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Vor dem AufstiegDie Fortuna-Köln-Socken müssen im Schrank bleiben

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In Feierstimmung: Spieler von Fortuna Köln vor ihren Fans im Südstadion

In Feierstimmung: Spieler von Fortuna Köln vor ihren Fans im Südstadion

Josef Kortlang hat als Fan alle Höhen und Tiefen des Südstadt-Clubs miterlebt.

Die Socken von letzter Woche bleiben diesmal im Schrank. „Die ziehe ich nicht an“, sagt Josef Kortlang vor dem Spiel der Spiele. Der 70-Jährige ist eingefleischter Fan von Fortuna Köln, und Fußballfans sind eigen, was ihre Rituale vor wichtigen Spielen angeht. Deshalb haben die gerade erst gekauften Strümpfe mit dem Fortuna-Wappen erst einmal ausgedient. Kortlang trug sie am vergangenen Sonntag beim 1:2 in Paderborn. Mit der Niederlage vergab sein Herzensklub den ersten Matchball zum Drittliga-Aufstieg. Es muss also ein anderes Paar Socken her, wenn die Fortuna am Samstag (14 Uhr) im Südstadion gegen die Sportfreunde Siegen die langersehnte Rückkehr in den Profifußball perfekt machen will.

Josef Kortlang ist der Fortuna seit Jahrzehnten eng verbunden.

Josef Kortlang ist der Fortuna seit Jahrzehnten eng verbunden.

Der Heimbereich ist mit 7500 Zuschauern ausverkauft – und Kortlang seit Tagen nervös. „Vor Paderborn war ich sehr locker. Ich dachte, wir schaffen das. Aber jetzt ist die Angst wahnsinnig groß – weil ich die Geschichte des Vereins kenne“, sagt der Dauerkarteninhaber. Kortlang geht seit 1967 zur Fortuna und hat alle Höhen und Tiefen miterlebt. Er war beim legendären Pokalfinale 1983 gegen den FC dabei. Aber auch beim Absturz in die Niederungen des Amateurfußballs. „Nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben ist Fortuna zum wichtigsten Teil meines Lebens geworden – nach meiner Familie“, erklärt der frühere Telekom-Angestellte, der sich jahrelang auch als Ordner und Platzkassierer engagierte.

"Im Stadion habe ich es nicht ausgehalten"

Die Geburt seiner Tochter sei „der schönste Tag in meinem Leben“ gewesen. „Danach kommt der Tag in München.“ An jenem 1. Juni 2014 glückte der Fortuna auf dramatische Weise der Aufstieg in die 3. Liga. Das entscheidende Anschlusstor zur 1:2-Niederlage im Relegations-Rückspiel bei der Reserve des FC Bayern fiel erst in letzter Sekunde. Als Torschütze Oliver Laux die Fortuna vor einer ungewissen Zukunft bewahrte, kauerte Kortlang vor den Toren des Grünwalder Stadions. „Im Stadion habe ich es nicht mehr ausgehalten“, erinnert er sich. „Als der Jubelschrei aus dem Fortuna-Block ertönte, bin ich zurückgelaufen.Die Ordner haben mich glücklicherweise wieder reingelassen.“

Fünf Jahre später stiegen die Südstädter an gleicher Stelle wieder aus der 3. Liga ab – und Stadtrivale Viktoria parallel auf. Wenn Kortlang an die Wachablösung im Kölner Fußball zurückdenkt, kommen ihm erneut die Tränen. Doch nun ist nach sieben langen Jahren in der Regionalliga West die ersehnte Drittliga-Rückkehr zum Greifen nah. Kortlang hat keine Lust mehr auf Reisen durch die Provinz. „Die Regionalliga fühlt sich amateurhaft an“, klagt er. Als Herabwertung des Amateurfußballs möchte er das nicht verstanden wissen. Aber Spiele gegen 1860 München und Hansa Rostock oder ein Derby gegen die Viktoria seien einfach eine andere Hausnummer. „Fortuna wäre wieder in der Sportschau zu sehen, und auch das Ansehen in der Stadt wäre viel größer“, sagt der gebürtige Kölner, der im Falle des Aufstiegs auch auf eine Modernisierung der maroden Sportanlage am Südstadion hofft.

Ein Schritt zur Rückkehr fehlt

Die Zustände dort seien „eine Katastrophe“. Am meisten aber würde er sich für Hanns-Jörg Westendorf freuen, der dem Klub seit elf Jahren als Präsident vorsteht. „Ich wünsche den Aufstieg niemandem mehr als dem Hannes. Für ihn gibt es wirklich nur diesen Verein. Fortuna ist sein Leben“, schwärmt Kortlang. Auch zum verstorbenen Ex-Präsidenten Klaus Ulonska pflegte er ein enges Verhältnis. „Den Klaus habe ich geliebt. Er war ein Menschenfänger und hat die Fortuna zurück in die Stadtgesellschaft gebracht. Er war ein sensationeller Glücksfall für uns.“ Als Ulonska 2015 verstarb, spielte die Fortuna ihre erste Drittliga-Saison nach dem Aufstieg. Nun fehlt ein letzter Schritt zur Rückkehr. Doch zuletzt hat der Tabellenführer der Regionalliga West Nerven gezeigt. Drei der jüngsten fünf Spiele gingen verloren.

Der Vorsprung auf RW Oberhausen ist zwei Spieltage vor Schluss auf vier Punkte geschrumpft. „Die Mannschaft spielt eine überragende Saison. Aber kurz vor dem Ziel ist ihr die Leichtigkeit abhandengekommen. Vielleicht sind die Beine momentan etwas schwerer“, sagt Kortlang, der weiß: „Der letzte Schritt ist bekanntlich der schwerste.“ Am Samstag sollen Tausende Fortuna-Fans das Team über die Ziellinie tragen. Ausreichend Kölsch ist vorsorglich kaltgestellt. Die Südstadt ist bereit für einen großen Festtag.