Das Baudezernat begründet die Einsparungen mit der angespannten Haushaltslage. Seit dem 1. Juni steht kein Geld mehr zur Verfügung.
Kölner EbertplatzStadt will Kultur kürzen und zahlt mehr fürs Zubetonieren

Der Brunnen auf dem Kölner Ebertplatz
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Dem Kulturprogramm am Ebertplatz drohen harte Einschnitte: Die Stadt Köln will den bisherigen Etat halbieren. Statt jährlich 581.000 Euro sollen ab 2027 nur noch 261.000 Euro zur Verfügung stehen. Für die Übergangszeit bis Ende 2026 steht bislang ebenfalls kein reguläres Budget zur Verfügung. Das federführende Baudezernat begründet den Schritt mit der angespannten Haushaltslage der Stadt Köln.
Eignung für schwere Fahrzeuge
An anderer Stelle hat das Baudezernat deutlich mehr Geld ausgegeben als geplant: Das Zubetonieren von sechs Abgängen zum Ebertplatz kostet mehr als dreimal so viel wie ursprünglich prognostiziert. Statt der von der Politik bewilligten 175.000 Euro sind es jetzt 533.000 Euro geworden.
Das Baudezernat begründet die Kostenexplosion damit, dass anfangs nicht klar gewesen sei, dass die Betondeckel aus Gründen der Verkehrssicherheit für den Schwerlastverkehr geeignet sein müssen. Erst im Zuge der Planung habe sich ergeben, dass „die Abdeckelung als befahrbare Fläche auch für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und Reinigungsfahrzeuge geeignet sein muss“, heißt es in der Beantwortung einer Anfrage der Ratsgruppe Die Partei. Außerdem habe es die zusätzliche Anforderung gegeben, die Schaufenster der Kunsträume in der Westpassage durch das Setzen der geplanten Wände nicht gravierend zu verkleinern. Für die Umsetzung zuständig ist das Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau.
„Das ist aus meiner Sicht absurd, dass die Stadt ohne neuen politischen Beschluss dreimal so viel Geld für das Zubetonieren ausgibt, und gleichzeitig beim Platzprogramm sparen will“, sagt Andreas Scheffler vom Verein „Ebi – Ebertplatz-Bürgerinnen-Initiative“. Der Vorgang werfe grundsätzliche Fragen zu der Arbeitsweise und der Prioritätensetzung der Stadt am Ebertplatz auf. Während für bauliche Eingriffe erhebliche Mittel bereitgestellt würden, sei die Fortführung der Nutzung und Belebung des Platzes derzeit nicht gesichert.

So sehen die zubetonierten Abgänge am Ebertplatz aus.
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Der Ebertplatz gehört zu den Sorgenkindern unter den Kölner Innenstadtplätzen – zuerst schlossen die Ladengeschäfte in der unterirdischen Passage, seitdem floriert vor Ort der Drogenhandel. Nur mit den vereinten Kräften von Anwohnern und Kulturschaffenden hat sich die Situation in den vergangenen Jahren stabilisiert. Die Stadt Köln finanziert neben dem Kulturprogramm, um den Platz zu bespielen, auch ein Platzmanagement.
Beide sind bereits Ende Mai dieses Jahres ausgelaufen – seitdem gibt es von der Stadt kein Geld mehr. „Wir führen das deshalb zurzeit mit einer Gruppe von 20 Menschen rein ehrenamtlich fort“, sagt Scheffler. Seit November 2025 sei klar gewesen, dass ab dem 1. Juni 2026 kein neues Budget zur Verfügung stehen würde. „Eigentlich sollte das im März schon in den Stadtrat gehen“, sagt Scheffler. Doch dazu kam es nicht.
Vor allem Konzert-Reihen am Ebertplatz teuer
Aufgrund der Einsparverordnung innerhalb der Stadtverwaltung seien Abstimmungen der beteiligten Dienststellen mit der Kämmerei notwendig gewesen, sagt das Baudezernat. Das habe zu „massiven Verzögerungen“ geführt. Jetzt soll es zügig gehen: Die Politik soll das halbierte Budget in der kommenden Ratssitzung am Donnerstag, 2. Juli, entscheiden – per Dringlichkeit. „Weitere Verzögerungen machen die Planung und Umsetzung eines Jahresprogramms unmöglich und sind zudem schädlich für das Engagement der am Ebertplatz aktiven Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler“, so das Baudezernat.
Diesen Eindruck bestätigt Andreas Scheffler. „Wir können nur durch zusätzlich eingeworbene Förderungen und großen ehrenamtlichen Einsatz vorübergehend ein reduziertes Platzprogramm aufrechterhalten“, sagt er. Gleichzeitig drohe das städtische Streetwork, das bereits seit Beginn des Jahres nur noch reduziert am Ebertplatz im Einsatz sei, gänzlich eingestellt zu werden, warnt er.

