Deeskalation ja, Kontrolle ja – aber Schluss mit der Warteschleife. Ohne Taser bleibt oft nur die Dienstwaffe. Das kann Leben kosten.
Leben und Tod im FlickenteppichWarum NRW beim Taser nicht länger warten darf


Ein Polizeibeamter demonstriert einen Schuss mit einem Distanzelektroimpulsgerät. Das Gerät sendet nach Abschuss zweier Elektroden Stromimpulse ab.
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Ein warmer Juniabend in Gelsenkirchen, ein Mann mit Machete, schreiend, außer sich. Genau in diesem Zwischenraum, in dem Sekunden zählen und jeder Schritt eine Eskalation sein kann, liegt der Kern der Taser-Debatte in NRW. Und genau dort wirkt die Landespolitik seit Jahren erstaunlich behäbig.
Ja: Das Polizeigesetz braucht womöglich eine Anpassung, um einen flächendeckenden Einsatz zu erleichtern. Ja: Wer ein Distanz‑Elektroimpulsgerät einsetzen und damit drohen soll, braucht dafür eine klare Rechtsgrundlage. Ja: Mehr Kontrolle, bessere Schulungen – gerade im Umgang mit Menschen in psychischen Krisen – und präzisere Tatbestände, wann Taser erlaubt sind, sind keine Schikane, sondern professionelle Standards. Das ist alles richtig.
Sicherheitspolitischer Flickenteppich
Obwohl eines doch unübersehbar ist: In zahlreichen Polizeiwachen werden Taser schon heute unter den bestehenden Regeln eingesetzt – offenbar verantwortungsvoll genug, dass daraus kein Skandal, sondern Praxis geworden ist. Aber gut, es geht immer besser und genauer. Aber dann macht es doch endlich, ändert die Bestimmungen. NRW „testet“ seit 2021, 18 von 47 Behörden haben die Geräte, der Rest nicht – ein absurder, sicherheitspolitischer Flickenteppich. Drei Gutachten später, hunderte Seiten „Evaluation“ und immer noch keine Entscheidung. Was kommt als Nächstes – eine Meta‑Studie darüber, ob Studien wirklich Erkenntnisse liefern?
Dass die Gewerkschaft der Polizei hier Warteschleifen-Politik beklagt, ist nachvollziehbar. Die Taser-Frage ist für die Beamten nicht nur politisch, sondern existenziell: Ob ein Elektroschocker verfügbar ist oder zur Dienstwaffe gegriffen werden muss, kann zur Frage von Leben und Tod werden. Unklarheit kostet – im Zweifel Menschenleben, auf beiden Seiten.
Wie viel Gewalt also will der Staat zeigen und anwenden dürfen, um Gewalt zu vermeiden? Man kann das jahrelang abstrakt im Plenarsaal verhandeln. Oder man denkt an diesen Moment in Gelsenkirchen, in dem ein Mann mit einer Machete droht.
