Jonas Hofmann hatte in dieser Saison noch keine Minute von Beginn an gespielt, als Bayer 04 nach Kreta flog. Im Sommer galt er als Wechselkandidat. Dann verletzte sich Martin Terrier, Hofmann rückte nach und traf in Heraklion binnen weniger Minuten zweimal. Das 2:0 bei OFI war der sechste Pflichtspielsieg in Folge.
Man kann das Zufall nennen. Plausibler ist, dass es Methode hat. Vor der Nominierung sprach Carles Martínez offen mit Hofmann über dessen Lage. „Ich habe Vertrauen in ihn“, sagte Martínez. Wer so führt und recht behält, gewinnt Kredit – in der Kabine wie bei den Zweiflern.
Dabei ist die Lage keineswegs bequem. Terrier fehlt bis in den Dezember, Eliesse Ben Seghir ist erneut verletzt, Montrell Culbreath, Guéla Doué und Christian Kofane fehlen ebenfalls schon länger. Trotzdem wirkt der Kader nicht dünn besetzt. In Posen standen sechs neue Spieler in der Startelf, Bayer gewann 4:0.
Auf Kreta fehlte Robert Andrich, der zum dritten Mal Vater geworden war, Edmond Tapsoba schonte der Trainer zunächst und im Tor bekam Mark Flekken eine Pause, Janis Blaswich die Chance. Alle Maßnahmen griffen – gegen einen zugegeben unterklassigen Gegner, der allerdings Hoffenheim Wochen zuvor mit 2:0 besiegt hatte. Nach einer Stunde wechselte Martínez dreifach. Von Unmut über Stammplätze ist derzeit nichts zu hören. Zufriedenheit entsteht dort, wo Einsatzzeit nachvollziehbar verteilt wird.
Hofmann selbst nannte einen Grund, warum das nicht selbstverständlich ist: Der multikulturell zusammengestellte Kader müsse noch viel mehr zusammenwachsen. Das macht die Serie noch beachtlicher. Eine Mannschaft aus vielen Ländern und Spielkulturen braucht Zeit, bis aus Verständnis Selbstverständlichkeit wird. Zeit verschafft sich ein Trainer durch Ergebnisse, und Ergebnisse durch Entscheidungen, die sich im Nachhinein als richtig erweisen.
Dazu passt, wie Sportgeschäftsführer Simon Rolfes die letzte halbe Stunde auf Kreta einordnete. Bayer führte 2:0, ließ weitere Chancen aus und verwaltete das Ergebnis, ohne dass es je eng wurde. Rolfes sah das strenger, als es das Ergebnis und der Spielverlauf verlangt hätten. Ihm habe das „gar nicht gefallen“.
Das ist kein Nörgeln, sondern ein sinnvolles Mittel: Wer nach sechs Siegen die Schwachstellen benennt, beugt Selbstzufriedenheit und Arroganz in den kommenden Wochen vor. Das 4:3 in Mainz hat gezeigt, wie schnell Bayer den Zugriff verlieren kann. Vertrauen ist keine Garantie für Siege. Es ist die Voraussetzung, Rückschläge zu überstehen, und die bleiben im Drei-Tage-Rhythmus nicht aus. Gut, dass sich Martínez mit seinen richtigen Entscheidungen viel Kredit aufgebaut hat.


