Fünf Filmschaffende wurden in Köln mit dem 24. Gerd-Ruge-Stipendium, dotiert mit knapp 100.000 Euro, ausgezeichnet.
24. Gerd-Ruge-Stipendium vergebenDokumentarfilme als Kontrast zur Schnelllebigkeit

Die Stipendiaten Marcus Lenz, Rokhsareh Ghaemmaghami, Isabel Schneider und Paul Sonntag (v.l.n.r.) mit FMS-Geschäftsführer und Jurymitglied Walid Nakschbandi (hinten).
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„Mein Vater hätte mit Erschrockenheit auf das geblickt, was wir global, aber auch in unserem Land derzeit erleben“, erzählt Elisabeth Ruge über ihren Vater. Dennoch hätte er sich die Disziplin auferlegt, den Menschen in Ruhe zu erklären, was er sieht. Gemeint ist Gerd Ruge – Journalist und Namensgeber des Stipendiums der Film- und Medien Stiftung NRW.
Als sich die Verleihung im kleinen Sendesaal des WDR zum 24. Mal jährt, stehen neben der Erinnerung an Gerd Ruge auch die großen Themen der Gegenwart im Fokus: Schnelllebigkeit, Kriege, Pazifismus und Klimawandel.
„Was ist uns der heutige Dokumentarfilm wert?“
Über all dem schwebt der eigentliche Anlass der Veranstaltung: die Kunst des Dokumentarfilms. Die Leitfrage des Abends lautet: „Was ist uns der heutige Dokumentarfilm wert?“ Diese Frage ist zweigeteilt – sie zielt auf den gesellschaftlichen und demokratischen Wert der Filme ab, aber ebenso ganz unromantisch auf deren Finanzierung.
Einen wichtigen Beitrag zur Förderung leistet die Film- und Medien Stiftung NRW selbst: Knapp 100.000 Euro fließen in diesem Jahr an vier Filmschaffende. Das Auswahlverfahren wurde dafür neu aufgesetzt. Aus etwa 50 eingereichten Projekten wählte die Jury – bestehend aus Filmstiftungsgeschäftsführer Walid Nakschbandi, Regisseurin Helene Hegemann und Produzent Eric Fiedler – 18 Finalisten aus. „Eigentlich müssten alle 18 Filme ein Stipendium bekommen“, so Fiedler, doch eine Aufteilung in Kleinstsummen mache wenig Sinn.
Diese vier Projekte werden gefördert
Die Wahl fiel schließlich auf vier sehr unterschiedliche Filmprojekte, die eine große thematische Bandbreite abdecken:Rokhsareh Ghaemmaghami wird für ihren Film „Alles ist besser in Teheran“ mit 20.000 Euro gefördert. Darin verarbeitet sie einen tragischen Unfall und familiäre Traumata. Die gleiche Summe steht Isabell Schneider für „Frauen, Arbeit, Kampf“ zur Verfügung, einem Film, der die zentrale Rolle migrantischer Frauen in Arbeitskämpfen beleuchtet.
Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht es im Projekt von Paul Sonntag: „Arbeit und Spiel“ widmet sich einem Betriebskindergarten und den damit verbundenen Herausforderungen. Der letzte und mit 31.919 Euro höchstdotierte Beitrag stammt von Marcus Lenz: „Die Wahl der Waffen“ beschäftigt sich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und dem persönlichen Umgang mit den Folgen.
Ausgewählt wurden Arbeiten, die „Menschen erreichen und unterschiedliche Lebensrealitäten widerspiegeln“, betont Jutta Krug von der WDR-Dokumentarfilmredaktion. Auf dem Podium teilt sie die Leidenschaft mit Leopold Hoesch, Gründer von Broadview TV. Hoesch beschreibt die Wirkung des Dokumentarfilms poetisch: „Der erste Ansatz sollte immer sein, einen sehr guten Film zu produzieren. Aber ein sehr guter Film, der die Menschen berührt, hat die Chance, die Welt zumindest ein Stück weit zu retten.“

Das Podium diskutierte im Sendesaal des WDR über den Wert des Dokumentarfilm.
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Kino als Begegnungsstätte
Was macht den Dokumentarfilm so besonders? Für Jutta Krug ist er vor allem ein „Gegenentwurf zu einer schnelllebigen Zeit“, der sich bewusst Zeit für Geschichten nimmt. Zudem biete er einen Ausweg aus der digitalen Vereinsamung: „Ich glaube, es gibt ein unglaubliches Bedürfnis nach einem Gemeinschaftserlebnis.“
Diesen Gedanken greift Stipendiat Paul Sonntag auf, der mit seinem Film ganz bewusst in die Kinosäle möchte – auch, „weil dort das Handy ausbleibt und das Kino als Begegnungsstätte dient“. Und Elisabeth Ruge schließt den Kreis passend: „Was meinem Vater am Kino wichtig war, ist der Moment des gemeinsamen Erlebens.“
