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150 aus 150Günter Wallraff erfand Undercover-Recherchen neu

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PRODUKTION - 21.07.2023, Nordrhein-Westfalen, Köln: Günter Wallraff, Schriftsteller und Bürger von Ehrenfeld, steht vor dem dem Leuchtturm. Im Kölner Stadtteil Ehrenfeld steht Nordrhein-Westfalens einziger Leuchtturm. Einen Nutzen hat er nicht. Er ist einfach nur da - und wird vielleicht gerade deshalb so geliebt. Der bekannteste Ehrenfelder macht sich jetzt für eine Belebung stark. (Zu dpa/lnw: ·Der Leuchtturm von Köln-Ehrenfeld - Ohne Sinn und doch geliebt·) Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Günter Wallraff lebt in Köln-Ehrenfeld. (Archivfoto)

Der Journalist und Schriftsteller ist für seine Undercover-Recherchen bekannt. Er lebt in Köln-Ehrenfeld.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 36. Teil der Serie geht es um den investigativen Journalisten Günter Wallraf.

Bedeutung

Günter Wallraff, Sohn eines Ford-Arbeiters, verließ das Gymnasium nach der 10. Klasse und absolvierte eine Buchhändlerausbildung, die er 1962 abschloss. 1963 wurde er zur Bundeswehr eingezogen, verweigerte aber den Dienst mit der Waffe. Über diese Zeit berichtete er in der Jugendzeitschrift „Twen“. Wallraff entwickelte eine bis dahin in Deutschland unbekannte Form des investigativen Journalismus. Er nahm fremde Identitäten an, die es ihm ermöglichten, unerkannt angestellt zu werden.

1969 erschien sein erstes Buch unter dem Titel „13 unerwünschte Reportagen“. Da er sich als Beamter des Innenministeriums ausgab, erhielt er eine Anzeige wegen Amtsanmaßung, wurde aber freigesprochen. Er widmete sich auch Themen wie der Behandlung in psychiatrischen Kliniken, Obdachlosigkeit und Heimunterbringung. 1977 arbeitete er bei der „Bild“-Zeitung als Journalist Hans Esser. Über diese Zeit schrieb er den Bestseller „Der Aufmacher“, um den es jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen gab. Später wurde bekannt, dass Wallraff nicht alle Texte allein geschrieben hatte.

Das Buch „Ganz unten“, in dem er seine Erfahrungen als Türke Ali mit Ausländerhass und Diskriminierung schilderte, verkaufte sich nach dem Erscheinen 1985 in Deutschland über fünf Millionen Mal und stand 22 Wochen auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Übersetzt wurde es in 38 Sprachen. Wallraff polarisierte, es gab neben Bewunderern auch Kritiker, die sich an der Form des moralischen Schreibens stießen. Auch für seine Reportage als Schwarzer in Deutschland erhielt er Zustimmung wie Kritik von Betroffenen. Seit 2012 strahlt RTL unregelmäßig Themenreportagen mit „Team Wallraff“ aus.


Günter Wallraf

Geboren: 1. Oktober 1942 in Burscheid


Wirken in Köln

Wallraff wohnt in Ehrenfeld. Er unterstützt verfolgte Autoren. Nach dem Aufruf zur Ermordung des britischen Schriftstellers Salman Rushdie versteckte dieser sich einige Tage bei Wallraff. Wallraff ist Mitglied des Kölner Bürgerkomitees alternative Ehrenbürgerschaft.

Bemerkenswert

Sein Recherchestil wird in Schweden als „wallraffing“ bezeichnet.

Spuren in der Stadt

2019 erhielt er den Hans-Böckler-Preis der Stadt Köln. Im Historischen Archiv der Stadt Köln befindet sich Wallraffs schriftlicher Vorlass.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.