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Bayer Leverkusens erster PortugieseDer kometenhafte Aufstieg von Afonso Moreira

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Afonso Moreira, noch im Trikot von Lyon, beim Testspiel gegen den FC Bayern München vergangenen Sommer.

Afonso Moreira, noch im Trikot von Lyon, beim Testspiel gegen den FC Bayern München vergangenen Sommer. 

Afonso Moreira, ausgebildet wie Cristiano Ronaldo bei Sporting Lissabon, beeindruckte bei Lyon und will mit der Werkself zurück in die Champions League.

Manche Aufstiege im Profifußball sind nahezu kometenhaft. Vom Jugendspieler zum wichtigen Profi in einer europäischen Topmannschaft — innerhalb kürzester Zeit. So auch der von Bayer Leverkusens bisher teuersten Sommerzugang Afonso Moreira, der für eine Ablöse von etwa 30 Millionen Euro zur Werkself aus Lyon wechselte. Ausgebildet in der gleichen Akademie wie Cristiano Ronaldo war er erst für zwei Millionen Euro von der zweiten Mannschaft von Sporting Lissabon, wo er auch sechs Profieinsätze hatte, letzten Sommer nach Frankreich gewechselt.

Gleiche Akademie wie Ronaldo

Dass dieser Sprung überhaupt gelang, lag nach eigener Schilderung an einem unbequemen Moment der Selbsterkenntnis. „Nach meinem Wechsel merkte ich, dass die Liga sehr stark und körperlich intensiv ist. Und ich fühlte mich ein bisschen schwach im Vergleich zu den anderen Spielern. Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe: Vielleicht muss ich härter arbeiten als die anderen. Ich habe angefangen, Doppeleinheiten zu machen — um mich stärker zu fühlen, um mich besser zu fühlen.“ Am Ende der Saison kam er in 37 Einsätzen auf acht Tore und elf Vorlagen in seiner Profidebütsaison – Zahlen, die ihm einen Platz im Team der Saison von „L'Équipe“ einbrachten. „Ich hoffe, dass ich in dieser Saison weiter konstant sein und weiter wachsen kann – als Spieler und als Mensch.“

Das trägt er inzwischen sichtbar mit sich: Auf einem seiner Arme ist das Wort „Disziplin“ tätowiert. Es beschreibt vermutlich auch die Grundhaltung, die Bayer 04 in der kommenden Saison zeigen will – und genau deshalb ist Moreira mehr als nur ein weiterer Neuzugang, sondern der erste Baustein von mehreren. Denn in der vergangenen Saison fehlte es Bayer 04 häufig an Tempo und Durchschlagskraft in der Offensive, Eigenschaften, die Moreira verkörpert. Er selbst läuft im Vollsprint 35 bis 36 km/h – gegen Größen wie Achraf Hakimi hatte er keine Probleme beim Tempo mitzuhalten und hat eine starke Ballführung, Flankentechnik und hilft in der Defensive immer auf seiner Seite mit.

So vielversprechend das klingt, so berechtigt bleibt die Frage, ob das reicht, um Leverkusens größere Baustelle zu schließen. Die Werkself kassierte in der vergangenen Saison im Schnitt fast doppelt so viele Gegentore wie etwa in der Meistersaison unter Xabi Alonso, verschliss zwei Trainer und landete am Ende nur auf Platz sechs. Ein einzelner Flügelspieler wird dieses Problem nicht lösen – so schnell er auch sein mag. Moreira selbst gibt sich dazu betont zurückhaltend: „Ich mache einfach das, was der Trainer von mir verlangt. Ich bin hier, um der Mannschaft in allem zu helfen, was ich kann.“

Champions League bleibt das Ziel

Wie viel von Moreiras Talent sich in Ergebnisse übersetzt, hängt maßgeblich vom neuen Trainer ab. Carles Martínez soll mit mehr Ballbesitz, mehr Intensität und einem neuen 4-3-3/4-2-3-1 den Anschluss an die Champions League wiederherstellen – kein kleiner Anspruch für einen Coach, der zuvor mit Toulouse auf Platz neun der Ligue 1 landete. Moreira kennt ihn bereits als Gegner: In der vergangenen Saison verlor er mit Lyon zweimal gegen Martínez' Toulouse mit 1:2. „Man konnte sehen, wie er arbeitet und wie gut er das gemacht hat. Deshalb hat er uns zweimal geschlagen“, sagt er. Inzwischen arbeitet er für ihn – und lobt vor allem die persönliche Nähe: „Er ist sehr nah an den Spielern. Er will wirklich wissen, wie es einem geht, wie man spielt, welche Qualitäten man hat.“

Für Moreira selbst fügt sich all das nach eigener Lesart nur folgerichtig in seinen Werdegang. Über den großen europäischen Rahmen, in dem er sich nun bewegt, sagt er: „Man weiß immer, dass es ein großer Klub ist, ein europäischer Klub. Jedes Jahr Champions League. Die Bundesliga wurde vor zwei Jahren gewonnen.“

Ausgerechnet die Königsklasse fehlt in dieser Saison allerdings – Leverkusen verpasste die Qualifikation, spielt stattdessen Europa League. Moreira relativiert aber: „Wir würden gerne in dieser Saison Champions League spielen, aber das ist nicht möglich. Also werden wir versuchen, sie in der nächsten Saison zu erreichen. Das ist eines unserer Ziele.“ Für ihn selbst ist es ohnehin nur ein Etappenziel unter vielen: „Alles ist ein Schritt – weil ich jung bin. Sporting war ein Schritt, Lyon war ein Schritt, jetzt ist es wieder ein Ort, an dem ich mich der Welt zeigen kann.“

Seine unaufgeregte Art scheint derweil auch abseits des Platzes zu helfen, wo Moreira bislang gut integriert wirkt. „Alle im Klub sind wirklich nett zu mir – meine Mitspieler, der Staff, die Menschen, die hier arbeiten“, sagt er über die ersten beiden Wochen. Über die Mannschaft insgesamt sagt er: „Bevor man ein guter Spieler sein kann, muss man ein guter Mensch sein – und das sind sie. Ich glaube, wir haben hier eine gute Gruppe, wie eine warme Familie.“ Ob dieses Wohlgefühl auch dann trägt, wenn die ersten Ergebnisse ausbleiben, wird sich zeigen müssen.

Moreira ist zudem der erste Portugiese in der Vereinsgeschichte von Bayer 04. „Das ist fast schon komisch“, sagt er dazu. Aufgewachsen ist er in Lamego, einer 25.000-Einwohner-Stadt im Douro-Tal, weit weg von den großen europäischen Bühnen, auf denen er nun spielt. Bald soll auch seine Mutter die neue Heimat kennenlernen – „sie kommt bald, und ich will ihr die Stadt zeigen“, sagt er.

Über die neue Heimat hinaus hat Moreira für diese Saison aber noch ein größeres persönliches Ziel: den Sprung in Portugals A-Nationalmannschaft. „Es ist eines meiner Ziele für diese Saison – für die A-Nationalmannschaft zu spielen. Ich werde alles dafür tun, dieses Ziel zu erreichen.“