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Deutsche Olympia-BewerbungSind Kölns Chancen mit dem „Nein“ in Hamburg gestiegen?

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In Hamburg wurde auf Plakaten mit Udo Lindenberg für die Ausrichtung Olympischer Spiele geworben – doch die Mehrheit der Wahlberechtigten stimmte dagegen.

In Hamburg wurde auf Plakaten mit Udo Lindenberg für die Ausrichtung Olympischer Spiele geworben – doch die Mehrheit der Wahlberechtigten stimmte dagegen. 

Kölns Sportausschuss-Vorsitzender Oliver Seeck wünscht sich im Konkurrenzkampf mit München und Berlin mehr Aktivität von der Landesregierung.

Auch Udo Lindenberg konnte die Menschen in Hamburg nicht davon überzeugen, dass die Ausrichtung Olympischer Spiele eine gute Sache für die Stadt wäre. Auf Plakaten war mit dem Konterfei des Rockmusikers für ein „Ja“ beim Bürgerreferendum geworben worden, doch die Auszählung am Sonntag ergab: 54,9 Prozent wollen Olympische und Paralympische Spiele nicht in der Hansestadt haben. Damit ist der Kreis der deutschen Bewerber von vier auf drei geschrumpft, übrig bleiben: NRW mit Köln als Leading City, München und Berlin.

Für Jubel hat der Verlust eines Konkurrenten aber weder in Köln noch in Düsseldorf gesorgt. Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) wollte sich am Montag nicht zum „Nein“ im Norden der Republik äußern, das ja auch eine Schlappe für seinen Amts- und SPD-Partei-Kollegen Peter Tschentscher war, Hamburgs Ersten Bürgermeister. Aus der Düsseldorfer Staatskanzlei, die das NRW-Konzept verantwortet, war zu hören, dass man das „Nein“ in Hamburg bedauere, da man sich einen positiven Push für die deutschen Olympiapläne insgesamt gewünscht hätte.

Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst äußerte sich nicht persönlich. Ein Sprecher der NRW-Bewerbung teilte mit: „Das Ergebnis im Norden ändert nichts an der Bewerbung Köln-Rhein-Ruhr. In Nordrhein-Westfalen, dem Sportland Nummer 1, haben sich 66 Prozent der Menschen für die Spiele ausgesprochen, bei 1,4 Millionen Stimmen und einer historischen Beteiligung. Nun liegt es am DOSB, die beste Bewerbung für Deutschland auszuwählen.“   

Zustimmung von jeweils zwei Drittel der Befragten in Köln und München

Bei Bürgerreferenden in München und NRW hatten sich jeweils rund zwei Drittel der Befragten für Olympia ausgesprochen. In Kiel, das unter anderem im NRW-Konzept als Segelstandort vorgesehen ist, stimmten knapp 64 Prozent für die Ausrichtung der Spiele. Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) war die Euphorie groß, man wähnte sich bestens unterstützt von den Menschen im Land. Das Projekt, nach sieben aus unterschiedlichen Gründen gescheiterten Versuchen, Olympia zum ersten Mal seit München 1972 wieder nach Deutschland zu holen, schien bestens zu laufen. Doch das „Nein“ in Hamburg verpasste den Hochgefühlen jetzt einen überraschenden Dämpfer. Ganz so groß, wie es der DOSB gern scheinen lässt, ist die Olympia-Begeisterung der Menschen im Land wohl doch nicht.

Nun also Köln, München, Berlin – und wer ist der Favorit? Sind die Kölner Chancen mit dem Rückzug Hamburgs gestiegen? Was tut sich überhaupt rund um die NRW-Bewerbung, von der seit den positiven Bürgerreferenden in den 17 beteiligten Kommunen am 19. April nicht mehr viel zu hören ist. Anders als in München, wo der grüne Oberbürgermeister Dominik Krause und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor gut zwei Wochen in demonstrativ vorgetragener Olympia-Einigkeit ein vertieftes Konzept vorstellten und neue Details nannten. 

Spätestens am Donnerstag müssen die Bewerber einen umfassenden Fragenkatalog mit Antworten in maximal 17.000 Zeichen beim DOSB hochladen. Der entscheidet dann am 26. September bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden, mit welcher deutschen Stadt oder Region man sich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) um die Spiele bewerben will. Es geht um die Ausgabe 2036, 2040 oder 2044.   

