Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 148. Teil der Serie geht es um den Künstler Gerhard Richter.
Bedeutung
Gerhard Richter ist einer der erfolgreichsten bildenden Künstler der Gegenwart. Seine Werke gehören zu den am höchsten gehandelten weltweit. 1949 begann Richter eine Lehre als Schriftenmaler und 1951 ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, das er 1956 mit einer Wandmalerei im Deutschen Hygienemuseum als Diplomarbeit abschloss. 1961 flüchtete Richter aus der DDR und begann ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, das er 1964 beendete. Es schlossen sich erste Einzelausstellungen an.
Gerhard Richter
Geboren: 9. Februar 1932 in Dresden
1971 bis 1988 war er Professor an der Kunstakademie. Richter nahm zudem Gastprofessuren in Hamburg, Halifax und Frankfurt am Main wahr. Er stellte weltweit aus, ist heute in allen international wichtigen Museen vertreten und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Das Gesamtwerk umfasst mehr als 3.000 Einzelarbeiten von großer stilistischer Bandbreite: Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Glasarbeiten.
Seine fast fotorealistischen Ölgemälde sind weltberühmt. Die abstrakten Arbeiten bestehen aus bunten Farben, die auf der Leinwand gewischt oder gemalt werden. In den 1960er Jahren entdeckte Richter die Rakel-Technik: Mit dem Werkzeug wird hier die Farbe über die Leinwand gestrichen.
Wirken in Köln
1967 stellte Richter im Studio Dumont die surrealistisch anmutende Darstellung eines Hirschgeweihs aus. Seit 1983 lebt Richter in Köln, 1996 bezog er ein Atelier im Hahnwald. Das von ihm gestaltete Südhausquerfenster im Kölner Dom mit 11.263 farbigen Glasquadraten auf 106 Quadratmetern wurde 2007 trotz Ablehnung des damaligen Erzbischofs, Kardinal Joachim Meisner, eingeweiht und gehört seitdem zu den meistbesichtigten Kunstwerken der Welt. Die Quadrate aus mundgeblasenem Echt-Acrylglas sind in 72 Farbtönen gestaltet und per Zufallsgenerator lokalisiert.
Bemerkenswert
Der höchste erzielte Preis für ein Richter-Werk, „Abstraktes Bild (599)“, betrug 2015 46,3 Mio. US-Dollar. 1998 war es für 600.000 Dollar zum ersten Mal versteigert worden.
Spuren in der Stadt
2007 verlieh der Stadtrat Richter als erstem und bisher einzigem bildenden Künstler die Ehrenbürgerschaft, da seine Arbeiten „den Ruhm und Ruf der Kulturstadt Köln“ mehrten. Das Museum Ludwig besitzt mehrere Arbeiten.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.

