Analyse zum Sieg über BK HäckenBayer-Trainer Xabi Alonso ist nur bedingt zufrieden mit dem 4:0

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Xabi Alonso war am Donnerstagabend zufrieden, aber nicht vollends begeistert.

Xabi Alonso war am Donnerstagabend zufrieden, aber nicht vollends begeistert.

Die Werkself rotiert zum Auftakt der Europa League, überzeugt zeitweise und präsentiert sich auf einem aussichtsreichen Weg. 

Xabi Alonso kennt die Herausforderung, Favorit zu sein. Der Baske spielte in seiner Profikarriere für Liverpool, Real Madrid und den FC Bayern sowie 114-mal für die stärkste Nationalmannschaft, die Spanien bislang hatte. Da geht man selten als Außenseiter ins Spiel. Schon vor der Partie gegen Schwedens Meister BK Häcken hatte der Leverkusener Trainer daher deutlich gemacht, dass es für ihn besonders um die „natürliche Einstellung“ gehen werde – um die Haltung, gegen einen absehbar unterlegenen Gegner dauerhaft zu leisten.

Daher war Alonso nach dem teils brillant herausgespielten 4:0 (2:0) seiner Mannschaft gegen Schwedens Doublesieger in der Europa League nur zum Teil einverstanden. „Wir sind zufrieden mit dem Sieg. Aber wir hatten Phasen, in denen wir die Kontrolle verloren haben“, fasste er am Donnerstagabend zusammen.

Wir müssen lernen, 90 Minuten lang bereit zu sein. In den ersten 25 Minuten waren wir sehr gut. Danach nicht mehr so
Leverkusens Trainer Xabi Alonso

Bayer-Trainer Alonso war nur mit den ersten 25 Minuten in Leverkusen zufrieden

Bayer Leverkusen erweckt in diesen Tagen den Eindruck, als habe der Kader das Zeug, die Sehnsucht nach einem Titel zu stillen. Bei aller Klasse der Offensivkünstler Boniface, Wirtz und Adli und dem Überfluss an Qualität im Zentrum scheint jedoch der womöglich entscheidende Faktor an der Seitenlinie zu stehen: Xabi Alonso widmet den fußballerischen Abläufen zwar jede Menge Zeit. Das unterstrich Jonathan Tah vor dem Duell mit Häcken, als er feststellte, „einmal richtig machen reicht uns nicht“.

Doch weiß Xabi, dass es mehr benötigt, um ein Champion zu sein. Der 41-Jährige arbeitet auch an der Haltung seiner Spieler. Entsprechend ausgewogen war seine Stellungnahme zum deutlichen Auftaktsieg in der Gruppenphase. „Wir sind in einem Prozess. Es war wichtig, dass wir diese natürliche Einstellung hatten. Aber wir müssen probieren, 90 Minuten so zu bleiben. Wenn man im Fußball einmal nachlässt, bekommt man schnell ein Gegentor. Wir müssen lernen, 90 Minuten lang bereit zu sein. In den ersten 25 Minuten waren wir sehr gut. Danach nicht mehr so.“

Nach fünf Minuten hätte die Werkself bereits durch Amine Adli und Nathan Tella führen können. So dauerte es bis zur zehnten Minute, ehe Victor Boniface einen perfekten Steilpass auf Florian Wirtz spielte, der per Lupfer zum 1:0 traf. Nach einer Viertelstunde schickte Granit Xhaka einen weiten Ball in den Strafraum der Schweden, für den es einiges Selbstbewusstsein benötigt. Adli, am Donnerstag mit zahlreichen hervorragenden Szenen, sprintete in den Pass und traf volley zum 2:0.

Die Leverkusener Spieler um Jonathan Tah (l.), Robert Andrich (2.v.l.) und Jonas Hofmann (4.v.l.) bedanken sich nach der Partie bei den Fans.

Die Leverkusener Spieler um Jonathan Tah (l.), Robert Andrich (2.v.l.) und Jonas Hofmann (4.v.l.) bedanken sich nach der Partie bei den Fans.

Bayer 04 schien sich in einen Rausch zu spielen. Doch dann gab die Werkself die Kontrolle ab und überließ dem Gegner das Feld. Die Mittel der Schweden waren zwar begrenzt. Doch mit Raum und Zeit fanden die Gäste ins Spiel und hatten sogar Chancen durch ihre beweglichen Angreifer Edward Chilufya aus Sambia und den tunesischen Nationalspieler Amor Layouni. „Nach dem zweiten Tor haben wir zu langsam gespielt. Da hatten wir Ballverluste, das war nicht gut“, sagte Alonso, gab sich aber milde: „Das kann passieren. Aber wir müssen ohne Ball besser zusammenspielen und dürfen die Abstände nicht zu groß werden lassen.“

Levekusens Offensivdrang führt zu Ballverlusten

Amine Adli war bei allem Flair ein Spieler, an dem Xabi die punktuellen Schwierigkeiten seiner Mannschaft veranschaulichen konnte. „Wir spielen zu schnell nach vorn, so verliert man die Kontrolle. Wir müssen den Mix finden aus Tempo und Kontrolle.“

Mit umfassender Zufriedenheit dürfte der Weltmeister allerdings beobachtet haben, dass er seine Mannschaft für die Europa League zwar auf fünf Positionen veränderte, jedoch kein Leistungsabfall zu sehen war. Es sei das Ziel gewesen, „einen breiten Kader zu haben und bereit zu sein für drei Wettbewerbe“, erklärte der Coach, der sich mit der Rotation selbst Arbeit geschaffen hatte. „Jedes Spiel bedeutet dann ein neues Brainstorming. So ist es zwar schwieriger. Aber besser.“

Auch im Tor hatte Leverkusen einen Wechsel vorgenommen und Lukas Hradecky eine Pause verschafft. Am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) wird der Kapitän zum Bundesligaspiel gegen Aufsteiger Heidenheim ins Leverkusener Tor zurückkehren.

Matej Kovar, der 23-Jährige, der im Sommer mit Sparta Prag die Meisterschaft feierte und gegen Häcken abgesehen von zwei Ungenauigkeiten mit dem Fuß ein gutes Pflichtspiel-Debüt im Trikot der Werkself zeigte, wird dann wieder auf der Bank sitzen.

Als Bayer 04 im August gegen Teutonia Ottensen (8:0) im Pokal spielte, war Kovar noch nicht verpflichtet. Es ist also weiter denkbar, dass der Tscheche die Pokalwettbewerbe spielt und Hradecky in der Bundesliga das Tor hütet. Xabi Alonso hat sich noch nicht festgelegt. „Ich wollte sehen, dass er bereit ist. Es war wichtig für ihn“, sagte der Trainer am Donnerstagabend. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen sei noch nicht getroffen.

Bayer 04: Hradecky – Kossounou, Tah, Tapsoba – Frimpong, Andrich, Xhaka, Grimaldo – Hofmann, Boniface, Wirtz.

Heidenheim: Müller – Traoré, P. Mainka, Siersleben, Föhrenbach – Maloney, Theuerkauf – Dinkci, Beste – Pieringer, Kleindienst.

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