Die Berliner Aussichten dürften mit dem „Nein“ in Hamburg etwas geschrumpft sein, auch wenn es zunächst scheint, als habe das eine nichts mit dem anderen zu tun. Aber: In Berlin gab es, anders als in München und NRW, bislang keine Bürgerbefragung. Eine solche ist in der dortigen Landesverfassung nicht vorgesehen. Stattdessen nutzt Berlin einen Beschluss des Abgeordnetenhauses als politische Legitimation für seine Olympia-Ambitionen. Das Problem: Olympia-Gegner könnten noch im kommenden Jahr einen Volksentscheid anstoßen. Also nach der Entscheidung des DOSB für eine deutsche Bewerberstadt. Und da sich jetzt in Hamburg gezeigt hat, dass es noch immer ganz schnell gehen kann mit einem „Nein“ der Menschen in Deutschland zu Olympia, dürften sich die DOSB-Mitglieder sehr genau überlegen, ob sie das Risiko eingehen, am Ende ganz ohne einen Bewerber dazustehen.

Oliver Seeck wünscht sich „ein bisschen mehr Drive“ von der Landesregierung

Das Rennen um die mögliche Ausrichtung Olympischer Spiele für Deutschland könnte somit auf einen Zweikampf zwischen Köln/NRW und München hinauslaufen. Hier hat Kölns OB Torsten Burmester, der ja auch ehemaliger Vorstandsvorsitzender des DOSB und damit ausgewiesener Olympia-Kenner und -Liebhaber ist, bislang auch keine Zurückhaltung im Namen der sportlichen Fairness gezeigt. Schon mehrfach hat er halb scherzend und halb ernsthaft klargestellt, CSU-Mann Söder die Party vermiesen zu wollen. 

Allein hat Burmester das jedoch nicht in der Hand. Er braucht Wüst und die Landesregierung. Und eine gelungene Koordination zwischen den jetzt nur noch 16 beteiligten Kommunen. In Herten, wo Mountainbike-Wettbewerbe stattfinden sollten, hatten nicht genügend Menschen abgestimmt. Deshalb ist die Stadt raus aus dem Olympia-Konzept. Am Abend der Auszählung der Bürgerreferenden in NRW schmiss die Landesregierung eine Party im Köln-Triangle, da zeigten sich Wüst und Burmester Schulter an Schulter. Gemeinsam dürfte man auch den Plan ausgeheckt haben, die Kölner Hohenzollernbrücke in den Farben der Olympischen Ringe zu beleuchten und so für prächtige Bilder zu sorgen, mit denen jetzt für die NRW-Bewerbung geworben wird. 

Oliver Seeck, der Vorsitzende des Kölner Sportausschusses (Archivbild)

Oliver Seeck ist der Vorsitzende des Kölner Sportausschusses. (Archivbild)

Aber es gibt auch Kritik aus Kölner SPD-Kreisen an Wüst und seinem Olympia-Team. Oliver Seeck, der Vorsitzende des Kölner Sportausschusses, sagt, die Olympia-Bemühungen des Ministerpräsidenten seien lange „suboptimal“ gewesen. Erst als Köln im vergangenen Herbst zur Leading City erklärt wurde, sei etwas Schwung in die Sache gekommen. „Aber da gehört von Seiten der Landesregierung noch ein bisschen mehr Drive rein“, sagt Seeck. Er stehe hinter dem Beschluss des Kölner Stadtrates, den Menschen Transparenz zu bieten. Das müsse jetzt bei den weiteren Olympia-Planungen auch geschehen. 

Aus Düsseldorf hieß es am Montag, man wolle in den kommenden Tagen Details zum angepassten Olympia-Konzept öffentlich machen. Für Köln sind besonders die Pläne zum temporären Leichtathletikstadion und dem Olympischen Dorf im künftigen neuen Stadtteil Kreuzfeld interessant. Bislang gibt es nur eine allgemeine Visualisierung, die nicht an die Bedingungen vor Ort angepasst ist.  

Der Kölner Sportmanager Michael Mronz, der die Idee Olympischer Spiele an Rhein und Ruhr vor Jahren anstieß und inzwischen als IOC-Mitglied nur noch neutraler Beobachter sein darf, sagte am Montag: „Das differenzierte Stimmungsbild zwischen Hamburg und den anderen Regionen belegt den hohen Wert der Zustimmung dort.“ Die 16 positiven Referenden zur NRW-Bewerbung rechnet er einzeln, zusammen mit jenen in München und Kiel, das ergebe: „Achtzehn zu eins in den Referenden für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland.“ Das sei „ein tolles Ergebnis und eine gute Ausgangslage für den Endspurt bis zum 26. September“.