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AusstellungFreilichtmuseum Kommern hat eine neue Nutzung für den Speicher aus Lürrip

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Zwei Frauen und zwei Männer stehen nebeneinander, im Hintergrund sind ausgestellte Bilder zu sehen.

Präsentierten die Wanderausstellung zu artenreichen Lebensräumen: Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig (v.l.), Margarethe Becker, wissenschaftliche Referentin, Maike Wermes vom Projekt „Lebensnetz Börde“ und Stefan Meisberger, Leiter der Biologischen Station im Kreis Euskirchen.

Im LVR-Freilichtmuseum Kommern wurde eine Ausstellung zur Fauna und Flora des Natur- und Kulturraums Börde eröffnet.

Mehr als vier Jahre lang blieb das Innere des aus Lürrip stammenden Getreidespeichers für die Besucherinnen und Besucher des LVR-Freilichtmuseums in Kommern verborgen. Zwar konnte das imposante, in der Baugruppe Niederrhein stehende Gebäude auch von außen überzeugen, dennoch lag die Nutzung der Innenräume den Verantwortlichen sehr am Herzen.

Nach der Sanierung des Wassergrabens, der seinerzeit als zusätzliche Absicherung des für die Besitzer lebenswichtigen Inhalts diente, und der Fertigstellung einer neuen Brücke gab es am Mittwochvormittag für Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig doppelten Grund zur Freude. „Wir freuen uns, den Speicher wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und gleichzeitig den Raum als Fläche für eine neue Ausstellung nutzen zu können.“

Zusammenarbeit mit der Biologischen Station im Kreis Euskirchen

Interessierte können sich nun nicht nur über die historische Lagerung von Lebensmitteln, sondern auch über die Börde als wichtigen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Insektenarten informieren.

Makroaufnahmen von Tieren sind auf Aufstellern zu sehen.

Bei einem Fotowettbewerb eingereichte Landschafts- und Tieraufnahmen zeugen von den artenreichen Lebensräumen der Börde.

In Zusammenarbeit mit der Biologischen Station im Kreis Euskirchen wurden im Rahmen eines Fotowettbewerbs unterschiedliche Aspekte der Region in den Fokus gerückt. Von ganzen Landschaftsabschnitten, die das Bild der Börde prägen, bis zu kleinsten Detailaufnahmen, die das dortige Leben darstellen, bieten die Schautafeln eine Möglichkeit, die Natur aus neuen Blickwinkeln zu betrachten.

Ambiente des Lürrip-Speichers verstärkt die Wirkung der Bilder

Anders als bei den bisherigen Stationen der Wanderausstellung könne das Ambiente des Lürrip-Speichers die Wirkung der Bilder sogar noch verstärken, freute sich Maike Wermes vom Projekt „Lebensnetz Börde“. „Mit dieser Ausstellung hoffen wir, bei den Besuchern den Blick für das Detail zu schärfen. Dass sie beispielsweise bei einem Spaziergang Dinge entdecken, die sonst unbeachtet geblieben wären, und dass die Landschaft nicht nur als schön für das Auge betrachtet wird, sondern auch in ihrer Bedeutung als Lebensraum im Hinterkopf bleibt.“

Oft gelten größere Arten als eine Art Aushängeschild für den Erhalt der Vielfalt, dabei seien es insbesondere die bei der Ausstellung im Mittelpunkt stehenden Insekten, die durch ihre Tätigkeit oder auch als Nahrung als Grundlage dienen, fügte der Leiter der Biologischen Station im Kreis Euskirchen, Stefan Meisberger, hinzu.

Um unseren Blick in die Zukunft richten zu können, müssen wir auch die Geschichte verstehen.
Margarethe Becker

Passend zum eigentlichen Themenschwerpunkt des Freilichtmuseums, wirft die vom Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ des Bundesamtes für Naturschutz geförderte Ausstellung nicht nur einen Blick auf die aktuelle Lage, sondern auch auf die Historie der Region. „Die Börde hat sich durch den Menschen und die Industrie verändert“, betonte die wissenschaftliche Referentin für Ökologie und Kulturlandschaft, Margarethe Becker. Waren in früherer Zeit Hecken als kleinteilige Begrenzung von Weiden und Ackerflächen allgegenwärtig, seien heute deutlich weitläufigere Gebiete vorherrschend.

„Um unseren Blick in die Zukunft richten zu können, müssen wir auch die Geschichte verstehen. Aus ihr können wir vieles im Bereich der Nachhaltigkeit lernen.“ Zahlreiche Pflanzen, die bereits auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen, könnten demnach zum Erhalt der Biodiversität beitragen. Zugleich könne man aus den Erfahrungen der durch die Industrie herbeigeführten Veränderungen auch Rückschlüsse auf weitere Wechsel des Landschaftsbildes durch den Klimawandel ziehen.

„Wenn unsere Besucher ihre Umwelt nicht nur durch das Summen und Brummen der Insekten wahrnehmen, sondern auch ihre Nützlichkeit für das ganze Ökosystem – und dadurch auch für uns – im Blick haben, können wir mit dem Erfolg der Ausstellung sehr zufrieden sein“, so Margarethe Becker. „Wir möchten Neugierde wecken, die Natur zu erforschen. Denn sowohl im Großen als auch im ganz Kleinen gibt es viel zu entdecken.“