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Irre Preise für WM-KartenFIFA profitiert von Wucher, US-Justiz ermittelt bereits

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WM-Tickets USA

Die Ticket-Zweitmarktbörse der FIFA für die bevorstehende WM ist umstritten. (Archivbild)

Wucherpreise für WM-Tickets: Das umstrittene Geschäftsmodell der Fifa ruft nun sogar die US-Justiz auf den Plan.

Die Vergabe von Eintrittskarten für die kommende Fußball-WM sorgt für Unmut bei Anhängern und Konsumentenschützern, während die US-Justiz Untersuchungen einleitet. Kurz vor Turnierstart sind noch Karten erhältlich, Spätentschlossene müssen aber mit erheblichen Kosten rechnen, speziell auf Wiederverkaufsplattformen.

Offiziell sind Tickets ausschließlich über eine Anmeldung im FIFA-Ticketportal zugänglich, wo der Weltverband einen Last-Minute-Verkauf durchführt. Ferner besteht ein offizieller Wiederverkaufsmarkt, der es Fans ermöglicht, ihre Karten zu veräußern. Die Preisdifferenzen können jedoch beträchtlich sein, was sowohl für unterschiedliche Partien als auch für dieselbe Begegnung gilt.

Enorme Preisspannen auf dem Wiederverkaufsmarkt

Für die Auftaktpartie zwischen Mexiko und Südafrika im Aztekenstadion offerierte die FIFA kürzlich einzelne Karten für etwa 2.500 Euro. Im Gegensatz dazu wurden auf dem Wiederverkaufsmarkt bis zu 22.000 Euro gefordert. Für das Endspiel in New Jersey sind auf dem Zweitmarkt Hospitality-Pakete für bis zu 600.000 Euro zu finden. Zeitweise wurden dort sogar Finalkarten für mehrere Millionen Euro angeboten.

Im Vergleich dazu erscheinen Tickets für Vorrundenbegegnungen der Außenseiter Haiti und Schottland oder Ghana und Panama beinahe günstig, obwohl sie ebenfalls erst ab 330 oder 440 Euro zu haben sind.

Kölner Experte sieht neues Geschäftsmodell der FIFA

Auf dem Wiederverkaufsmarkt gibt die FIFA keine Preisobergrenze vor; der Verkäufer bestimmt den Preis selbst. Dies ist der Grund für die teilweise extremen Beträge, die verlangt werden. Der Weltverband verdient an jedem Weiterverkauf auf dieser Plattform mit, und das in zweifacher Hinsicht: Von beiden Parteien, Verkäufer und Käufer, wird eine Provision von je 15 Prozent pro Karte einbehalten.

«Mit dem Ticket-Zweitmarkt geht die FIFA neue Wege. Und zumindest für die FIFA könnte es ein Erfolgsmodell werden. Der Verband verdient mehr am Zweitmarkt als früher. Er versucht darüber implizit Händler und nicht mehr nur Fans zu erreichen», äußerte Sportökonom Professor Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Kritik von Verbraucherschützern und Fan-Organisationen

Aufgrund des dynamischen Preisgefüges sei es für Kartenkäufer schwer verständlich, weshalb andere Personen für einen Sitzplatz derselben Kategorie erheblich abweichende Beträge zahlen, moniert die deutsche Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite. Ferner seien die Tickets für zahlreiche Anhänger finanziell nicht tragbar. «Da es keinen festen Zweitverkaufspreis gibt, hat der Preis nach oben kaum eine Grenze. Und dabei profitiert die FIFA prozentual. Wir erleben Preise, die die Sportwelt so noch nicht gesehen hat», erläuterte Breuer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Die Fanvereinigung «Football Supporters Europe» (FSE), welche im März eine Beschwerde gegen die FIFA bei der Europäischen Kommission einreichte, beanstandet ebenfalls die kostspieligen Tickets und deren flexible Preisgestaltung. Laut FSE sei außerdem das Kontingent an Karten, das vom Weltverband für etwa 50 Euro je Begegnung offeriert wurde, unzureichend gewesen.

Die Kontroverse um die Preisstrategie hat mittlerweile auch die US-Justiz erreicht. So versandte Rob Bonta, der Generalstaatsanwalt von Kalifornien, ein Schreiben an die FIFA, um potenzielle Verletzungen des kalifornischen Konsumentenschutzgesetzes zu untersuchen. Ebenso haben die Generalstaatsanwältinnen Jennifer Davenport aus New Jersey und Letitia James aus New York eine Prüfung aufgrund von Meldungen über potenziell täuschende Vergabemethoden des Weltverbands angekündigt.

FIFA-Präsident Gianni Infantino

Berichtete von insgesamt 500 Millionen Ticketanfragen für die WM: FIFA-Boss Gianni Infantino. (Archivbild)

So rechtfertigt die FIFA ihr Vorgehen

Das genutzte System für den Kartenverkauf und den Wiederverkaufsmarkt sei konform mit den «in den Gastgeberländern üblichen Standards bei großen Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen», teilte der Weltverband auf Anfrage der dpa mit. «Die anfallenden Gebühren für die Vermittlung des Wiederverkaufs orientieren sich an den branchenüblichen Standards im nordamerikanischen Sport- und Unterhaltungssektor.»

Die flexible Preisgestaltung richte sich ebenfalls nach «aktuellen Branchentrends im Sport- und Unterhaltungsbereich, bei denen Preise angepasst werden, um Absatz und Zuschauerzahlen zu optimieren sowie einen fairen Marktwert der Veranstaltungen zu gewährleisten». Des Weiteren hob die FIFA wiederholt hervor, dass die Einnahmen überwiegend dem Fußball zugutekommen würden. Insbesondere die 211 Mitgliedsverbände, zu denen auch der DFB zählt, sollen davon profitieren.

Infantino spricht von 500 Millionen Anfragen

«Es gab viele Diskussionen über die Ticketvergabe für die Weltmeisterschaft», konstatierte FIFA-Präsident Gianni Infantino schon Ende April. Auf dem Kongress des Weltverbands in Vancouver (Kanada) sprach er von 500 Millionen Ticketanfragen. Zum Vergleich: Bei den vorherigen Turnieren in Russland und Katar habe es zusammen 50 Millionen Anfragen gegeben. Der 56-Jährige verteidigte die Preisstrategie kürzlich als dem Markt entsprechend.

Nachfrage nach Tickets für deutsche Spiele

Laut DFB-Angaben sind für das von der FIFA bereitgestellte Kontingent für die acht potenziellen deutschen WM-Partien insgesamt 63.000 Anfragen eingegangen. Der DFB verkaufte für das erste Gruppenspiel gegen Curaçao in Houston 3.522 Karten. Für die zweite Begegnung der Vorrunde gegen die Elfenbeinküste in Toronto, dem kleinsten Austragungsort des Turniers, wurden 2.488 Tickets abgesetzt, und für das dritte Spiel gegen Ecuador in New Jersey waren es 4.788. Die Anzahl der Anhänger, die sich zusätzlich über den Wiederverkaufsmarkt mit Karten versorgt haben, ist unbekannt. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.