Der rheinische Sandalenproduzent Birkenstock ist längst ein globales Lifestyle-Unternehmen. Die Eigentümer nutzen die Gunst der Stunde und verkaufen ein großes Aktienpaket.
BirkenstockMilliarden-Deal mit Kultsandale

Birkenstock-Sandalen zwischen anderem Schuhwerk im Berliner Admiralspalast.
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Der in Linz am Rhein beheimatete Sandalenhersteller Birkenstock macht mit einer Milliardentransaktion erneut auf sich aufmerksam. In der Nacht zum Freitag warf der Mehrheitsaktionär Catterton, hinter dem der französische Milliardär Bernard Arnault und seine Luxusholding LVMH stehen, Birkenstock-Aktien für gut eine Milliarde Euro auf den Markt. Birkenstock selbst kündigte daraufhin an, die Hälfte dieser Aktien selbst zurückzukaufen. Catterton verkaufte gut 25 Millionen Aktien für knapp 40 Dollar, Birkenstock legte genauso viel Geld pro Anteilsschein hin.
In diesem Deal zeigt sich globale Ausrichtung des einstigen rheinischen Familienunternehmens beispielhaft. Die Geschäfte laufen gut bis sehr gut, und es nutzt die Vehikel der weltweiten Finanzmärkte mit gutem Gespür für den richtigen Zeitpunkt: Wenige Stunden vor der Transaktion hatte das an der New Yorker Börse gehandelte Unternehmen Birkenstock gute bis sehr gute Zahlen verkündet, die Aktie hatte daraufhin einen Kurssprung um zwölf Prozent hingelegt - ein sehr starkes Verkaufssignal für Catterton und ein weiteres Kapitel in einer spannenden Investmentgeschichte.
Geheimrezept Fußleiste
Kurzer Rückblick: Birkenstock, das war über Jahrzehnte eher die Geschichte einer rheinischen Schuhmacher-Werkstatt. 1963 bringt Karl Birkenstock seine Gymnastiksandale mit patentierter Fußleiste auf den Markt und macht damit schnell Furore. In der Hippy-Ära sind die Schlappen Kult. Dann wird es wieder etwas stiller um die Firma, doch sparsam und zielorientiert geführt, wächst Birkenstock Stück für Stück, bleibt aber ein traditionelles deutsches Familienunternehmen mit letzlich überschaubaren Ambitionen.
Dann der Sprung: familienfremdes Management, Positionierung als Kult- und Lifestylemarke, Verkauf an einen Finanzinvestor. 2021 reicht die Familie gut 80 Prozent ihrer Anteile an Catterton weiter, das Unternehmen wird da schon mit fast vier Milliarden Euro bewertet. Zwei Jahre später der Börsengang in New York. Auch wenn sich die neuen Eigentümer an der Wall Street zunächst mehr erwartet hatten, ist das Unternehmen hier schon mit 8,64 Milliarden Dollar bewertet.
Starkes Wachstum in Asien
An diesem Donnerstag hat Birkenstock die Geschäftserwartungen nach oben geschraubt. Die Sandalen verkaufen sich in aller Welt, besonders gut aber derzeit in Asien. Dort peilt das Unternehmen ein Verkaufsplus von 30 Prozent an, weltweit soll das Wachstum bis zu 15 Prozent betragen, der Umsatz bis auf 2,35 Milliarden Euro steigen und ein bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen von 710 Millionen Euro hängen bleiben - was ein wirklich gutes Ergebnis wäre. Denn der hinter Birkenstock stehende Luxuskonzern LVMH ist deutlich weniger profitabel, die Ledertochter Louis Vuitton allerdings noch immer etwas besser als Birkenstock.
Trotzdem ist die Erfolgsgeschichte der einstigen Schusterwerkstatt bemerkenswert. Sie hat es dem Mehrheitseigner Catterton ermöglicht, seit 2024 drei große Aktienpakete im Gesamtwert von 2,7 Milliarden Euro zu verkaufen. Sollte das jetzige Aktienpaket komplett verkauft werden, würde der Finanzinvestor noch 40 Prozent an Birkenstock halten. Die Beteiligungsverhältnisse am Unternehmen sind nicht völlig klar, weiterer Großaktionär bleibt Christian Birkenstock, der Sohn des Patriarchen. Gut fünf Prozent sollen dem französischen Milliardär Bernard Hinault, der hinter LVMH steht, persönlich gehören.
Neue Heimat Rheinauhafen
Offiziell wird das Unternehmen von der schönen Burg Ockenfels über Linz am Rhein gesteuert. Doch das Design - und Vertriebszentrum für Europa sitzt seit 2020 im historischen Lokschuppen im Kölner Rheinauhafen mit gut 300 Mitarbeitern. An der New Yorker Börse ist der Schuhkonzern indes als englische Gesellschaft Birkenstock Holding plc notiert, die administrative Holding greift auf niederländisches Recht zurück und ist möglicherweise auf einer der britischen Kanalinseln beheimatet. Diese sind für ihre sehr zurückhaltende Besteuerung von Unternehmensgewinnen bekannt. Erwirtschaftet werden die Gewinne aber fast ausschließlich von GmbH-Gesellschaften in Deutschland. Eine derartige Konstruktion gilt in der Luxusbranche als nicht unüblich, vor allem dann, wenn Finanzinvestoren im Spiel sind.
Birkenstock ist der mit weitem Abstand größte deutsche Schuhhersteller, das Unternehmen setzt ausdrücklich auf deutsche Produktion und wirbt mit entsprechenden Handwerkstraditionen. Von den etwa 7200 Beschäftigten arbeiten 5500 in Deutschland. Das größte Werk steht in Görlitz und beschäftigt fast 2000 Mitarbeiter, die Lederverarbeitung sitzt im sächsischen Bernstadt, hinzu kommen vier weitere kleinere deutsche Standorte. Birkenstock hat 2025 nach Informationen der Zeitschrift Textilwirtschaft etwa 27 Millionen Paar Schuhe gefertigt.
