Innenstadt – 6 000 Quadratmeter Nutzfläche, 27 Schulräume, zehn Jahre Planungs- und Bauzeit. Mit Ansprachen und musikalischen Vorführungen der Schüler des schuleigenen Musikzweigs hat das Humboldt-Gymnasium seinen Erweiterungsbau schulintern eingeweiht. Darin untergebracht ist auch ein neuer Kammermusiksaal mit 150 Plätzen für die Schüler des Musikzweigs des Gymnasiums.
2002 keimte die Idee eines Erweiterungsbaus auf, erste Skizzen haben die Schüler und Lehrer gemeinsam angefertigt. „Es gab damals ein Gremium bestehend aus Vertretern der Schulpflegschaft, der Schülervertretung und des Lehrerkollegiums“, so Michael Wittka-Jelen, stellvertretender Schulleiter. „Alle waren mit der gleichen Anzahl an Mitgliedern im Gremium vertreten – von Beginn an haben wir den Bau als ein demokratisches Projekt verstanden, bei dem alle ihre Bedürfnisse und Ideen einbringen können.“
Der Grund für den Neubau lag auf der Hand: „Der zusätzliche Platz war damals einfach notwendig geworden“, sagt Wittka-Jelen. „Denn die Schule platzte aus allen Nähten. Das alte Gebäude war für etwa 800 Schüler konzipiert – wir hatten jedoch zu der Zeit rund 1 100 Schüler bei uns.“ Von der ersten Idee 2002 bis zur Fertigstellung des Baus sollten aber rund 17 Jahre vergehen – zehn davon in der konkreten Planungs- und Bauphase. Dr. Harald Junge, ehemaliger Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums, kann darüber in seiner Eröffnungsansprache nur scherzen: „Für Kölner Verhältnisse ist das eine recht kurze Zeitspanne – immerhin hat die Errichtung des Doms mit 670 Jahren rund 67 Mal so lange benötigt. Da liegen wir mit unseren zehn Jahren noch ganz gut in der Zeit.“

Architekt Arthur Numrich (l.) mit dem ehemaligen Schulleiter und Initiator des Musiksaals, Dr. Harald Junge
Copyright: Joachim Neubauer
Mit dem Bau befasste sich ab 2009 ein Berliner Architektenbüro. Darunter auch Arthur Numrich. Der Architekt hat für die lange Zeitspanne, bis das Gebäude geplant und fertiggestellt war, eine einfache Erklärung. „Sachliche Auflagen und Bestimmungen sowie behördliche Unstimmigkeiten haben uns immer wieder aufgehalten“, so Numrich.
„Mit drei Jahren Bauzeit ging es dann aber ab 2016 recht schnell.“ Durch die lange Zeitspanne, so der Architekt, seien aufgrund der Wirtschaftslage auch die Kosten des Baus stark angestiegen: 17,6 Millionen Euro hat der Erweiterungsbau mit Kammermusiksaal nach Auskunft des Presseamtes der Stadt Köln insgesamt gekostet.
Von den Vorteilen des neuen Gebäudes ist Architekt Numrich dennoch überzeugt: „Hier können die Schüler in großen, offenen Räumen zusammenkommen und zusammenarbeiten. Das große, lichtdurchflutete Treppenhaus dient dabei als Ort der Begegnung für Schüler, Lehrer und Eltern.“ Wittka-Jelen fügt in seiner Ansprache hinzu: „Das große Glasdach erfüllt ganz die Metapher der Schule als Treibhaus der Zukunft.“
Besonderes Augenmerk legte das Architektenbüro bei der Konzeption auf die Gestaltung des Kammermusiksaals. „Hier haben wir sehr penibel mit einem Akustiker zusammengearbeitet, um das bestmögliche Klangerlebnis zu schaffen“, so Numrich. „Ich glaube, dass es sonst keine Schule in Deutschland gibt, die so einen Kammermusiksaal hat.“
Und nicht nur die Schule wird von dem Saal profitieren, so Wittka-Jelen. „Auch Kleinkünstler können den Kammermusiksaal für ihre musikalischen Darbietungen nutzen. Der Saal soll der Problematik im Veedel begegnen, zu wenig Musikbühnen in der Südstadt zu haben.“ Auch für die Musiker der Rheinischen Musikschule, mit der das Humboldt-Gymnasium zusammenarbeitet, wird die Spielstätte nutzbar sein. „Denn wir wollen uns als Schule nicht isolieren, sondern mit dem Leben im Stadtteil vernetzt sein.“
Nach der schulinternen Eröffnungsfeier wird der Erweiterungsbau im Januar durch Oberbürgermeisterin Henriette Reker offiziell eröffnet. „Da bleibt abzuwarten, ob diese Eröffnung unsere überhaupt noch toppen kann“, erklärt Wittka-Jelen mit einem Augenzwinkern.
Michael Wittka-Jelen, stellv. Schulleiter
Arthur Numrich, Architekt
