Abo

Petition in BocklemündJugendliche setzen sich für kostenloses WLAN im Görlinger- Zentrum ein

3 min
Vor dem Bürgerschaftshaus warben die Aktivisten der Petition um Unterstützung.

Vor dem Bürgerschaftshaus warben die Aktivisten der Petition um Unterstützung.

Jugendliche aus Bocklemünd kämpfen per Petition für freies WLAN – und zeigen, wie Engagement im Veedel Demokratie erlebbar macht.

Den jungen Mann zieht es zu dem Stand, an dem groß „Petition“ angeschlagen ist und mehrsprachige Plakate für einen kostenlosen öffentlichen WLAN-Hotspot im Görlinger-Zentrum werben. „Ist schon lästig, wenn ich unterwegs mal die Abfahrtszeit einer Bahn checken möchte und dafür extra in den Supermarkt gehen muss“, meint der Schüler. Wenn etwa das Datenvolumen auf dem Prepaid-Handy nicht mehr ausreicht, um die nötige Auskunft online einzuholen. Dann beginnt die Suche nach einem Laden oder Café, in dem man sich kostenlos über WLAN einloggen kann.

Die Initiative für einen kostenlosen WLAN-Hotspot hatte mit dem Tag der Nachbarschaft einen idealen Aufschlag für ihre Petition gewählt. Im Görlinger Zentrum drängten sich die Besucher an den Ständen der Schulen und Kitas, der sozialen Institutionen und Vereine, vor der Bühne, auf der Kids, Teens und Senioren ihre Künste vorführten. Angesichts des prallen Lebens schüttelte Sozialraumkoordinatorin Vera Schultze nur verständnislos den Kopf: „Wenn man sich die Karte von hotspot.koeln ansieht, dann reiht sich entlang der Venloer Straße ein kostenloser WLAN-Zugang an den anderen, aber in Bocklemünd-Mengenich gibt’s gar nichts.“

Freies WLAN endet vor Bocklemünd

Unter der Überschrift „hotspot.koeln“ arbeiten Stadt und NetCologne nach eigener Aussage daran, dass das öffentliche und freie WLAN-Netz „in allen neun Kölner Stadtbezirken immer dichter wird“. Doch bislang profitieren vorwiegend die innenstadtnahen Quartiere vom Ausbau des Netzes. Auch auf der Venloer Straße bricht es ungefähr in Höhe der Leyendecker Straße ab. Dabei dürften gerade in Veedeln wie Bocklemünd vor allem viele junge Menschen ein Prepaid-Handy nutzen. Und gerade der Sicherheit von Kindern und Jugendlichen wäre es förderlich, wenn sie jederzeit Unterstützung oder Hilfe anfordern könnten. Das gilt selbstverständlich auch für die Älteren.

„Aber auch Hausaufgabenhilfe funktioniert meist über eine App, man kann online selbstständig recherchieren, hat bei Sprachschwierigkeiten eine Übersetzungs-App zur Hand. Man kann aber auch Leihräder reservieren oder die Abfahrtszeiten der Bahn in Erfahrung bringen, um sicher nach Hause zu kommen“, berichtete David Svider Silbermann, Mitarbeiter des Bocklemünder Bürgerschaftshauses, aus der Praxis der Einrichtung: „Ein freier Internet-Zugang ist häufig die Voraussetzung für eine gesellschaftliche Teilhabe.“

Gegründet wurde die Petitions-Initiative auf Anregung eines Lehrers der Max-Ernst-Gesamtschule (MEG) im Mengenicher „Arbeitskreis Demokratie“, in dem zahlreiche Akteure des Stadtteils zusammenarbeiten. „Es wäre natürlich toll, wenn die knapp 20 Jugendlichen, die in der Initiative aktiv sind, Erfolg hätten und sehen, dass man durch Engagement etwas erreichen kann“, sagte Thordis Naima Addelia, ebenfalls Lehrerin am MEG und Leiterin des Cube 829, eines Treffpunkts für soziale, kulturelle und kreative Arbeit. Sie hatte mit Besuchern ihrer Einrichtung auch die Plakate und den Flyer der Petition erstellt.

Über einen Online-Auftritt denken die Aktivisten nach und hoffen derweil auf mindestens 400 Unterschriften für ihr Anliegen, vielleicht erreicht man ja sogar die „1K“-Marke - also 1000. „Das Internet kann auch mal Leute zusammenbringen“, meinte Addelia lächelnd und kündigte an: „Die Unterschriften werden wir dann der Bezirksvertretung vorlegen.“