Zum Jubiläum bekommt das Kölner Museum Ludwig ein seltsames Geschenk: Es soll knapp 20 Prozent seiner Personalkosten einsparen.
Kölner HaushaltWarum straft die Stadt das Museum Ludwig ab?

Das Museum Ludwig in Köln
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In diesem Jahr hat die Stadt Köln ihr wichtigstes Kunsthaus, das Museum Ludwig, ausgiebig gefeiert: für den international beachteten Besucherrekord der Kusama-Ausstellung und natürlich für sein 50-jähriges Bestehen. Wenn Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester an diesem Sonntag beim Jubiläumsfest die Geburtstagstorte anschneidet, könnte die Stimmung trotzdem etwas gedämpft sein, denn als Geschenk haben Burmester und Stadtkämmerin Dörte Diemert für den Jubilar drastische Sparpläne dabei. So sollen die „Personalaufwendungen“ für das Museum Ludwig laut aktuellem Haushaltsentwurf von 4.260.162 Euro im Jahr 2025 auf 3.412.638 Euro im Jahr 2027 gekürzt werden. Also um 847.524 Euro, ein Minus von 19,9 Prozent. Das ist selbst dann noch gravierend, wenn man gewisse Schwankungen akzeptiert: Im Jahr 2023 betrugen die Personalaufwendungen 3,83 Millionen Euro; mit einem ähnlichen Betrag kalkuliert die Stadt für 2026.
Wie diese Einsparungen erreicht werden sollen, bleibt unklar, denn betriebsbedingte Kündigungen, das betont eine Stadtsprecherin auf Anfrage dieser Zeitung, sind nicht geplant. Stattdessen gibt es einen Einstellungsstopp im Ludwig; frei werdende Stellen werden nicht nachbesetzt. Geradezu dramatisch liest sich die Kürzung bei den Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen. Sie sollen von 12.434.942 Euro in 2025 auf 5.386.683 Euro in 2027 sinken. Allerdings lässt sich die Differenz hier mit Mehraufwendungen für Sonderausstellungen und „notwendigen Maßnahmen am Gebäude und an Betriebsanlagen“ erklären. Im Haushaltsplan für die kommenden Jahre ist dieser Posten nicht berücksichtigt, weil der Instandhaltungsetat für sämtliche Museen, so die Stadt, zentral beim Museumsreferat veranschlagt wird – und auf sechs Millionen Euro erhöht wurde.
Auch die anderen Kölner Museen sollen am Personal sparen
Das Museum Ludwig ist nicht das einzige Museum, das nach dem Willen der Stadtspitze sparen soll. Aber die anderen Häuser kommen deutlich glimpflicher davon – mutmaßlich, weil dort nicht so viel zu holen ist. Mit „ordentlichen Gesamtaufwendungen“ von 21.547.489 Euro in 2025 und selbst den für 2027 geplanten 12.472.330 Euro bekommt das Ludwig das größte Stück vom Kuchen. Zum Vergleich: Für das Museum Schnütgen fielen im vergangenen Jahr Zuwendungen über 2.286.064 Euro an. Trotzdem bleibt es seltsam, dass die Stadt ihr einziges Museum von Weltrang derart abstraft, ausgerechnet, nachdem es wieder einmal vorzügliche Werbung für Köln gemacht hat.
Ludwig-Direktor Yilmaz Dziewior äußert sich zu den Sparplänen nicht, denn offiziell spricht die Stadtverwaltung in Haushaltsfragen mit einer Stimme. „Anfragen der Medien werden – wie in der Verwaltung üblich – im Sinne einer einheitlichen Kommunikation zentral beantwortet“, heißt es dazu von der Stadt – man könnte dies auch einen Maulkorberlass nennen. Allerdings hat Dziewior bereits darauf hingewiesen, dass sein Haus deutlich weniger Personal beschäftigt als vergleichbare Museen und die Belegschaft bei der sehr aufwendigen Kusama-Schau an ihre Belastungsgrenze kam. Daraus lässt sich ableiten, was Personalkürzungen für das Ludwig bedeuten könnten: weniger (große) Ausstellungen, weniger Leihverkehr, weniger Publikum, weniger Renommee.
Besonders arg trifft es die Kunst- und Museumsbibliothek
Auch andere Kölner Museumsdirektoren dürften sorgenvoll auf die Haushaltspläne schauen. Beim Römisch-Germanischen Museum sollen die Personalaufwendungen von 2.094.051 Euro aus dem Jahr 2025 auf 1.922.214 Euro im Jahr 2027 sinken, im Rautenstrauch-Joest-Museum im gleichen Vergleichszeitraum von 2.062.514 Euro auf 1.907.869 Euro, im Museum für Ostasiatische Kunst von 923.702 Euro auf 823.888 Euro und im Museum Schnütgen von 1.438.580 Euro auf 1.335.955 Euro. Das klingt nicht nach viel, aber die Personaldecke ist in diesen Häusern ohnehin schon dünn. Für das Museum Schnütgen dürfte selbst ein Minus von 102.625 Euro (das entspricht 7,13 Prozent) einen mächtigen Schlag ins Kontor darstellen.
Mehrere Direktoren können sich dagegen über eine geplante Aufstockung der Personalaufwendungen freuen. Im Museum für Angewandte Kunst sollen diese von 1.842.807 Euro (im Jahr 2025) auf 1.984.631 Euro (im Jahr 2027) steigen, im Kölnischen Stadtmuseum sogar von 2.024.943 Euro (in 2025) auf 2.508.826 Euro (in 2027) und im NS-Dokumentationszentrum von 1.892.146 Euro auf 1.979.085 Euro. Beim derzeit geschlossenen Wallraf-Richartz-Museum, einer „eigenbetriebsähnlichen Einrichtung“, hebt die Stadt den allgemeinen „Betriebskostenzuschuss“ von 6.865.674 Euro auf 7.630.020 Euro an.
Besonders arg trifft es im Haushaltsplan einen akademischen Dienstleister der städtischen Museen: die Kunst- und Museumsbibliothek, kurz KMB. Hier sollen die Personalkosten von 1.780.807 Euro im Jahr 2025 auf 1.167.016 Euro im Jahr 2027 sinken, ein sattes Minus von 34,46 Prozent. „Auch bei der KMB“, so die Verwaltung, „sollen Einsparungen durch die allgemeinen städtischen Vorgaben erreicht werden. Welche Auswirkungen sich daraus für den laufenden Betrieb ergeben, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.“
Über die überregionale Bedeutung der Kunst- und Museumsbibliothek für die Forschung wurde schon viel geschrieben und gesprochen (für eine frühere Rettung der KMB hatte sich der Kölner Ehrenbürger Gerhard Richter engagiert). Aber in der Politik scheint davon nichts zu verfangen. Möglicherweise hat man dort vergessen, dass Museen nicht nur Kostenträger, sondern auch Forschungsstätten sind.
