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„Bankberater“ rief anKölner Rentnerin um 25.000 Euro betrogen – Polizei warnt

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Ein vermeintlicher Bankberater setzte eine Kölnerin am Telefon unter Druck. Diese installierte daraufhin eine Software, um den Betrüger auf ihr Laptop zu lassen.

Ein vermeintlicher Bankberater setzte eine Kölnerin am Telefon unter Druck. Diese installierte daraufhin eine Software, um dem Mann Zugriff auf ihr Laptop geben. 

Die Kölnerin hatte Glück, dass der Verkauf von Wertpapieren noch rückgängig gemacht werden konnte. Polizei und Verbraucherzentrale warnen eindringlich.

Brigitte Schmidt arbeitet am Laptop und muss noch schnell etwas fertigschreiben, als gegen 17 Uhr auf dem Display ihres Telefons eine ihr bekannte Nummer der Frankfurter Commerzbank-Zentrale aufblinkt. Der Anrufer, der sich Michael Eckert nennt, spricht besorgt und dringlich: Es habe in den vergangenen Tagen vermehrt Angriffe auf Konten der Commerzbank gegeben, auch ihre Verbindung sei betroffen, sagt er.

Und stellt Fragen: Ob sie in den vergangenen Tagen Überweisungen getätigt habe und wenn ja welche? „Hatte ich nicht, ich nutze das Konto nicht für Überweisungen. Trotzdem hat der Anrufer es sehr geschickt fertiggebracht, mich in einen alarmierten Zustand zu versetzen“, erinnert sich Brigitte Schmidt, die eigentlich anders heißt, aber auch deswegen nicht mit ihrem Namen in der Zeitung erscheinen möchte, weil sie vermögend ist um sehr viel Geld betrogen wurde.

Angeblicher Bankberater sagte, alle Konten müssten gesichert werden

Der angebliche Bankberater erwischt die vielbeschäftigte Kölnerin in einem schwachen Moment: Sie ist beschäftigt und will wenig später zu einer Veranstaltung. Als „Michael Eckert“ insistiert, es müsse „dringend sofort eine Grundsicherung aller Online-Konten durchgeführt werden“, lässt Schmidt zu, dass der Anrufer mit der App AnyDesk Zugriff auf ihr Laptop erhält. Der entscheidende Fehler. Schmidt verschafft dem Mann dadurch Zugang zu ihren Konten, auch auf das Geschäftskonto bei der Sparkasse. „An alle Details kann ich mich nicht mehr erinnern, aber spätestens, als der Mann sagte, er könne auch persönlich vorbeikommen, um zu helfen, meine Karten zu überprüfen und gegebenenfalls mitzunehmen, kamen mir Zweifel“, sagt die Rentnerin.

Während der angebliche Berater mit der vermeintlichen „Grundsicherung“ beschäftigt ist, versucht Schmidt, ihren Kundenberater und ihren Vermögensverwalter zu erreichen – zunächst vergeblich. Der Kundeberater der Commerzbank meldet sich glücklicherweise um 20 Uhr zurück, sperrt sofort alle Konten, rät dringend auch zu einer Sperrung bei der Kölner Sparkasse.

Hoffentlich lassen sich durch mehr Öffentlichkeit zumindest ein paar ähnliche Betrügereien verhindern
Brigitte Schmidt

Für eine illegale Abbuchung von 25.000 Euro vom Sparkassenkonto und eine merkwürdige Überweisung auf ihr Konto bei der Commerzbank  ist es da schon zu spät. Vom Commerzbank-Konto wurden die 25.000 Euro in vier unterschiedlichen Tranchen per Direktbanking weitergeleitet. Der Betrüger hat auch für 150.000 Euro Wertpapiere aus dem Depot der Kölnerin verkauft – da allerdings war ihr Konto durch die geistesgegenwärtige Aktion des Commerzbank-Mitarbeiters bereits gesperrt.

„Außerdem wurde versucht, Zugang zu meinem Paypal-Account herzustellen – auch das hat wegen der Sperrung der Konten zum Glück nicht funktioniert“, sagt Schmidt. „Bis heute verstehe ich nicht, wie es dem Mann gelungen ist, meine höchste Abhebesumme von 5000 Euro, die für alle Online-Überweisungen gilt, auf 25.000 zu erhöhen.“ Auch, warum der Betrag zuerst auf ihr Konto bei der Commerzbank transferiert wurde, um ihn von dort weiterzuleiten, sei ihr ein Rätsel.

Nach dem Telefonat mit ihrem Bankberater ruft Schmidt sofort die Polizei an – die wenige Minuten später vor Ort ist und auch deswegen bis 1.30 Uhr nachts bleibt, weil „Michael Eckert“ nicht nur angeboten hatte, vorbeizukommen, sondern auch gefragt hatte, ob er sich kurz vor Mitternacht nochmal melden könne – „weil die Prüfung und Sicherung noch mit Datum von heute abgeschlossen sein sollte“, wie sich die Kölnerin erinnert. Der Betrüger meldet sich nicht mehr. Er hat längst gemerkt, dass die Konten gesperrt sind.

Im Unterschied zum Phishing, bei dem online zum Beispiel über Mails versucht wird, an sensible Daten zu gelangen, spricht die Polizei bei Telefonbetrug von „Vishing“ („Voice-Phishing“), einer Masche, die statistisch bei der Kölner Behörde nicht gesondert erfasst wird.

Das raten Polizei und Verbraucherzentrale Köln

Polizei und Verbraucherzentrale Köln raten dazu, grundsätzlich misstrauisch zu sein bei unerwarteten Anrufen – besonders dann, wenn Menschen am Telefon nach persönlichen Daten fragen oder Zugriff auf den Computer einfordern. Wenn Anrufer Druck aufbauen, sei das stets ein Warnsignal. Passwörter, Pins, Tans und jegliche Bankdaten sollten niemals telefonisch weitergegeben werden. Seriöse Banken und Unternehmen dürfen niemals proaktiv am Telefon nach solchen Daten fragen – auch wenn es sich um angeblich bekannte Stimmen handelt, da mit KI auch Stimmen täuschend ähnlich imitiert werden können.

Auch sollte es niemals zugelassen werden, dass Anrufer Software oder Apps auf Computer oder Smartphone installieren. Telefonnummer können gefälscht sein, die Identität von angeblichen Bankberatern oder Kundenservices sollte immer überprüft werden – im Zweifel durch einen Rückruf bei den offiziellen Telefonnummern, die zum Beispiel auf der Bankkarte zu finden sind. Betrugsversuche sollten sofort an Polizei und gegebenenfalls Verbraucherzentralen gemeldet werden – um auch andere zu schützen.

Die Aufklärungsquote bei Vishing-Betrugsfällen ist gering. „Hoffentlich lassen sich durch mehr Öffentlichkeit zumindest ein paar ähnliche Betrügereien verhindern“, sagt Brigitte Schmidt.