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RheinlandtalerHeimatforscher (91) aus Blessem kennt den Ort wie kein anderer

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Ein Mann sitzt vor einem Fenster.

Albert Esser hat mehrere Bücher geschrieben über die Orte in Erftstadt, als es Erftstadt noch gar nicht gab.

Der LVR zeichnet den 91-jährigen Heimatforscher Albert Esser aus Blessem mit dem Rheinlandtaler in der Kategorie Kultur aus.

„Es ist mir wichtig, den Menschen von heute aufzuzeigen und darzustellen, wie unsere Vorfahren gelebt und teils unter ärmlichsten Bedingungen existiert haben“, sagt Albert Esser (91). Früher seien viele Menschen sehr arm gewesen.

In seinen Büchern und Vorträgen informiert Esser jedoch nicht nur über das Leben in seiner Heimat von anno dazumal. Er nimmt die Menschen regelrecht mit, begeistert sie für die Geschichte, lässt auch Zeitzeugen zu Wort kommen und bringt eigene Erlebnisse in seine Aufsätze, Bücher und Vorträge ein.

Zu sehen ist ein überfluteter Weg.

In den Büchern von Albert Esser war auch die Flut Thema – hier die Überflutung des Frauenthaler Weges 1961, die großen Schaden anrichtete.

Schon 1963 veröffentlichte er sein erstes Buch „Das Dorf Blessem – seine Geschichte und die Wandlung seiner sozialen Strukturen seit Beginn des 20. Jahrhunderts“ – damals noch als Mitglied im Geschichtsverein Euskirchen. „Erftstadt gab es ja noch gar nicht“, sagt er. Die Stadt wurde ja erst bei der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen am 1. Juli 1969 gegründet.

Ich habe mich nicht dafür beworben
Albert Esser (91), Heimatforscher aus Erftstadt-Blessem

Esser war es auch, der 2002 die Initiative ergriff und mit mehreren geschichtsinteressierten Menschen auf dem geschichtsträchtigen Boden von Burg Konradsheim am 25. Oktober 2002 den Geschichtsverein Erftstadt mitgründete. „Überall gab es damals in den Nachbarstädten schon Geschichtsvereine – nur in Erftstadt nicht“, erklärt Esser. Das habe er ändern wollen. Zwei Bücher hat er seitdem für den Geschichtsverein geschrieben und unzählige Vorträge gehalten und Aufsätze für das Jahrbuch der Stadt Erftstadt verfasst. Ein drittes Buch hat er aktuell noch in Arbeit. Es soll noch in diesem Jahr fertig und veröffentlicht werden.

LVR zeichnet Esser mit dem Rheinlandtaler in der Kategorie Kultur aus

Doch auch so sind seine Verdienste bereits herausragend. Davon ist auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) überzeugt, der den 91-jährigen Heimatforscher aus Erftstadt-Blessem am kommenden Dienstag (12. Mai) um 16 Uhr im Rathaus der Stadt mit dem Rheinlandtaler in der Kategorie Kultur auszeichnet. „Ich habe mich nicht dafür beworben“, stellt Esser klar. Er sei selbst ganz überrascht gewesen, als er über diese Ehrung informiert worden sei. Zusammen mit seiner Frau Renate, mit der er seit 63 Jahren verheiratet ist und die ihm für all seine ehrenamtlichen Recherchen und Schreibarbeiten stets den Rücken frei hielt, wird er zur Verleihung kommen.

Wissen vermitteln, das hat sein ganzes Leben geprägt. Nach den Grundschuljahren in Blessem besuchte er zunächst das Gymnasium in Brühl und studierte anschließend unter anderem Geschichte. Albert Esser wurde Lehrer. Schon 1962 trat er in der Volksschule in Erp seine erste Stelle an. 1967 wurde er Schulleiter in Erftstadt. Zeit seines Lebens begeisterte ihn nicht nur die Geschichte der großen Welt, sondern in besonderer Weise auch die Heimatgeschichte.

Für seine erste Veröffentlichung, das Buch über seinen Heimatort Blessem, konnte er sogar aus seinem eigenen Erinnerungsschatz schöpfen – etwa beim Thema Schule. Vom ersten bis vierten Schuljahr hat er in Blessem im Schulsaal der Volksschule in der Frauenthaler Straße gesessen – einem von damals zwei Klassenzimmern, in denen die Kinder von der ersten bis vierten Klasse unterrichtet wurden, und nebenan von der fünften bis zur achten Klasse.

Esser sprach auch mit vielen Zeitzeugen. Zur Recherche besuchte er die Archive von Stadt, der Kirche, des Landes und der Nachbarkommunen. „Wir wollen auch ein Buch über unser Dorf“, meldeten sich bei ihm bald nach seiner ersten Veröffentlichung die Erper. 1969 wurde dann sein zweites Buch „Die Geschichte des Dorfes Erp“ veröffentlicht. Für den Geschichtsverein Erftstadt schrieb Esser zwei weitere Bücher – „Eefach wao et nie“, Landwirtschaft in Blessem während des 19. und 20. Jahrhunderts.

Auf 432 Seiten lässt Esser die Menschen darin an den Veränderungen der Zeit teilhaben. Thema sind auch die Überschwemmungen der Erft. So berichtet er von der verheerenden Flut 1888, bei der in Blessem und Frauenthal viele Gebäude und die gesamte Frühjahrssaat zerstört wurden.

Auch in seinem zweiten Buch – 320 Seiten dick –, das er für den Geschichtsverein schrieb – „Bauerndorf im Umbruch – sozialer Wandel vom 19. und 20. Jahrhundert in Blessem und Frauenthal“ –, vermittelt Esser nicht nur geschichtliche Fakten. Immer geht er auch auf die Menschen und ihre Lebensumstände ein.