spiel unter seiner Leitung kein Gegentor. „Das hat die Mannschaft super gemacht und am Ende die Null gehalten“, lobte Wagner. Das seien Erfolge, an denen es festzuhalten gelte. „Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen“, sagte er, aber: „Wir gehen Schritte in die richtige Richtung.“

Eine Einschätzung, die der Außenwahrnehmung diametral widerspricht. Die Fans quittierten die Partie mit gellenden Pfiffen, und auch FC-Legende Pierre Littbarski bemängelte bei Instagram „ein Spiel für die Tonne“. Weniger die Lage in der Bundesliga, wo Köln mit immerhin acht Punkten aus sieben Spielen eigentlich ausreichend dasteht, als vielmehr die spielerischen Mängel verärgern. Gegen den arg gebeutelten Aufsteiger Schalke blieb die Kölner Offensive ohne Einfall. Zumal Schalke von personellen Sorgen gezeichnet ist. Trainer Miron Muslic fehlten acht Profis, darunter gegen Ende der ersten Halbzeit nach dem blutigen Zusammenstoß Robin Gosens und Soufiane El-Faouzi.

Kölns Stürmer Marius Bülter sprach von fehlendem Tempo im zweiten Durchgang. Alles habe sich „langsam und träge“ angefühlt. Köln sei nicht in die Tiefe gekommen und habe die gefährlichen Zonen nicht attackiert. Gegen eine Mannschaft wie Schalke sei das schwierig gewesen, man hätte viel mehr über die Außen kommen müssen. Die Pfiffe der Fans könne man nachvollziehen, denn die Mannschaft habe sich deutlich mehr vorgenommen. Vor allem in der zweiten Halbzeit sei das Offensivspiel „viel zu wenig“ gewesen, auch wenn man defensiv wenig zugelassen habe. Gefährlich wurde es fast nur, wenn Hoffnungsträger Said El Mala etwas versuchte. „Das war zu wenig“, sagte Nationalspieler El Mala.

Auch sein 21-jähriger Bruder Malek stand am Samstag erstmals im Bundesliga-Kader des FC. Wagner hatte den Stoßstürmer nominiert, um die zahlreichen Ausfälle im Sturm aufzufangen. Eingesetzt wurde er gegen Schalke allerdings nicht, er blieb 90 Minuten auf der Bank. Den Wunsch vieler Fans, die beiden El Malas gemeinsam in Müngersdorf zu sehen, erfüllte Wagner damit zunächst nicht. Said El Mala sagte hinterher, er habe ein-, zweimal zu seinem Bruder hinübergeschaut, als dieser sich warm machte. Dessen Nominierung habe ihn gefreut, die Eltern seien ebenso glücklich gewesen. Malek sei nervös gewesen, doch seine Zeit auf dem Platz, „da bin ich mir sicher“, werde kommen.

1. FC Köln: Die Aufgaben nach dem Union-Doppel werden nicht leichter

Für die Kölner geht es bereits am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) im DFB-Pokal weiter. In Müngersdorf trifft der FC auf den Ligakonkurrenten Union Berlin. Wie gegen Schalke lautet die „riesige Erwartungshaltung“ auch hier: gewinnen.

Die Gegner werden danach nicht leichter. Nach dem Berlin-Doppel folgen in der Liga noch die Spiele gegen Leverkusen und Bayern bis zum 10. Spieltag. Das heißt: Bleiben die Erfolge unter Wagner aus, wird spätestens dann abgerechnet.

Man sagt ja immer, dass man nach den ersten zehn Spielen einer Saison einen Strich darunter macht, dann sieht man zumindest mal eine Tendenz.
Thomas Kessler

Die Klubführung, die intern längst über die brisante Lage diskutiert, verlangt Erfolge und sportlichen Fortschritt. Zwar ist der FC zu Hause noch ungeschlagen (zwei Siege, zwei Remis). Rund ums Geißbockheim fühlt es sich aber seit Wochen trotz des Derbysiegs gegen Gladbach (2:1) gedrückt an. Während und nach dem Spiel gab es lautstarke „Wagner raus“-Rufe, dazu ein böses Pfeifkonzert. Die seit Wochen in den sozialen Netzwerken schwelende Kritik ist nun auch im Stadion angekommen. Die Stimmung in Köln kippt. Wie eng wird es jetzt für den Köln-Trainer? Noch nicht – befinden jedenfalls die Entscheidungsträger.

Das Spiel gegen die von Verletzungen geplagten Schalker war allerdings ernüchternd. Keine Dominanz, keine Spielidee, keine Durchschlagskraft. Jetzt soll das Berlin-Doppel (Pokal und Liga) die Stimmung drehen. Kessler sagte: „Das Schöne ist: Am Dienstag wird es auch kein Unentschieden geben, sondern nur einen Sieger, egal wie lange das Spiel geht. Und wir wollen das Spiel mit aller Macht gewinnen.“ Der Druck auf Wagner steigt. Unendlichen Kredit hat er nicht. Kessler stellt zwar kein Ultimatum, aber eine klare Forderung: „Man sagt ja immer, dass man nach den ersten zehn Spielen einer Saison einen Strich darunter macht, dann sieht man zumindest mal eine Tendenz. Da haben wir jetzt noch ein paar Spiele zu gehen und haben die Möglichkeit, noch ein paar Spiele zu holen.“