Alexander Wehrle zum Geißbockheim„Die Frage nach Alternativen stellt sich gar nicht“

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FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle

  • Der FC will sein Trainingsgelände ausbauen. Der Plan sieht eine Erweiterung im Äußeren Grüngürtel vor.
  • Nun ist Oberbürgermeisterin Henriette Reker überraschend von den Plänen abgerückt. Sie kann sich andere Standorte vorstellen.
  • FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle verrät im Interview, wie er auf den Sinneswandel der OB reagiert hat, wie er über alternative Standorte denkt und was er von Rekers Klimawandel-Argument hält.

Herr Wehrle, hat die Oberbürgermeisterin Sie denn inzwischen angerufen?

Alexander Wehrle: Ja, wir haben am Freitag telefoniert und über das Thema gesprochen. Ich habe ihr unseren Standpunkt klar mitgeteilt. Wir sind seit vier Jahren in einem Flächennutzungs- und Bebauungsplanverfahren. Wir haben uns alle gemeinsam bewusst für diesen Schritt entschieden, weil uns die Transparenz sehr wichtig ist. Wir wollen ja, dass die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt mitdiskutieren können. Und wir haben in diesen vier Jahren einige Kompromisse zwischen Stadtverwaltung, den Parteien und dem FC hinbekommen. Zuletzt haben wir noch einmal vom Regionalrat ein deutliches Votum für unser Vorhaben erhalten. Von daher sind wir alle gut beraten, diesen Prozess jetzt zu Ende zu bringen. Ich wüsste nicht, warum man wenige Monate vor Abschluss davon abweichen sollte.

Kam der Sinneswandel der OB für Sie denn überraschend oder hat sich das vorher angedeutet?

Nein, für mich kam das völlig überraschend.

Dass Sie nur einen Tag vor Rekers Äußerungen Ihre Mitglieder aufgerufen haben, sich mit positiven Stellungnahmen in das Verfahren einzubringen, war also Zufall?

Absolut. Die Bürgerinitiative hat ja auch dazu aufgerufen, Stellungnahmen abzugeben. Wir wurden dann von vielen Mitglieder gefragt, wie denn der formale Prozess läuft und wie so ein Schreiben aussehen müsste. Wir haben also eigentlich nur Hilfestellung gegeben bei dem, was unsere Mitglieder und Fans wissen wollten.

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OB Reker möchte nun gemeinsam mit dem FC nach Alternativen zum Ausbau des Geißbockheims suchen. Haben Sie sich schon mit ihr verabredet?

Wir wollen dieses Verfahren am Geißbockheim abschließen. Zum Verfahren gehörte bereits die Prüfung von alternativen Standorten. Bislang waren die Signale von CDU, SPD und FDP eindeutig, dass sie dieses Verfahren für den FC unterstützen. Sollte es nach Abschluss des Verfahrens eine neue Situation geben, dann haben wir eventuell einen anderen Sachverhalt. Für uns gilt: Ich kenne keinen Alternativ-Standort, an dem der FC morgen anfangen kann zu bauen. Denn selbst wenn es andere Standorte gäbe, die die nötigen Flächen hätten, müsste man auch dort das ganze Verfahren erneut durchlaufen. Und das würde wieder zwei, drei Jahre dauern. Von daher stellt sich die Frage nach den Alternativen gar nicht. Das Geißbockheim ist unsere Heimat seit 1953. Wir haben auch eine Verantwortung für unsere Mitglieder und Fans. Diese Verantwortung können wir jetzt nicht leichtfertig zur Seite schieben, nur weil es vielleicht machtpolitische Veränderungen gibt in dieser Stadt.

Frau Reker beruft sich bei ihrem Sinneswandel auf den Klimanotstand.

Eine nachhaltige Verschlechterung des Klimas in Köln mit drei Fußballplätzen in Verbindung zu setzen, finde ich schwierig. Denn das würde ja in der Konsequenz bedeuten, dass wir in der Sportstadt Köln keine Fußballplätze mehr bauen können. Das wäre für eine Stadt, in der rund 250.000 Menschen in Sportvereinen engagiert sind, ein fatales Signal. Zudem gibt es ein Klimaschutzgutachten, ein Artenschutzgutachten, ein Denkmalschutzgutachten – alle mit deutlichen Ergebnissen. Um es nochmal eindeutig zu sagen: Wir befinden uns im Sportband des Grüngürtels. Das ist seit 1920 dafür vorgesehen, dass hier Sport getrieben wird. Deswegen gibt es den 1. FC Köln an diesem Standort. Zudem sollte man nicht vergessen, dass die drei Sportlätze, um die es geht, ja außerhalb der täglich etwa vier Stunden, in denen wir sie brauchen, für die Bürgerinnen und Bürger offen sind – für Kinder aus den umliegenden Schulen etwa oder für die Bunte Liga.

Das Trainingsgelände am Geißbockheim

Das Trainingsgelände am Geißbockheim

Das zweite Argument der OB ist die starke Beteiligung der Bürger an der Offenlage der Pläne.

Wir haben bereits eine erste Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung gehabt mit zahlreichen Eingaben – positive wie negative. Dafür macht man ja so ein transparentes Verfahren. Danach haben sich die gewählten Vertreter der Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich für einen Aufstellungsbeschluss entschieden. Deswegen sind wir im Verfahren überhaupt so weit gekommen. Dass das Thema die Bürger bewegt, das wissen wir seit vier Jahren. Aber das ist für mich kein neues Sachargument. Dass die Oberbürgermeisterin kurz vor Ende des Verfahrens das ganze Projekt hinterfragt, das sie seit 2015 öffentlich befürwortet hat, ist ja auch eine Botschaft für andere Bauträger in dieser Stadt. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die seit vier Jahren mit diesem Verfahren beschäftigt sind, bedeutet es ja etwas, wenn ihre Arbeit kurz vor Ende in Frage gestellt wird. Es ist jedenfalls keine positive Signalwirkung.

Sie berufen sich immer auch auf die Tradition am Standort im Grüngürtel.

Wenn jetzt mal einfach so ein neuer Standort diskutiert wird, bedeutet das nicht nur, dass wir unsere Heimat verlieren, die ja ein wichtiger Teil der FC-Historie ist. Es bedeutet auch, dass all das, was der Verein in den letzten Jahrzehnten hier investiert hat in Gebäude und in Sportplätze, verloren wäre. Ich frage mich, wie die finanzielle Kompensation dafür aussehen würde. Hier ist ja ein riesiger Wert entstanden, den wir nun einfach aufgeben sollen? Dazu kommt doch: Egal, wo wir hingehen würden, müssten wir ja komplett neu anfangen, zwölf neue Fußballplätze bauen – wie sieht es denn da eigentlich mit dem Klimaschutz aus?

Ist die Stadt für Sie kein verlässlicher Partner mehr?

Da muss man differenzieren. Mit der Verwaltung, etwa mit dem Baudezernenten, haben wir eine sehr vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit. Und bei den Parteien haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir mit CDU, SPD und FDP in konstruktiven Auseinandersetzungen immer zu einem Kompromiss kommen konnten.

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