Die NRW-Wirtschaft stagnierte 2025. Fürs laufende Jahr treiben zwei Sondereffekte die Prognose. Eine Branche macht allerdings Mut.
Konjunkturbericht NRW„Der Abwärtstrend scheint gestoppt“

Der Energiepreisschock scheint verdaut. Trotz neuer US-Zölle setzt in einzelnen Industrien die Erholung ein.
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NRW hat eine Punktlandung hingelegt. Was nach einem Erfolg klingt, ist keiner. Die Wirtschaft im Land stagnierte 2025 bei exakt 0,0 Prozent. Damit liegt Nordrhein-Westfalen nach Berechnungen des RWI in Essen noch unter dem Schnitt für Gesamtdeutschland. Den sieht das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Berechnungen bei ebenfalls mageren 0,2 Prozent.
Prognose bei 0,9 Prozent Wachstum
Auch die Prognose für das laufende Jahr wirkt nur auf den ersten Blick positiv. Zwar sagen die Ökonomen um RWI-Experte Torsten Schmidt in ihrem Konjunkturbericht ein leichtes Plus von 0,9 Prozent für Nordrhein-Westfalen vorher. Der Großteil davon geht aber auf zwei außerordentliche Einflüsse zurück. Einer ist statistisch. Im Jahr 2026 fallen mehr Feiertage auf ein Wochenende als im Vorjahr. Folglich wird mehr konsumiert, produziert, verkauft. Die Forscher beziffern den Effekt der zusätzlichen wirtschaftlichen Aktivität auf 0,3 Prozent.
Außerdem investiert der Staat vermehrt in seine Infrastruktur. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) sprach bei der Vorstellung des Berichts von rund 30 Mrd. Euro, die in den kommenden zwölf Jahren für die Instandsetzung von „Schulen, Schienen und Kitas“ ausgegeben würden. Auch diese Ausgaben treiben die Wirtschaftsleistung, 2026 voraussichtlich um 0,5 Prozent. Entsprechend soll der Bau, 2025 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent noch ein Sorgenkind der NRW-Wirtschaft, 2026 mit 1,0 Prozent stärker zulegen als die meisten anderen Wirtschaftszweige.
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Auch 2026 real kaum Wachstum
Bereinigt um die beiden Sondereinflüsse – zusätzliche Feiertage und staatliche Investitionen – bleibt es nach Einschätzung der Experten also auch in diesem Jahr bei einem Nullwachstum. Die ohnehin zurückhaltenden Investitionen der Unternehmen flössen zudem vorwiegend in Rationalisierungsmaßnahmen, also etwa in die Erneuerung von Anlagen, nicht in Produktionserweiterungen.
Neubaur konstatierte dementsprechend: „Ein echter Aufschwung fühlt sich anders an.“ Die Wirtschaft sei noch „im Anlauf, nicht im Sprint“. Forderungen aus der Industrie, von den Klimazielen abzurücken, um die Wirtschaft zu entlasten, erteilte die Ministerin allerdings eine Absage. Es bringe nichts, immer wieder Ziele neu zu definieren. Nötig seien vielmehr Anpassungen auf dem Weg dahin. Die würden pragmatisch und im engen Austausch mit der Industrie gemacht. So habe man der NRW-Chemie beispielsweise Zugeständnisse bei der kostenlosen Zuteilung von CO₂-Zertifikationen gemacht und im Gegenzug Investitionszusagen am Standort NRW dafür bekommen.
Externe Schocks
RWI-Forscher Schmidt verwies auf die externen „Schocks“ der vergangenen Jahre, welche die Wirtschaft zu verkraften habe, von gestiegenen Energiekosten bis zu den andauernden Zollstreitigkeiten mit den USA. Politische Unsicherheiten sind nach einer Umfrage der IHK NRW das drängendste Problem für die Firmen im Land. Immerhin, einzelne Branchen wie die Elektro- und Metallindustrie, die von den genannten Schocks weniger getroffen seien, erholten sich bereits. Auch Ralf Stoffels, Präsident der IHK NRW stellte bei der Präsentation der Zahlen fest: „Der Abwärtstrend scheint gestoppt.“ Die jährliche Befragung der IHK NRW-Mitglieder ergab für die Geschäftserwartungen nur noch einen leicht negativen Wert von Minus 5. „Es halten sich positive und negative Einschätzungen derzeit also fast die Waage“, führte Stoffels aus. Das sei im Vorjahr (Geschäftserwartung bei Minus 10) noch ganz anders gewesen.
Ifo-Geschäftsklima steigt unerwartet
Der leichte Stimmungsaufschwung deckt sich mit den zeitgleich veröffentlichten Zahlen des Ifo Instituts in München. Auch das dort errechnete Geschäftsklima legte für den Februar leicht zu auf 88,6 Punkte (plus 1,0 Punkte zum Vormonat). „Die deutsche Wirtschaft zeigt erste Signale einer Belebung“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Daten. Auch bundesweit ist die Elektroindustrie das Zugpferd der Konjunktur. Der Branchenverband ZVEI konnte dank eines starken Endspurts im Dezember für 2025 gar einen Rekord-Exportwert der Elektroindustrie von fast 258 Milliarden Euro melden – trotz zusätzlicher Belastungen durch höhere US-Zölle.
Arbeitslosigkeit geht 2026 leicht zurück
Diese Erfolge könnten sich 2026 auch auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen. Der RWI-Konjunkturbericht für NRW sagt hier einen Rückgang der Erwerbslosenquote von 7,8 auf 7,6 Prozent voraus. Damit läge der Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen an Rhein und Ruhr allerdings weiterhin über dem bundesweiten Schnitt. Den prognostiziert das RWI für 2026 auf 6,2 Prozent (nach 6,3 Prozent 2025).
Der Fachkräftemangel bleibt ein Hemmnis für die Wirtschaft. Von einer Einschränkung des Teilzeitanspruchs, um dem Problem zu begegnen, hält RWI-Ökonom Torsten Schmidt allerdings nichts. „Teilzeit hat in der Vergangenheit bewirkt, dass Frauen das Arbeitsvolumen erhöht haben“, sagt er. Sich jetzt von einer Abschaffung der Teilzeit denselben Effekt zu erwarten, hält er für eine „abwegige Debatte“. Stattdessen müsse es mehr Anreize geben, damit Männer wie Frauen freiwillig ihre Arbeitszeit erhöhen. Wichtig sei außerdem weniger, dass mehr Stunden geleistet würden, sondern vielmehr, dass die Produktivität der Arbeit erhöht werde.
Steuern und Netzentgelte für Strom senken
Mit Blick auf die Zukunft fordert die Landesregierung eine Stromsteuersenkung vom Bund. Nicht der Strom selbst sei zu teuer, sondern Steuern und Netzentgelte trieben die Preise für den Endverbraucher in die Höhe. NRW selbst arbeite am Abbau von Verwaltungshürden. „Bürokratieabbau ist immer noch das günstigste Konjunkturprogramm“, so Neubaur.
