Vor drei Jahren startete Cookie Couture auf der Ehrenstraße. Inzwischen gibt es 20 Filialen deutschlandweit.
„Cookie Couture“ expandiertKölner Kekse sorgen in ganz Deutschland für Schlangen

Niklas Schenk (l.) und Kilian Wisskirchen vor der Filiale in der Schildergasse
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Als der Laden im Frühjahr 2023 auf der Ehrenstraße öffnete, gab es Schlangen, aber auch Skepsis: Wie lange würde sich das Cookie Couture mit seinen bunt dekorierten Riesenkeksen wohl halten? Einfach ein weiterer kurzlebiger Trend, der auf der Ehrenstraße getestet wird? Die Freunde Niklas Schenk und Kilian Wisskirchen (beide 31), studierte Betriebswirtschafter, hatten es einfach mal gewagt mit ihrer Geschäftsidee. Niklas Schenk war im Urlaub in den USA auf die Back-Idee gekommen. „Meine heutige Frau hat mich dort in einen Cookie-Laden gezerrt. Ich war eigentlich gar kein Keks-Fan. Aber diese Cookies schmeckten anders als die trockenen, langweiligen Kekse, die wir in Deutschland gewohnt sind.“
Kölner Kekse sind dreimal in München vertreten
Crumbl heißt die Keks-Kette, in der Niklas Schenk die Eingebung hatte. Crumbl wurde 2017 gegründet und ist nun die größte Cookie-Kette der USA mit einem geschätzten Unternehmenswert von zwei Milliarden Euro und Werbepartnern wie den Kardashians. Von solchen Dimensionen können die beiden Kölner nur träumen. Aber: Sie sind schon recht weit gekommen. Gut drei Jahre nach dem Start in der Ehrenstraße haben sie nun 20 Filialen in ganz Deutschland. In Köln ist die Schildergasse dazu gekommen. Allein in München gibt es Cookie Couture gleich dreimal, in Hamburg zweimal. Weitere Filialen auch in Bahnhöfen sind in Planung.

Fotogene Kekse mit opulenten Toppings
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In diesem Jahr wird es insgesamt rund zehn Neueröffnungen geben. In Europa seien sie schon einer der größten Cookie-Spezialisten, sagen die beiden. Konkrete Umsatzzahlen nennen sie nicht. Aber: „An guten Tagen verkaufen wir an einem einzelnen Standort über 1000 Cookies, über alle Filialen hinweg kommen im Monat mehr als 100.000 Kundinnen und Kunden zu uns“, sagt Kilian Wisskirchen.
Viele wollen sich dem Erfolg anschließen. „Wir haben in den drei Jahren rund 2500 Franchise-Anfragen bekommen“, sagt Wisskirchen. „Aber bevor wir überhaupt weitere Shops aufgemacht haben, haben wir erstmal unser Konzept optimiert, damit es sich gut multiplizieren lässt. Wir waren am Anfang sehr zögerlich. Das hat uns sehr gutgetan, weil wir viel Wissen aufbauen konnten. Wir sind erst in den letzten eineinhalb Jahren so stark gewachsen.“
Kölner Kekse sind 30 Gramm leichter als die US-Vorbilder
Am Anfang gab es viele Experimente, bis man den richtigen Teig fand. Die beiden versuchten, die US-Rezepturen nachzuempfinden. Außen muss der Teig knusprig sein, innen aber cremig-saftig bleiben. „Fudgy“ nennen das die Amerikaner. Die deutschen Versionen wurden aber bewusst 30 Gramm leichter als die 150-Gramm-Teile in den USA gemacht und auch weniger süß.
Zu Beginn wurde Kaffee zu den Keksen angeboten. Aber das passte gar nicht zur Kundengruppe, wie sich herausstellte. „Die ist weiblich, Gen Z, zwischen 13 und 25 Jahre alt. Aber auch Ältere trauen sich langsam rein, oft werden Eltern mitgebracht“, sagt Niklas Schenk und lacht. Der Kaffee wurde jedenfalls gegen Matcha ausgetauscht. Und statt der ursprünglich nüchternen Atmosphäre ohne Auslage gab es bald viel Alt-Rosa und eine Präsentationtheke.

Mutter Svitlana und Tochter Sofia (13) aus Gummersbach machen ein Selfie mit Kekse und Matcha vor dem Spiegel im Laden.
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Es kommt schließlich auf die Optik an: der Raspberry White Chocolate (6,40 Euro) mit Himbeeren, der Dubai Choc mit einem Hauch Blattgold (6,90 Euro) oder der Strawberry Cake (5,90 Euro) sollen schmecken, aber vor allem auch für Instagram und Tiktok geeignet sein. Im Laden an der Schildergasse wurde ein Spiegel aufgehängt, vor dem sich die Käuferinnen mit den in schönen Schachteln gelegten kleinen Schätzen fotografieren können. Immerhin sind rund sechs Euro für 13-Jährige nicht wenig Geld.
37.000 Follower auf Instagram
Social Media ist einer der Schlüssel zum Erfolg. Kilian Wisskirchen ist mit einem Team von fünf Leuten für die Präsenz zuständig. „Wir haben mehr als 12.000 Follower auf Tiktok und 37.000 auf Instagram.“ Niklas Schenk arbeitet mit zwei Leuten an der Produktentwicklung und macht die Marktforschung: Immer wieder werden Kundinnen und Kunden befragt, wie ihnen die Cookies schmecken, was sie sich noch wünschen würden.
Nur die beiden Kölner Stores und die Niederlassung in Düsseldorf führen die beiden selbst, die anderen sind an Franchise-Nehmer vergeben. In der Zentrale in Ehrenfeld arbeiten 20 Mitarbeiter. Der Keks-Teig wird in einem Bäckereihandwerksbetrieb in der Nähe von Düsseldorf hergestellt und an die Filialen geliefert, wo er dann in den Backofen kommt. Für die Toppings gibt es genaueste Anweisungen, schließlich soll es überall gleich schmecken. Als Franchise sei Cookie Couture sicherlich etwas „einfacher von den Prozessen“ als zum Beispiel eine Fast-Food-Filiale, in der sehr viele verschiedene Gerichte zubereitet werden müssen, so Wisskirchen.
Aber ist es nicht so, dass es bei einem herkömmlichen Konditor auch fotogene Törtchen gibt? Was ist der Unterschied? „Hier geht es auch um den Moment, um das Treffen mit Freunden, das gemeinsame Erleben und das Drumherum“, sagt Niklas Schenk. Zu dem Drumherum gehörte vor kurzem auch eine Marken-Kooperation mit „dm“-Märkten. In Tausenden Filialen gab es rosa Aufsteller mit Lipgloss, Parfüm und Lidschatten passend zu den Cookies – das „Co-Branding“ sei ein voller Erfolg gewesen.
Die Filiale auf der Schildergasse, in der das Gespräch für diesen Artikel stattfindet, ist an diesem Nachmittag sehr gut besucht. Eine Gruppe Mädchen spricht Schenk und Wisskirchen ein bisschen ehrfürchtig an: „Seid ihr die Geschäftsführer? Das ist so ein cooler Laden.“ Und ein Mutter-und-Tochter-Gespann aus Gummersbach fotografiert sich vor dem Spiegel, wie um zu beweisen: „Wir waren hier.“
