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Drittligastart mit Fortuna KölnDie Odyssee des Jasper Löffelsend

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Jasper Löffelsend hat einen langen und erfolgreichen Weg hinter sich. Am Samstag startet der SC Fortuna Köln in die Dritte Liga.

Jasper Löffelsend (links) hat einen langen und erfolgreichen Weg hinter sich. Am Samstag startet der SC Fortuna Köln in die Dritte Liga. 

Mit Anfang 20 hatte Jasper Löffelsend den Profifußball fast abgeschrieben. Nach Stationen in den USA, wo er gegen Marco Reus und Gareth Bale spielte, startet er mit dem Südstadt-Klub in die Dritte Liga.

Als Odysseus in Homers Epos nach 20 Jahren Irrfahrt endlich Ithaka erblickte, soll er geweint haben – vor Erschöpfung, vor Erleichterung, vielleicht auch vor Staunen, dass er tatsächlich angekommen war. Jasper Löffelsend hat für seine Rückkehr nicht so lange gebraucht, doch der Weg dorthin, ehe er im Sommer beim SC Fortuna Köln unterschrieb, glich in seinen Umwegen einer eigenen kleinen Odyssee: über Herkenrath nach Pittsburgh, dann Salt Lake City, Colorado und San Diego bis ins polnische Lodz – und nun zurück nach Köln, seine Geburtsstadt. „Näher an zu Hause kann ich fast nicht sein“, sagt der 28-Jährige dieser Redaktion. Zustande kam der Kontakt zufällig, im Trainingslager in der Türkei im vergangenen Januar, wo Fortuna im selben Hotel wohnte wie sein damaliger polnischer Klub.

Saisonstart gegen Mitaufsteiger

Nun zählt für ihn und die Fortuna nur noch die Reise durch die Dritte Liga, die am Samstag mit dem Duell bei Mitaufsteiger Sonnenhof Großaspach (WirmachenDruck-Arena, 16.30 Uhr) beginnt. Als lauter Anführer sieht er sich nicht: „Ich bin eher nicht der, der vorne die Rede hält, sondern ich gehe voran und handle entsprechend. Mein primärer Fokus als Außenverteidiger ist, die Defensive zu verstärken und meinen Teamkollegen den Rücken freizuhalten, damit sie sich auf die Offensive konzentrieren können.“

Dass Löffelsend überhaupt noch einmal auf diesem Niveau spielt, war mit Anfang 20 keineswegs sicher. „Fußball war für mich zu dem Zeitpunkt nicht mehr mit dem Hintergedanken verbunden, noch Profi zu werden“, sagt er über seine Zeit als Student in Köln, in der ihn ein Praktikum vor die Wahl zwischen Fußball und Vollzeitjob stellte. Ein früherer Teamkollege brachte ihn dann auf die Idee, es in den USA zu versuchen – mitten in der Corona-Pandemie ging es an die University of Pittsburgh.

Über das College-Team der Pitt Panthers, dort mehrfach ausgezeichnet, gelang Löffelsend per Draft der Sprung in die Major League Soccer (Anm. d. R. Höchste amerikanische Spielklasse), zu Real Salt Lake. „Du konkurrierst mit gestandenen Profis, die auf Top-Niveau in Europa oder Südamerika spielen. Es gibt nur begrenzte Plätze für internationale Spieler“, sagt er über die Hürden für internationale Spieler in der Liga. Es folgten Stationen bei Colorado Rapids und San Diego FC, 84 MLS-Einsätze, ein Höchst-Marktwert von 1,5 Millionen Euro, Duelle mit Gareth Bale oder ein Trikottausch mit BVB-Legende Marco Reus. 

