Der Moment, der die 0:3-Niederlage von Bayer Leverkusen in Hoffenheim überschattete, dauerte nur Sekundenbruchteile – seine Nachwirkungen reichen jedoch über den Abpfiff hinaus. Beim Kopfballduell zwischen Loic Badé und Hoffenheims Max Moerstedt krachten die Köpfe der beiden Spieler so heftig zusammen, dass beide sofort zu Boden gingen.
Badé blieb reglos liegen, wurde minutenlang behandelt und schließlich mit der Trage vom Feld getragen. Schiedsrichter Robert Hartmann, der zur Halbzeit für den verletzten Daniel Siebert eingewechselt worden war, unterbrach das Spiel zunächst nicht – mit Folgen: Wenige Sekunden nach dem Zusammenprall erzielte Alexander Prass das 2:0 für die TSG.
Genau diese Verzögerung sorgte für die Debatte des Abends. Hartmann erklärte seine Entscheidung hinterher ruhig und ausführlich: „Für mich war es gar kein Zusammenprall, sondern tatsächlich so, dass der Leverkusener Spieler einen Tick zu spät gekommen ist in diesem Kopfballduell. Es war also ein Foulspiel.“ Deshalb habe er auf Vorteil entschieden, weil der Zug Richtung Tor erkennbar gewesen sei.
Betreuer kamen erst nach dem Tor aufs Feld
Die Schwere der Verletzung sei ihm in diesem Moment nicht bewusst gewesen: „Ich bin ja kein Arzt, sondern Schiedsrichter. Ich bin drauf geschult, dass ich diese Situation ganzheitlich beurteile.“ So habe er erst drei bis fünf Sekunden nach dem Tor die Betreuer aufs Feld geholt.
Bei Bayer sorgte dieses Vorgehen zunächst für Unmut. Trainer Carles Martínez wirkte sichtlich angefasst, als er von Badés Zustand berichtete: Der Innenverteidiger sei rund eineinhalb Minuten „komplett weg“ gewesen und habe sich an nichts erinnert.
Im direkten Gespräch mit den Unparteiischen nach Abpfiff zeigte sich der Leverkusener Coach versöhnlicher. Alles sei in zwei, drei Sekunden passiert: „Ich habe Verständnis. Ich weiß, dass das sehr schnell ging.“ Die Erklärung, die Schiedsrichter seien der Aktion gefolgt, weil daraus Sekunden später das Tor entstand, akzeptierte er. Wichtiger sei ohnehin, „dass man redet, dass man handelt.“
Auch Kapitän Robert Andrich beschrieb den Schreck in der Mannschaft: „Das hat komplett geknallt. Ich war richtig erschrocken, und gefühlt hat jeder aufgehört zu spielen.“ Badé sei „nicht so richtig“ ansprechbar gewesen. Edmond Tapsoba formulierte die Kritik deutlicher als sein Trainer: Der Schiedsrichter hätte das Spiel nach dem Zusammenstoß sofort unterbrechen sollen, denn die Gesundheit der Spieler stehe über allem. Jeder auf dem Feld habe innegehalten – nur weitergespielt wurde trotzdem.
Die Szene wirft erneut die Frage auf, wie schnell ein Schiedsrichter im hektischen Spielgeschehen die Schwere einer Kopfverletzung erkennen kann und muss. Hartmann selbst stellte seine Entscheidung im Nachhinein nicht infrage: Im Moment der Entscheidung habe er keine Diagnose gehabt und so gehandelt, wie er es gelernt habe. Die Debatte um Hartmanns Entscheidung dürfte die Bundesliga dennoch begleiten.
Festzuhalten bleibt: Badé ging es laut Martínez nach dem Spielende den Umständen entsprechend gut, er duschte bereits und unterhielt sich mit dem Team. Am Montag folgten nach Informationen dieser Redaktion neurologische Untersuchungen. Diagnose und Ausfallzeit sind noch nicht bekannt.


