Als Zugabe zu ihrem Adventskalender 2025 öffnet Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner noch ein Türchen zum Fest der heiligen drei Könige am 6. Januar.
Auf den PunktReiche Bescherung in Kölns schönstem Dreikönigsbild

Meister Arnt (vor 1450 bis 1492): Anbetung der heiligen drei Könige (Ausschnitt), Museum Schnütgen, Köln
Copyright: Alexander Schwaiger
Im Advent habe ich Ihnen vom 1. bis zum 24. Dezember jeden Tag ein besonderes Ausstellungsstück aus einem von sechs Kölner Museen vorgestellt. Das Ganze endetet Heiligabend mit einem Gemälde aus dem Wallraf-Richartz-Museum, das ich freiweg und rundheraus als das schönste Weihnachtsbild in ganz Köln bezeichnet habe.
Aber die Weihnachtszeit und die dazu gehörigen biblischen Geschichten reichen ja weiter als bis zur Geburt Christi im Stall von Bethlehem. Heute, am 6. Januar, feiert die westliche Christenheit und ganz besonders das hillije Köln die heiligen drei Könige. Sozusagen als Zugabe oder Nachklapp zu meinem Adventskalender habe ich noch ein 25. Türchen für Sie in petto. Dazu empfehle ich den Besuch im Museum Schnütgen, das ein Hauptwerk des bedeutenden niederrheinischen Künstlers Arnt von Zwolle (oder auch Arnt von Kalkar) aus der späten Gotik in seinem Bestand hat: eine Anbetung der Könige.
Der vor 1450 geborene und 1492 gestorbene Meister Arnt – auf Niederländisch: Arnt Beeldsnider, Arnt der Bilderschneider – schuf dieses Werk wohl zwischen 1470 und 1490[JF1] . Das Museum hatte das Glück, zusätzlich zu der nicht vollständigen Haupttafel des Eichenholz-Reliefs im Jahr 2019 vier zugehörige Fragmente erwerben zu können, von deren Existenz man bis in die 1990er Jahre nichts gewusst hatte. Eine schmale Lücke zwischen den Reliefs weist auf das Fehlen weiterer, vermutlich verlorener Teile hin.
Eine um diese wunderbare Arbeit herum gruppierte Sonderausstellung im Jahr 2020 bezeichnete Arnt als „Meister der beseelten Skulpturen“, und das trifft es wirklich. Die gesamte Szenerie ist von seltener Lebendigkeit. Wie in der damaligen Zeit üblich, werden verschiedene Teile der biblischen Geschichte der Weisen aus dem Morgenland, aus denen die Tradition die heiligen drei Könige gemacht hat, nicht in einer Bildfolge hintereinander gezeigt, sondern in ein und dem selben Tableau. So sieht man links oben den Zug der Könige mit ihrem Gefolge gen Jerusalem ziehen, während sie im Zentrum des Reliefs bereits im Stall von Bethlehem angekommen sind und dem Jesuskind als neugeborenem König der Juden huldigen.

Meister Arnt: Anbetung der Könige (Gesamtansicht mit ergänzten Fragmenten rechts), Museum Schnütgen, Köln
Copyright: Marion Mennicken / Rheinisches Bildarchiv Köln
Der eine König kniet rechts vor Maria und küsst dem Knaben auf ihrem Schoß ehrerbietig die Hand. Dazu bringt er als Geschenk ein prachtvolles goldenes Gefäß in Form eines Reliquiars, das er in mit schwungvoll nach hinten geworfenem Arm präsentiert. Der zweite König, auch er auf den Knien, hat anbetend die Hände erhoben. Seine Krone liegt neben ihm auf dem Boden. Der Herr mit dem dunklen Haupthaar dahinter ist nicht etwa der dritte König, sondern – der heilige Josef, der schon mal für seinen Ziehsohn die Geschenke in Empfang genommen hat.
Der dritte König mit schwarzer Haut und lockigem Haar, gekleidet in ein prachtvolles Wams und ein hautenges Beinkleid, lüftet gerade elegant seine Krone. Einer von zwei Dienern hinter ihm hat das Obergewand des Königs locker über den Arm gelegt. Ein junger Diener, fast noch ein Kind, schleppt ein weiteres goldenes Gefäß mit Deckel herbei. Darunter kniet ein weiterer Diener, der mit einem nicht näher definierbaren Gesichtsausdruck – konzentriert? ein bisschen unwirsch, vielleicht sogar neidisch? – noch ein wertvolles Geschenk aus seiner roten Tasche holt. Man kann wirklich sagen: Reiche Bescherung für das Jesuskind!
Damit aber ist die Darstellung bei weitem nicht erschöpft. Man sieht die Pferde im Tross der Könige, eine Burgruine, die Silhouette einer Stadt mit Stadtmauer und Wehrtürmen in bergigem Gelände, Ochs und Esel im Stall von Bethlehem natürlich – und eine unglaubliche Fülle feinster Textilien und Accessoires. Achten Sie nur einmal auf den Kopfschmuck der Maria: Das weiße, gefältelte Tuch mit goldenem Saum lässt das offene Haar darunter sichtbar. Es weist Maria als unverheiratete Frau aus, die hier als Spross einer großbürgerlichen Familie erscheint.
Alle Figuren sind in einer lebendigen Interaktion miteinander. Da ist nichts statisch, alles ist in Bewegung. Man kann sich buchstäblich in diese Szene hineinvertiefen – und sieht sich lange nicht satt am schönsten Dreikönigsbild von Köln.
Aufgezeichnet von Joachim Frank
Das Museum Schnütgen, Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln (Eingang über das Rautenstrauch-Joest-Museum), ist geöffnet von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr und am „Köln-Tag“, dem ersten Donnerstag im Monat, von 10 bis 22 Uhr. Montags geschlossen. Eintritt: 6 Euro (ermäßigt 3,50 Euro). Freien Eintritt haben unter anderem Kinder und Jugendliche unter 18 aus Köln.
In unserem Adventskalender 2025 hat Dombaumeisterin a.D. Barbara Schock-Werner jeden Tag ein besonderes Ausstellungsstück aus einem von sechs Kölner Museen vorgestellt. Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie hier: www.ksta.de/weihnachten
