Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 29. Teil der Serie geht es um Hertha Kraus, eine Pionierin der Sozialen Arbeit.
150 aus 150Hertha Kraus war Pionierin der sozialen Arbeit

Hertha Kraus verstand soziale Arbeit als Förderung der Demokratie.
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Bedeutung
Kraus war eine Pionierin der Sozialen Arbeit. 1923 berief Oberbürgermeister Konrad Adenauer die promovierte Sozialwissenschaftlerin als Stadtdirektorin und Leiterin des Wohlfahrtsamtes. Ihre Jugend und die Zugehörigkeit zur SPD wurden öffentlich angegriffen, aber Adenauer ließ sich nicht beirren. 1933 wurde die zur Quäkerin konvertierte Jüdin von den Nationalsozialisten entlassen. Sie emigrierte in die USA, wo sie von 1936 bis zu ihrer Emeritierung 1962 als Professorin für „Social Economy“ am Bryn Mawr College der Quäker in Philadelphia lehrte. Schon kurz vor Kriegsende bat Adenauer sie, nach Deutschland zu kommen. Seit 1946 informierte sie auf mehreren Besuchen über die in den USA verbreitete Einzelfallhilfe in schwierigen Lebenslagen („Social Case Work“). 1949 erschien ihr Standardwerk „Von Mensch zu Mensch“ auf Deutsch. Kraus verstand soziale Arbeit als Förderung der Demokratie. Ihre Arbeiten flossen in die Ausbildung von Sozialarbeitern ein. Sie unterstützte den Wiederaufbau der Arbeiterwohlfahrt und half bei der Errichtung von Quäkerheimen, auch in Köln. 1963 versuchte sie als Mitglied einer US-Delegation, zwischen der BRD und der DDR zu vermitteln.
Hertha Kraus
Geboren: 11. September 1897 in Prag
Gestorben: 16. Mai 1968 in Haverford, USA
Wirken in Köln
In Köln organisierte sie die Sozialverwaltung, engagierte sich in sozialen Einrichtungen und im Vorstand des Stadtverbands Kölner Frauenvereine. Mit einer Kampagne warb sie für die gesunde Ernährung von Kindern. 1927 begann sie, die ehemalige Kaserne in Riehl in ein modernes Altersheim umzuwandeln. Die „Riehler Heimstätten“ galten bei Fertigstellung acht Jahre später als größte Einrichtung dieser Art in Deutschland.
Bemerkenswert
Die gemeinsame Grabstätte mit ihrer Lebensgefährtin Gertrud Schulz befindet sich auf dem Quäkerfriedhof in Haverford, Pennsylvania.
Spuren in der Stadt
Die Stadt würdigte Kraus mit einer Straße in Riehl und mit einer Ratsturmfigur. Vor dem Haus Märchenstr. 54 in Dellbrück ließ der Wirtschaftsweiber e. V. 2021 einen Stolperstein verlegen. An der TH Köln wird ein Hertha-Kraus-Preis für Abschlussarbeiten zu Management und Organisation in der Sozialen Arbeit verliehen.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.