„Man verlässt sich sehr auf die Anerkennung am Spieltag“, sagt Löffelsend über das Profileben in Amerika. Ehemalige Mitspieler wie Marcelo Silva oder Damir Kreilach (Ex-Union-Spieler), hätten ihm vorgelebt, „was für ein Fußballer und was für ein Mensch man sein möchte“. Von dieser Erfahrung will er nun in der Dritten Liga profitieren: „Ich kann Situationen oft verstehen, weil ich auf beiden Seiten war – bei mir lief es auch nicht immer rund, ich habe nicht immer 90 Minuten gespielt.“ 

Löffelsend verpasste den Aufstieg

Die nächste Station führte nach Polen, zum Zweitligisten LKS Lodz – sportlich enttäuschend, menschlich ein Gewinn. Dort verpasste Löffelsend den Aufstieg in die erste Liga knapp in den Halbfinal-Playoffs.  Anders als in der MLS lernte er dort erstmals echten Ergebnisdruck kennen: „In den USA kannst du nicht absteigen. Das hast du in Polen, und das hast du gemerkt – an der Emotionalität der Fans, an dem Einfluss, den ein Ergebnis am Wochenende auf die Leute in der Stadt hat.“ Wer das entscheidende Tor schieße, laufe „als gefeierter Held“ durch die Stadt, wer im Elfmeterschießen scheitere, müsse sich Dinge anhören. „Da war ich froh, kein Polnisch zu verstehen“, so Löffelsend.

Mit 28 Jahren beginnt für ihn nun sein erstes Engagement im deutschen Profifußball. Die Vorbereitung, in der Fortuna bis auf eine 2:3-Niederlage gegen Steinbach-Haiger ungeschlagen blieb, tauge nur bedingt als Maßstab: „So etwas ist immer mit Vorsicht zu genießen. Siege bestärken dich, geben ein bisschen Selbstvertrauen – entscheidend ist, den Schwung mitzunehmen.“ Wichtiger als Ergebnisse sei das Gefüge dahinter: „Wir haben ein gutes Gerüst gebaut, das jedem das Gefühl vermittelt, dass er wichtig ist – nicht nur die elf Spieler, die auf dem Platz stehen.“

Was es braucht, um zu bestehen, hat er sich aus seinen Umwegen längst zusammengereimt: „Es geht darum, als Mannschaft hundert Prozent zu geben – Wir dürfen uns nicht verstecken, sondern müssen dagegenhalten. Auch wenn das teilweise kein schöner Fußball ist. Wir dürfen kein Spiel und keine Sekunde auf die leichte Schulter nehmen.“ Zum Auftakt wartet am Samstag Großaspach, ein Gegner, der Fortuna in vielem ähnelt. Löffelsend warnt vor Übermut: „Jeder, der in der Liga ist, hat sein Recht, hier zu sein. Da gibt es kein Team, bei dem du sagen kannst: Okay, da haben wir auf jeden Fall drei Punkte.“

Es werde, glaubt er, „ein Duell mit hoher Intensität und vielen Zweikämpfen“ – zwischen zwei Aufsteigern, die wie viele Teams erst noch herausfinden müssen, wo sie in dieser Liga stehen. Dass Trainer Matthias Mink als Saisonziel den Klassenerhalt ausgegeben hat, hält Löffelsend für die richtige Bescheidenheit: „Ich glaube nicht, dass das ein unrealistisches Ziel ist. Aber kein Team wird reingehen und sagen: Wir setzen uns als Ziel den Abstieg.“ Auch für große Kulissen, wie sie in Düsseldorf, Duisburg, Essen oder Aachen warten, ist er gewappnet – seine Jahre vor 20.000 Zuschauern in der MLS zahlen sich aus: „Aller Lärm von außen nehme ich einfach als Anfeuerung wahr und nutze das als positive Energie für mich selbst.“

Odysseus kehrte nach 20 Jahren als gereifter Mann heim, geformt von allem, was ihm unterwegs widerfahren war. Löffelsend bringt aus Pittsburgh, Salt Lake City, seinen anderen Stationen und Lodz ebenfalls viel Erfahrung mit – und die könnte Fortuna auf dem Weg durch die Dritte Liga noch von Nutzen sein.