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Umstrittenes ProjektMerkenicher stehen Klärschlammverbrennung in ihrem Veedel kritisch gegenüber

Lesezeit 3 Minuten
Auf einem Marktplatz stehen einige Menschen.

Eine Demo gegen die Klärschlammverbrennungsanlage fand vor dem Pfarrheim von St. Brictius in Merkenich statt.

Bei einer Informationsveranstaltung betonten die Verantwortlichen die Vorteile des Merkenicher Standorts.  Doch auch der Protest bleibt stark. 

Seit die Pläne für eine Klärschlammverbrennungsanlage am Standort des Heizkraftwerks am Merkenicher Ortsrand 2021 erstmals öffentlich bekannt wurden, stoßen diese bei vielen Menschen im Kölner Norden auf Ablehnung – nicht nur, aber vor allem bei den Anwohnern in Merkenich. Dort hatte die Klar GmbH, die 2022 für Planung und Bau der Anlage gegründet worden war, nun zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ins Pfarrheim von St. Brictius eingeladen.

Die Initiative Köln Nord hatte die Veranstaltung für eine Protest-Aktion genutzt: Gut 100 Personen hatten sich vor dem Pfarrheim versammelt, um mit Transparenten gegen die Pläne zu demonstrieren.

Im Saal des Pfarrheims standen Sachverständige an Info-Tafeln bereit, um sich den Fragen der Bürger zu stellen. Die Folien erinnerten etwa an die Gesetzesnovelle der Klärschlammverordnung von 2017: Diese sieht vor, dass der im Klärschlamm enthaltene Phosphor ab 2029 zurückgewonnen werden muss, denn dieser zur Neige gehende Rohstoff wird etwa für die Düngemittelproduktion benötigt. Eine Reihe von technischen Verfahren zur Abscheidung des Phosphors befände sich in der Prüfung, erfuhren die Besucher, eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen.

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„Es muss ein ausgereiftes Verfahren sein, das ist Bedingung“, sagte Eugen Ott, Mitarbeiter der Presseabteilung der Rhein-Energie, die die Anlage im Auftrag der Klar GmbH betreiben wird. Alle in Frage kommenden Verfahren würden jedoch eine Verbrennung des Klärschlamms erfordern, so Ott.

Schlamm stammt zu über 50 Prozent aus dem Klärwerk in Köln-Stammheim

Das Gewicht der Präsentation lag darauf die Vorteile herauszustreichen, die für eine Ansiedlung der Anlage in Merkenich sprechen: Nur am Standort des Heizkraftwerks könnten drei verschiedene Transportwege zur Anlieferung des zu verbrennenden Klärschlamms genutzt werden, der zu 54 Prozent aus dem Kölner Klärwerk in Stammheim, zu 20 Prozent aus Bonn, und zu 26 Prozent aus 19 weiteren Gemeinden des Umland stammen soll. Für den Klärschlamm aus Stammheim soll eine bereits bestehende Druckleitung unter dem Rhein genutzt werden, die Lieferung aus Bonn per Schiff erfolgen, wofür der benachbarte Ölhafen genutzt werden könne.

„Die gemeinsame Verwertung mit den Nachbargemeinden senkt die Kosten und durch die Anlieferung per Druckleitung und Schiff können wir die nötigen Lkw-Fahrten ganz entscheidend reduzieren“, so Ott. Zurzeit würde der Klärschlamm aus Stammheim zu 100 Prozent per Lkw zur Verbrennung in den Kohlekraftwerken des Umlands transportiert, was etwa 25 Lkw-Fahrten pro Tag bedeute. Durch die geplante Anlage soll diese Zahl um 52 Prozent gedrückt werden können.

Für die Merkenicher ist dies nach Ansicht der Mitglieder der Initiative jedoch kein Trost, im Gegenteil. „Das bedeutet 15 Schwerlast-Lkw-Fahrten durch unseren Ort pro Tag, eine enorme Verkehrs- und Umweltbelastung“, so Bruno Klais, der auch im Bürgerverein Merkenich aktiv ist. Zwar war zu erfahren, dass die Anlieferung am Ortszentrum vorbei über die Emdener Straße und ein kurzes Stück des Ivenhofwegs erfolgen soll, von dem aus die Anfahrt an die Rückseite des Kraftwerks möglich sein soll.

Die Kreuzung von Emdener Straße und Ivenhofsweg sei jedoch besonders von Radfahrern frequentiert, durch die zahlreichen Lkw werde das Unfallrisiko steigen, ist Klais überzeugt. „Dabei gibt es einen Zusatzbeschluss, dass auch die Anlieferung per Lkw über den Ölhafen zu erfolgen habe“, gab er an. Die bei der Veranstaltung präsentierten Informationen seien schönfärberisch und falsch, schloss er. „Die Dichte an Störfallbetrieben in Merkenich sucht jetzt schon ihresgleichen“, sagte er. „Durch die Klärschlammverbrennung werden wir endgültig zum Industriegebiet. Das verhindert jegliche Entwicklung der Infrastruktur für die Bürger.“

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