Kölner Stadt-Anzeiger · Community

Kommentare · 0

Abo

Gegentorflut stoppenBayer 04 droht vor Derby sportliche Krise

Zwei Bundesliga-Niederlagen in Folge, neun Gegentore in drei Spielen - Leverkusen steht im Derby beim 1. FC Köln unter Druck.

Von
Patrick Schick Bayer 04 Leverkusen, 14 bewschwert sich , weil es so lange dauert Bayer 04 Leverkusen vs. VFB Stuttgart, Fussball, 1.Bundesliga, 8.Spieltag, Saison 2026/27, 31.10.2026, DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO, Bayer 04 Leverkusen vs. VFB Stuttgart, Fussball, 1.Bundesliga, 8.Spieltag, Saison 2026/27, 31.10.2026 Leverkusen *** Patrick Schick of Bayer 04 Leverkusen, 14, complains that it s taking so long. Bayer 04 Leverkusen vs. VFB Stuttgart, Soccer, Bundesliga 1, Matchday 8, 202627 Season, October 31, 2026, DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video, Bayer 04 Leverkusen vs. VFB Stuttgart, soccer, Bundesliga 1, Matchday 8, 202627 season, October 31, 2026, Leverkusen Copyright: xEibner-Pressefoto/LukasxBaldygax EP_LBA

Unzufrieden: Leverkusens Patrik Schick gestikuliert im Spiel gegen Stuttgart.

Es war eine Szene wie aus dem Lehrbuch für passives Verteidigen. Bilal El Khanouss bekam an der Strafraumkante so viel Zeit, dass er in Ruhe zum 3:1 für den VfB Stuttgart vollenden konnte. Kein Leverkusener griff früh genug ein. Auch bei den anderen drei Gegentreffern wurden Vorbereiter und Torschützen nicht eng genug bedrängt. Neun Gegentore in drei Spielen innerhalb von sieben Tagen, der Absturz auf Platz sechs und am Sonntag das Derby beim 1. FC Köln (15.30 Uhr, Dazn): Für Bayer 04 wird die Lage in der Fußball-Bundesliga  nach dem 2:4 gegen Stuttgart ungemütlich.

Es ist die erste ernste sportliche Delle unter Carles Martínez, und sie ist hausgemacht. Wer in der Liga nach Hoffenheim (0:3) und im Pokal gegen Nürnberg (5:2) so oft hinter sich greift, hat ein Muster, das es aufzuarbeiten gilt. Die Gegentorflut muss schnell eingedämmt werden, sonst wird es ein unruhiger Herbst und Winter.

Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes will die Spiele nicht über einen Kamm scheren. Seine Diagnose: „Wir haben zu schnell versucht, die Chance nach vorne zu suchen. Da musst du geduldiger sein.“ Wenn Bayer den Ball hastig verliere, stehe die Mannschaft danach nicht in guter Struktur. „Wenn du nicht gut verteidigst, heißt das nicht immer, dass der Abwehrspieler schlecht verteidigt.“

Das stimmt, erklärt aber nicht alles. Schon bei den ersten beiden Gegentoren verteidigte Bayer zu nachlässig, auch Torhüter Mark Flekken hatte mit Abprallern Pech. Martínez sagte, mit den Gegentoren könne er nicht zufrieden sein. Das Problem betreffe nicht allein die Abwehrreihe, sondern auch das Umschaltspiel: Seine Spieler müssten früher aktiv werden, sonst liefen die Gegner einfach los. „Wir haben nicht alle Momente im Griff gehabt, aber ich habe nicht das Gefühl, dass die Mentalität schlecht war“, sagte er.

Die zweite Baustelle liegt am anderen Ende des Feldes. Leverkusen kam zu einigen vielversprechenden Angriffen, doch der letzte Pass oder der Abschluss saß selten. Afonso Moreira steht dafür sinnbildlich. Der Zugang rackerte, wurde von Luca Jaquez hart gefoult, gab sechs Schüsse ab und blieb ohne Tor. „Er will das Tor zu sehr erzwingen“, sagte Rolfes. „Er macht einen riesigen Aufwand, und dann kommt es nicht. Er muss geduldiger sein.“ Martínez nannte den Auftritt gut, aber verkopft. Moreira denke zu viel nach, brauche das erste Tor und werde ankommen. Der Trainer verwies zugleich auf die Verletzten, deren Rückkehr Bayer auf den Flügeln und im Angriff Alternativen bringen soll. Montrell Culbreath saß gegen Stuttgart bereits wieder auf der Bank. Christian Kofane könnte in den kommenden Spielen in den Kader rücken.

Dritter Punkt: die Atmosphäre. Nach dem 1:4 war in der mit 30.210 Zuschauern gefüllten BayArena fast nur noch der Stuttgarter Block zu hören. Auch nach dem 2:4 entstand kein Sog. Dabei hatte Martínez nach dem Spiel das Gefühl, das Stadion habe hinter der Mannschaft gestanden. Ein Team, das vor allem verunsichert ist, braucht Rückenwind. Ein Heimpublikum, das im Rückstand verstummt und verfrüht den Heimweg antritt, liefert ihn nicht. Es wäre zu einfach, die Niederlage den Rängen anzulasten. Doch wer Bayer wieder oben sehen will, muss die Mannschaft auch im Rückstand tragen. Besonders weil Leverkusens Team keine Arbeitsverweigerung betrieb – im Gegenteil: Es war ein generell guter Auftritt, allerdings mit zu vielen Mängeln in beiden Strafräumen. Zudem hatte Bayer 04 zuvor alle Heimspiele gewonnen.

Es bleibt wenig Zeit, die Missstände aufzuarbeiten. Am Donnerstag (21 Uhr, RTL+/Sky) kommt Olympique Marseille in die BayArena. In der Europa League hat Bayer neun Punkte und noch keinen Gegentreffer kassiert, eine Insel der Stabilität. Rolfes warnt vor Selbstgefälligkeit: Marseille sei „ein großer Verein“ mit guten Einzelspielern. Martínez setzt vorher auf Erholung und Analyse.

Am Sonntag zählen dann nur noch Punkte. „Im Fußball stehst du immer unter Druck“, sagte Rolfes zum Derby beim FC. „Wenn du oben mitspielst, musst du Spiele gewinnen, weil die anderen auch gewinnen.“ Das Derby wird zeigen, ob Bayer die Wende aus der Defensive schafft oder ob aus zwei Rückschlägen eine Krise wird.