Bis auf 10,69 Meter stieg in Köln der Rheinpegel zur Jahreswende 1925/1926. Das Hochwasser verursachte erhebliche Schäden.
Jahreswechsel 1925/1926Als das Rekord-Hochwasser in Köln Hunderte obdachlos machte

Blick auf den Kölner Dom und die Kirche Groß St. Martin während des Hochwassers Anfang des Jahres 1926
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Als sich Anfang Januar 1926 der Rhein allmählich zurückzieht, werden die Schäden sichtbar. Verwüstete Gärten, eingedrückte Fensterscheiben, Risse im Mauerwerk. Allein in Köln haben 131 Familien ihre Wohnungen räumen müssen, fast 70 von ihnen verloren ihren kompletten Hausrat oder große Teile davon.
Der Kölner Rheinpegel stieg zur Jahreswende 1925/1926 auf 10,69 Meter, bis heute Kölner Hochwasserrekord. „Ungewöhnlich ist außerdem, dass dieser Wasserstand fünf Tage lang unverändert anhielt“, sagt Birgit Konopatzki, Sprecherin der Stadtentwässerungsbetriebe: „Obwohl die Stadt aufgerüstet hat und 14 Kilometer Stege verbaut wurden, war die Lage äußerst ernst.“

Die Bastei während des Hochwassers im Januar 1926
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Erste Alarmzeichen gab es schon am 30. Dezember 1925. Der Pegel lag am Vortag zwar erst bei 7,54 Meter, stieg stündlich jedoch um viereinhalb Zentimeter. „Für den Fall, dass die Rheinuferbahn die Uferstraße nicht mehr befahren kann, stehen vom Chlodwigplatz bis Rodenkirchen Kraftwagen bereit“, schreibt die „Kölnische Zeitung“. Häuser nahe der Mülheimer Schiffbrücke seien bereits in Mitleidenschaft gezogen worden.
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Rhein-Hochwasser sorgt für Stromausfälle
Die Nachrichten vom 1. Januar 1926 klingen schon weitaus dramatischer. Der Pegel liege nun bei 9,67 Metern und damit über dem Höchstwert des Hochwasserjahres 1920. Weite Teile des Rheinufers sind überschwemmt, in die Markthalle am Heumarkt ist Wasser eingedrungen: „Die Lichtversorgung in Köln-Deutz ist großen Störungen unterworfen“, schreibt die Zeitung: „Heute Mittag setzte die Stromversorgung ein paar Stunden aus, da das Kabel unter Grundwasser steht.“ Der Bahnhof und die Hängebrücke seien „vollständig in Dunkel gehüllt“.
Tausende Neugierige versammeln sich auf den Rheinbrücken und bringen dort den Verkehr zum Erliegen. Auch in Mülheim sind die Straßen mittlerweile nur noch mit Kähnen befahrbar. Der Rheindamm bei Merkenich droht zu brechen. Nur mithilfe von Pfählen, Sandsäcken, Lehm und Dünger gelingt es Helfern, eine Katastrophe zu verhindern.

Land unter: Blick vom Rheinpark in Deutz auf die Stadtseite
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Schneeschmelze und starke Regenfälle hatten Ende 1925 zum Hochwasser geführt. Auch Riehl erwischte es. „Erdgeschosswohnungen und Geschäfte waren überflutet“, sagt Joachim Brokmeier, Experte für die Riehler Stadtteilgeschichte. Nur das Riehler Kasernengelände sei wegen seiner erhöhten Lage nicht betroffen gewesen.
Stadt Köln lässt Stege aufbauen
Um die Bewohner aus ihren Häusern zu holen, wurden vielerorts Stege gebaut. Hier gab es jedoch Probleme. Das Presseamt der Stadt Köln beklagte, dass Firmen ihre Zusage nicht eingehalten hätten, die Hochwasserschutzzentrale mit Holz zu versorgen. Nur unter widrigen Bedingungen sei es in der Silvesternacht gelungen, weiteres Holz herbeizuschaffen.
Am 8. Januar 1926 gibt die Presse Entwarnung: Die Hochwassergefahr sei gebannt, der Rheinpegel sinke. Was bleibt, sind erhebliche Schäden und Hunderte Obdachlose. Viele von ihnen seien durch Erwerbslosigkeit, Kurzarbeit und Lohnknappheit ohnehin einem schweren Kampf um ihre Existenz ausgesetzt, schreibt die „Kölnische Zeitung“. Vorübergehenden Unterschlupf bieten ihnen Schulen und eine Messehalle, wo aus Vorhängen und Bretterverschlägen kleine Wohnungen eingeteilt werden.

Menschen in einem Boot in überschwemmten Gassen der Kölner Altstadt – genauer: an der Frankenwerft
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Die Topografie von Riehl und Niehl hat das Rekord-Hochwasser nachhaltig verändert. Im Kontext des Baus der ersten Mülheimer Brücke errichtete die Stadt 1926 ein Vorflutgelände: Der Uferbereich von Niehl bis zur Bastei wurde begradigt und aus dem Erdreich ein Damm angelegt, den es noch heute gibt. Mülheims Altstadt erhielt eine Schutzmauer.
Ein Pegel von 10,69 Metern, wie ihn Köln 1926 erlebte, würde heute nicht mehr zu Überschwemmungen führen, so Birgit Konopatzki. Nach den extremen Hochwasserlagen 1993 und 1995 beschloss der Rat ein Hochwasserschutzkonzept, das mittlerweile Sicherheit bis zu einem Wasserstand von bis zu 11,30 Metern bietet.

