Heimersdorf – So „hohen“ Besuch erhalten die Besucher und Pädagogen des Offenen Treffs Magnet selten: Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte sich angekündigt, die Kinder- und Jugendeinrichtung im Heimersdorfer Einkaufszentrum am Haselnusshof kennenlernen zu wollen. Einrichtungsleiterin Monika Bröhl, ihr Kollege des ebenfalls von der Diakonie Michaelshoven getragenen Seeberger Treffs im benachbarten Stadtteil, Hüseyin Cansay, sowie eine Gruppe von jugendlichen Besuchern bereiteten ihr einen herzlichen Empfang.
Reker ließ sich zunächst von den Jugendlichen berichten, was sie am „Magnet“ und am „Seeberger Treff“ besonders schätzen. Schnell wurde klar, dass die Einrichtungen für sie vor allem einen Rückzugsort darstellen. „Zuhause kann man sich vielleicht mit zwei oder drei anderen Freunden treffen, für mehr reicht der Platz nicht“, so etwa Michelle, 15 Jahre. „Hier ist genug Platz, um einfach Zeit miteinander zu verbringen.“ Miraj und Santino, beide 17, besuchen bereits seit der fünften Klasse den Seeberger Treff – und zwar nahezu jeden Tag. „Für uns ist es wie ein zweites Zuhause“, sagt Miraj. Dabei ist der Durchlauf hoch, wie Cansay zu berichten weiß – gut 200 bis 250 Jugendliche besuchen den Treff täglich. „Der Stadtteil und die Atmosphäre hier haben sich sehr verändert“ sagt Cansay, der die Einrichtung seit 1988 leitet. „Die Vielfalt von 110 Nationalitäten im Viertel birgt durchaus Sprengstoff, der auch in den Jugendzentren ausgetragen wird. Das heißt auch, dass wir für viele das letzte soziale Auffangnetz sind, um sie noch in eine richtige Richtung zu lenken.“
In Heimersdorf unterscheide sich die soziale Situation noch ein wenig, fügte Bröhl an. Dort gebe es mehr Senioren und weniger Jugendliche, weshalb ihre Einrichtung im Schnitt etwa 30 Besucher pro Tag zähle. Die Jugendlichen trugen Reker derweil ihre Wünsche vor – ganz oben auf der Liste: mehr Platz. Seit das frühere Gebäude im Lebensbaumweg abgerissen wurde, muss sich der „Magnet“ mit den 90 Quadratmetern des Ladenlokals begnügen. Auf der Suche nach größeren Räumlichkeiten hatten Bröhl und ihre Kollegen bereits ein Auge auf das Gebäude der Anna-Langohr-Schule geworfen, die demnächst in einen Neubau in Weiler-Volkhoven ziehen wird – doch die im gleichen Gebäude untergebrachte Katholische Grundschule erhebt ebenfalls Anspruch auf den zusätzlichen Platz.
Ebenfalls von den Jugendlichen sehnlich erwünscht ist ein Platz im Freien. „In Heimersdorf fehlt ein Jugendplatz, der eingezäunt ist und auch gepflegt wird“, meinte Bröhl. Michelle hatte auch gleich einen Vorschlag, wo ein solcher Platz angesiedelt werden könne: „Auf dem Spielplatz am Stallagsweg gibt es eine Wiese, die vollkommen ungenutzt ist.“ Genau wegen solcher Ideen mache sie diese persönlichen Besuche in Einrichtungen wie dem Magnet, so Reker. „Spielplätze in Jugendplätze umzuwidmen, so etwas ist noch nie an mich herangetragen worden“, sagte sie. „Ich befinde mich eben auch in einer Blase und die muss ich hin und wieder verlassen, um andere Perspektiven einnehmen zu können.“
Miraj, 17