Übersicht über die gesperrten Zugänge.
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Einsparen will das Baudezernat vor allem bei „kostenintensiven Reihen“ wie den Ebertplatz-Konzerten und den Ebertpänz-Konzerten für Kinder. Diese seien zwar sehr beliebt und würden für einige Stunden „massiv den Platz beleben“ – sie seien allerdings aufgrund ihrer technischen und personellen Ausstattung sowie der Lärmmessprotokolle auch sehr kostenintensiv, argumentiert das Dezernat.
Das Zubetonieren der Abgänge, die in die Westpassage führen, und den Abriss der seit mehr als 20 Jahren defekten Rolltreppen hatte das Baudezernat vorgeschlagen, um die Sicherheit am Ebertplatz zu verbessern. Das Kulturprogramm sei zwar von der Bevölkerung positiv aufgenommen worden, es habe aber zu keiner Zeit positive Auswirkungen auf die Kriminalitätsstatistiken gehabt, argumentiert das Dezernat. Mit der Sperrung der Abgänge sei es hingegen möglich, die dunklen Ecken zu beseitigen. „Die Baumaßnahmen und das Kulturprogramm hängen finanziell nicht voneinander ab“, sagt ein Stadtsprecher auf Anfrage. Die Politik stimmte dem Projekt zu, ging aber davon aus, dass es 175.000 Euro kosten würde und nicht 533.000 Euro.
Neugestaltung des Ebertplatzes in die Ferne gerückt
Das Baudezernat hatte sich stets dagegen gesperrt, die defekten Rolltreppen zu erneuern, weil das zu teuer sei und ohnehin eine Neugestaltung für den gesamten Ebertplatz geplant ist. Der Neubau von zwei Rolltreppen hätte 800.000 Euro gekostet.
Auch in Reihen der Politik sorgt der Vorgang für Verärgerung. „Diese Prioritätensetzung ist für mich nicht nachvollziehbar“ sagt Sandra Schnelloch (Grüne). Wer einen sicheren und attraktiven Ebertplatz haben wolle, müsse die soziale Kontrolle durch Kultur und Streetwork stärken, statt Geld für Beton auszugeben. „Eine Baukostensteigerung in dieser Größenordnung wiegt angesichts der angespannten Haushaltslage besonders schwer. Umso wichtiger wäre es gewesen, die Politik frühzeitig und transparent über diese Entwicklung zu informieren. So hätte es eventuell noch die Möglichkeit gegeben, politisch gegenzusteuern. Jetzt sind Fakten geschaffen worden, und das ist überaus ärgerlich“, sagt CDU-Fraktionsgeschäftsführer Niklas Kienitz. „Zu den Kostensteigerungen bei den Betonierungsarbeiten drängen sich Fragen auf, die wir der Stadtverwaltung stellen werden. Hier muss in Zukunft sorgfältiger und vorausschauender geplant werden, damit Kosten im Rahmen bleiben“, sagt SPD-Fraktionschef Christian Joisten.
Das Ziel, den Ebertplatz noch einmal völlig neu zu gestalten, besteht zwar bereits seit Jahrzehnten, doch der Zeitpunkt rückt immer weiter nach hinten. Frühestens 2030 könnte etwas passieren, heißt es aus der Stadtverwaltung. Was genau passieren soll, ist aber nach wie vor unklar, weil eine politische Entscheidung dazu noch aussteht. Es gibt einerseits die Option, die Vertiefung zuzuschütten und eine ebenerdige Fläche zu schaffen. Andererseits könnte der Platz in seiner derzeitigen Form modernisiert werden.