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Erneut Buh-Rufe und PfiffeTrennung zwischen Bayer 04 und Tillman wohl unvermeidbar

Die Beziehung zwischen Leverkusens Rekordzugang und den Fans wirkt zerrüttet – im Winter dürfte der Klub handeln.

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31.10.2026, Nordrhein-Westfalen, Leverkusen: Fußball, Männer: Bundesliga, Bayer Leverkusen - VfB Stuttgart, 8. Spieltag, BayArena. Victor Boniface (l, Bayer Leverkusen) und Malik Tillman (r, Bayer Leverkusen) stehen nach der Partie zusammen. Foto: Marius Becker/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Malik Tillman (r, Bayer Leverkusen) nach der Partie gegen den VfB Stuttgart

Ibrahim Maza und Bilal El Khanouss tauschten sich nach dem 2:4 zwischen Bayer 04 und dem VfB Stuttgart gut gelaunt im Kabinengang der BayArena aus. Mit einem Handtuch über dem Kopf, sich versteckend, kam Malik Tillman dazu und sagte ein paar Worte. El Khanouss fragte nach: „Sie haben dich ausgebuht? Warum?“

Teile der Fans hatten den US-Nationalspieler bei seiner Einwechslung in der 75. Minute beim Stand von 1:4 mit Buhrufen und Pfiffen empfangen. Es war nicht das erste Mal, dass es zu Spannungen zwischen Anhängern und Tillman kam. Es ist die Fortsetzung eines teuren Missverständnisses: Der 24-Jährige ist mit rund 35 Millionen Euro Ablöse der Rekordtransfer der Klubgeschichte. Alles spricht dafür, dass die toxische Beziehung im Winter ihr Ende finden wird.

Tillman kam im Sommer 2025 von der PSV Eindhoven, übernahm die Rückennummer zehn von Florian Wirtz und sollte zur zentralen Figur des Neuaufbaus werden. Dann wechselte der Trainer, unter Kasper Hjulmand spielte er nur eine Nebenrolle. „Ich bin wohl nicht richtig angekommen“, sagte er im August dieser Redaktion im Interview. Ohne den Trainerwechsel wäre er nach eigener Einschätzung nicht mehr in Leverkusen. Mit Carles Martínez bekam er den Neustart, den er sich gewünscht hatte. Genutzt hat er ihn bisher kaum.

Simon Rolfes relativiert Pfiffe der Bayer-Fans

Gegen Stuttgart wiederholte sich ein Muster. Im Pokal gegen Nürnberg stand Tillman in der Startelf und musste zur Pause raus. Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes sagte dazu: „Ich finde es schade. Malik hatte eine gute Phase. Am Mittwoch im Pokal hat er sich schwergetan.“ Die Pfiffe relativierte er. „So extrem habe ich das nicht erlebt“, sagte Rolfes. Er forderte Tillman auf, sich nicht verunsichern zu lassen: „Als Spieler musst du nach vorne, auch in schwierigen Zeiten. Da hilft dir nur die Flucht nach vorne. Das Selbstvertrauen musst du behalten, weil du in deiner Karriere immer wieder schwierige Phasen hast.“

Martínez benannte das Problem offen. „Wir arbeiten mit ihm, weil seine Mentalität manchmal angeschlagen ist“, sagte der Trainer. „Fußball ist Fußball, aber wenn du mental nicht so gut drauf bist, ist es noch schwieriger. Wir werden ihm helfen, sich zu verbessern. Es liegt an uns allen, Malik besser zu machen und diese Wahrnehmung zu verändern.“ Zugleich wollte er den Fans keine Vorschriften machen. Er habe das Gefühl, das Stadion stehe hinter der Mannschaft.

Das Verhältnis zwischen Tillman und den Rängen war schon im Sommer belastet. Im Interview hatte er den Umgang mit sich beklagt: „Wer den Verein als Fan unterstützt, sollte die Spieler in guten wie in schlechten Zeiten unterstützen. Einige haben das getan, ein großer Teil der Reaktionen war aber negativ.“ Er kritisierte zudem die Kommunikation der Führung. Rolfes antwortete damals: „Wenn jemandem etwas nicht gefällt, sollte er mit demjenigen sprechen, mit dem es ihm nicht gefällt. Das hat er nicht gemacht.“ Intern stießen Tillmans Aussagen auf wenig Verständnis. Dazu kommt die Konkurrenz, wenn alle Spieler fit sind: Maza, Moreira, Diaby, Tella und Ben Seghir drängen auf die Plätze in der Offensive, im zentralen Mittelfeld stehen García, Fernández, Eichhorn und Andrich bereit.

Was bleibt? Tillman hat einen Vertrag bis 2030, die Qualitäten sind unbestritten. Die Frage lautet, ob er sie in Leverkusen noch zeigen kann. Ein Spieler, der bei seiner Einwechslung ausgepfiffen wird, sucht den Ball selten mit voller Überzeugung. Tillman hat im Gegenzug bisher nicht das gezeigt, was man von ihm erwartet hat. Und ein Klub, der gerade seine Gegentorflut stoppen muss, braucht keine Personalie, die Unruhe stiftet. Eine Leihe oder ein Verkauf im Januar wäre für beide Seiten wohl die ehrlichste Lösung.