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Mordfall nach 42 JahrenRichter meldet Bedenken zur Beweislage an

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Prozess um die Ermordung eines Professors im Jahr 1984

Der Angeklagte neben seiner Anwältin. (Archivbild)

In dem Prozess zu einem Mordfall in Hilden, der fast 42 Jahre zurückliegt, hat der Richter überraschend Zweifel an den vorliegenden Beweisen geäußert.

63-jährigem Angeklagten droht lebenslange Haft – Gericht regt Aussage an

Im Verfahren um den Mord an einem Psychologieprofessor hat der Vorsitzende Richter am Düsseldorfer Landgericht angesichts der Beweislage Bedenken angemeldet. Dem 63-jährigen Angeklagten, der zu den Vorwürfen bislang schweigt, droht eine lebenslange Haftstrafe. Der Strafkammer sei es nicht angenehm, „auf Basis von nur drei Beweisanzeichen und nahezu ausschließlich auf Aktenlage eine so weitreichende Entscheidung zu treffen“, äußerte der Vorsitzende Richter Rainer Drees, wie die dpa meldet.

Das Gericht habe kein Interesse daran, den Angeklagten „um jeden Preis zu verurteilen“. Der Richter legte der Verteidigerin nahe, mit ihrem Mandanten über eine Einlassung zu sprechen. „Dabei geht es uns nicht darum, ihn ins Messer laufen zu lassen“, hob Drees hervor. Vielmehr könne eine Aussage des Beschuldigten dem Gericht bei der Urteilsfindung behilflich sein.

Kehrtwende im Prozessgeschehen

In der Vorwoche hatte der Richter noch erklärt, es sei „eher unwahrscheinlich, dass ein anderer als der Angeklagte die Tat begangen habe“. Als Begründung führte er Fingerabdruck- und DNA-Spuren des Angeklagten am Tatort an, die „tatzeitnah“ hinterlassen worden seien, sowie ein Geständnis gegenüber einem Zeugen.

Der Professor war im April 1984 in seinem Haus in Hilden bei Düsseldorf durch 24 Messerstiche in Rücken, Nacken und Brust getötet worden. Fast 42 Jahre später steht nun der heute 63-jährige Angeklagte aus Italien vor Gericht. Zur Tatzeit war er 21 Jahre alt und soll im Rheinland als Prostituierter tätig gewesen sein.

Belastende Spuren und ein entlasteter Verdächtiger

Der Angeklagte geriet bereits damals in den Fokus der Mordkommission, nachdem sein Fingerabdruck auf einem Teller in der Küche des Professors gefunden wurde. Jahrzehnte später wurde dem inzwischen in Italien lebenden Mann eine DNA-Probe entnommen. Diese stimmt laut den Ermittlern mit einer DNA-Spur an der Leiche des Professors und an einem Tuch im Schlafzimmer überein. Damals konnten solche Spuren technologisch noch nicht ausgewertet werden.

Zudem soll der Italiener die Tat gegenüber einem inzwischen verstorbenen Zeugen zugegeben haben. Die Ermittlungen wurden jedoch dadurch verkompliziert, dass laut einem anderen Zeugen auch ein weiterer Mann die Tat gestanden haben soll. Eine in der vergangenen Woche genommene Speichelprobe entlastete diesen Mann aus Bottrop jedoch: Seine DNA passt nicht zu den am Tatort entdeckten Spuren.

Die Verteidigerin Hannah Piel erklärte zum Prozessauftakt, ihr Mandant beharre auf seiner Unschuld. Sie machte darauf aufmerksam, dass am Körper des Professors die DNA von vier verschiedenen Männern nachgewiesen wurde. Da weder Fenster noch Türen aufgebrochen waren, ging die Kripo damals davon aus, dass der verwitwete, alleinerziehende Vater seinen Mörder selbst hereingelassen hatte. Seine drei Kinder wurden durch die Tat zu Vollwaisen. (red)

Die Verhandlung findet am 13. April ihre Fortsetzung. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.