Warum der Kölner Dom darüber nachdenkt, das Domkapitel zu schließen.
Satirischer WochenrückblickDer Dom tritt aus der Kirche aus


Seit 1. Juli müssen Touristen, die den Dom besuchen wollen, Eintritt zahlen. Foto: Michael Bause
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Also ehrlich. Wenn ich der Dom wäre, das tägliche Theater an meinen Eingangsportalen würde ich nicht länger mitmachen. Museum am Westportal, Kirche am Nordportal. Außer sonntags. Hier zahlen, da beten. Wer soll denn da noch durchblicken?
Die Zahlenden dürfen fotografieren, die Betenden nur beten. Auch wenn sich das Sonnenlicht im Richter-Fenster noch so schön bricht und sie diesen Moment gern festhalten möchten. Das ist verboten, wäre Schwarz-Fotografie und des bunten Richter-Fensters unwürdig. Keine Fotos, mahnt der Sicherheitsdienst und droht mit dem Opferstock. Eine heikle Situation für die friedfertigen Domschweizer, die Diplomaten der Kathedrale.
Unser Dom, ein Weltkulturerbe, das Gefahr läuft, bei den Besucherzahlen nicht bloß hinter das Brandenburger Tor und das Schloss Neuschwanstein zurückzufallen, sondern bei Instagram und Tiktok in der Beliebtheitsskala am Ende gar vom Schokoladenmuseum und den Liebesschlössern auf der Hohenzollernbrücke überholt zu werden. Vom Miniaturwunderland in Hamburg ganz zu schweigen. Da kann man doch gleich einpacken und sich auf die Eisenbahnplatte neben den Hamburger Michel stellen.
Der Kölner Dom: Stadt hat wenig Geld für ihn übrig
Was wäre, wenn der Dom sich entschiede, aus der Kirche auszutreten? Er müsste ja deshalb nicht gleich vom Glauben abfallen, schließlich ist das bei der überwiegenden Zahl seiner Besucher auch nicht der Fall.
Warum sollte er länger in einer Stadt verweilen, die pro Jahr gerade mal knapp 250.000 Euro für ihn übrighat. Wenn schon Museum – dann richtig. Er könnte beim Louvre in Paris oder Pergamonmuseum in Berlin nachfragen, welche Kriterien man erfüllen muss, um in den illustren Kreis der bedeutendsten Museen Europas aufgenommen zu werden? Obwohl der Louvre mit seinen jüngsten Skandalen vielleicht nicht gerade die beste Adresse ist.
Und was würde der Hauptbahnhof dazu sagen, der sich seit mehr als 160 Jahren als guter Freund und Nachbar erwiesen hat und jeden Ankömmling, der seinen Vorplatz betritt, sofort an den Dom verweist? Und nicht an das erstbeste Brauhaus, um die Kölsch-Kultur zu genießen.
Der Dom müsste ja nicht gleich abhauen. Er könnte bloß einfach das Domkapitel schließen. Wegen mangelnder Wertschätzung. Und sich an die Domplatte kleben, um nicht vom Weihnachtsmarkt verdrängt zu werden, weil er durch den Kirchenaustritt seine Daseinsberechtigung verwirkt hat. Schließlich braucht die Stadt mehr Platz, um den Zoff zwischen den Weihnachtsmarkt-Betreibern zu beenden.
Also ehrlich. Wenn ich der Dom wäre, blieben alle Portale offen für jeden. Ganz ohne Eintritt. Und ich würde die gesamte Stadtgesellschaft mal fragen, warum sie außer Ansteckern an den Revers ihrer Anzüge so wenig für mich übrighat.

