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50 Stunden„Massive Auswirkungen“ – Bahn wird von Sonntagabend bis Nacht zu Mittwoch bestreikt

Lesezeit 3 Minuten
Der Kölner Hauptbahnhof während des Bahn-Streiks am 21. April.

Der Kölner Hauptbahnhof während des Bahn-Streiks am 21. April.

Kunden der Deutschen Bahn müssen sich erneut auf Zugausfälle einstellen. Ab Sonntagabend gibt es Streiks.

Bei der Bahn wird erneut gestreikt. Wie die Eisenbahngewerkschaft EVG am Donnerstag in Köln mitteilte, findet ein Warnstreik von Sonntagabend, 14. Mai, 22 Uhr bis Dienstagnacht, 16. Mai, 24 Uhr statt. Dies ist ein Ausstand von 50 Stunden, der den Fern-, Regional- und Güterverkehr betrifft.

EVG-Tarifvorständin Cosima Ingenschay sagte, nach elf Wochen Verhandlungen sei man mit der Geduld am Ende. Man wolle wirtschaftlichen Druck erzeugen, gerade auch durch den Stopp des Güterverkehrs. „Da sich an den Verhandlungstischen nur wenig bewegt, wird jetzt noch einmal gestreikt“, so Ingenschay. Die Streikbereitschaft der Beschäftigten sei sehr hoch. Die bislang von der Bahn vorgelegten Angebote wies die EVG als unzureichend zurück.

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Bahn: EVG ruft flächendeckend zum Streik auf

Nun ruft die EVG erneut flächendeckend alle Beschäftigten zum Streik auf. Die EVG verhandelt derzeit mit insgesamt 50 Unternehmen der Branche über Lohnerhöhungen. Ob tatsächlich in allen dieser Unternehmen gestreikt wird, ist noch unklar. Mit einigen Unternehmen wie beispielsweise der Eurobahn sei man mit den Verhandlungen weiter, so die EVG. Hier drohen wohl keine Streiks.

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Die Gewerkschaft fordert für insgesamt rund 230.000 Beschäftigte zwölf Prozent mehr Lohn, mindestens aber monatlich 650 Euro brutto mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Deutsche Bahn will sich am Abschluss im öffentlichen Dienst orientieren 

Die Deutsche Bahn will sich hingegen am Abschluss des öffentlichen Dienstes orientieren. Daran angelehnt hat der bundeseigene Konzern zunächst einen steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleich in mehreren Stufen von insgesamt 2850 Euro vorgeschlagen. Darüber hinaus sollen Löhne und Gehälter ab März 2024 stufenweise erhöht werden - um insgesamt zehn Prozent für die unteren und mittleren sowie um acht Prozent für die oberen Lohngruppen. Bei der DB arbeiten 180.000 der 230.000 Beschäftigten, für die die EVG aktuell verhandelt.

Deutsche Bahn: „Massive Auswirkungen“ des Streiks

Die Bahn geht von Sonntagabend an von „massiven Auswirkungen“ auf den gesamten deutschen Bahnbetrieb aus. „Es muss außerdem mit erheblichen Auswirkungen auf den gesamteuropäischen Güterverkehr gerechnet werden“, hieß es. Sechs von zehn europäischen Frachtkorridoren führten über das deutsche Schienennetz. Der Konzern kündigte im Personenverkehr umfangreiche Kulanzregelungen für die betroffenen Fahrgäste an.

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Der Personalvorstand der Deutschen Bahn, Martin Seiler, kritisierte den angekündigten Arbeitskampf als „irrsinnig“ und „restlos überzogen“. „Statt Kompromisse zu suchen, will die EVG unglaubliche 50 Stunden das Land lahmlegen. Das ist quasi der Vollstreik ohne Urabstimmung“, teilte er mit.

Deutsche Bahn will Streik ab Sonntag noch abwenden

Seiler sagte, die Bahn wolle den Streik noch abwenden. Man sei „ab sofort bereit“ für Gespräche bereit, auch am Wochenende, so Seiler. „An uns soll es nicht scheitern.“ Die EVG hatte kritisiert, dass die Bahn in den Tarifverhandlungen keinen gesetzlichen Mindestlohn ohne Einschränkungen zusage, auf dem die dann erzielten Verhandlungsergebnisse aufbauen würden. Stattdessen würde die Bahn in den unteren Lohngruppen einen Deckel von 13 Euro ansetzen.

Dem widersprach Seiler: „Es ist mitnichten so, dass wir einen Deckel von 13 Euro angeboten haben.“ Sollte es an dieser Stelle ein „Missverständnis“ geben, stehe er gerne auch persönlich zur Klärung bereit.

Deutsche Bahn bereits im März und April bestreikt

Die EVG hatte im März zusammen mit der Gewerkschaft Verdi und im April erneut den Bahnverkehr bundesweit lahmgelegt. Im März dauerte der Ausstand einen Tag. Der zweite Streik im April beschränkte sich auf einen Zeitraum von acht Stunden. Nun steht der dritte Streik bevor. 

Im Frühjahr 2023 kommt es in ganz Deutschland immer wieder zu Streiks: Beschäftigte des öffentlichen Dienstes traten zunächst in den Ausstand. Betroffen waren – auch in Köln – die Müllabfuhr der AWB und Kitas. Im April gab es dann eine Tarifeinigung. Daneben ruft auch die Gewerkschaft Verdi immer wieder zum Ausstand auf. Auch bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) gab es bereits mehrere Streiks.  (cme/dpa/afp)

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