Mehr als 130 Unfälle mit VerletztenDas sind die fünf gefährlichsten Straßen für Fahrradfahrer in Köln

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Ein Radfahrer fährt auf dem Fahrradstreifen der Bonner Straße in Richtung Chlodwigplatz.

Auf der Bonner Straße zwischen Chlodwigplatz und Rolandstraße verunglücken häufig Radfahrer bei Unfällen.

Der Radverkehr in Köln wächst, die Zahl der Unfälle steigt – die Polizei verstärkt ihre Prävention.

Es gebe Momente, da wünsche er sich den „7. Sinn“ zurück ins Fernsehen, und zwar zur besten Sendezeit, sagte Frank Wißbaum, Leiter der Verkehrsdirektion der Polizei Köln, kürzlich bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik für 2022. Die „Mutter aller Verkehrserziehungssendungen“ lief zwischen 1966 und 2005 in der ARD und war so erfolgreich, dass der Sender sie in 50 Länder verkaufte. In afrikanischen Staaten zum Beispiel, so teilt die ARD mit, habe man vor allem die Folgen im Schnee geliebt.

Hierzulande bestünde aus Sicht der Polizei vor allem Bedarf an Lehrfilmen zum Thema Radverkehr. Denn die Zahl der Unfälle, bei denen Radfahrer und -fahrerinnen in Köln verletzt wurden, ist laut Polizei im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent auf mehr als 2300 gestiegen. Zu den häufigsten Ursachen zählte demnach neben überhöhter Geschwindigkeit und Alkohol auch das „Geisterradeln“ entgegen der Fahrtrichtung und das Überqueren von Straßenbahnschienen. Autofahrer hingegen übersehen Radler oft beim Abbiegen oder überholen sie mit viel zu geringem Abstand.

Köln: Mehr als sechs verunglückte Radfahrer pro Tag

Mehr als sechs verletzte Fahrradfahrer oder -fahrerinnen pro Tag bedeutet einen Negativrekord der vergangenen Jahre. Die meisten verunglückten laut Polizeistatistik in Ehrenfeld, Sülz und Lindenthal. Fünf starben. Nicht in wenigen Fällen, sagte Wißbaum, hätten die Radfahrer die Ursachen selbst gesetzt, genauer gesagt: in knapp 60 Prozent aller Fälle. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) dagegen spricht von 32 Prozent, die von Radfahrenden selbst verursacht worden seien.

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Wo aber ist es in der Stadt der Statistik zufolge am gefährlichsten für Radfahrer und Radfahrerinnen? Was sind die Gründe? Und was lässt sich dagegen tun?

Die aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamtes dazu stammen aus 2021. Nach Einschätzung von Experten hat sich an den Unfallschwerpunkten seither aber nicht viel geändert.

Köln: Die meisten Radunfälle passieren auf der Venloer Straße

Negativer Spitzenreiter ist demnach die Venloer Straße, vor allem im Abschnitt zwischen Innerer Kanalstraße und Leyendecker Straße. 50 Unfälle mit Beteiligung mindestens eines Radfahrers geschahen dort 2021. Der derzeit laufende Verkehrsversuch auf der Venloer sei zwar noch nicht ausgewertet, aber klar sei, dass die Venloer Straße als Einkaufsstraße besonders risikoträchtig sei, sagt Christoph Schmidt vom ADFC Köln: „Viele Menschen sind dort unterwegs, Radverkehr, Fußverkehr, Auto- und Lieferverkehr.“

Radfahrer kämen häufig durch Ein- oder Ausparken von Autos zu Fall oder durch sogenanntes „Dooring“, also wenn Autofahrer achtlos eine Seitentür öffnen. Er habe aber die Hoffnung, sagt Schmidt, dass sich die Probleme durch die neue, zurzeit erprobte Verkehrsführung mindern, da auch Autoparkplätze wegfielen.

ADFC Köln fordert mehr Radstreifen und Knöllchen für Falschparker

Nahezu dieselben Probleme wie auf der Venloer gäbe es auch auf der Neusser Straße, sagt Schmidt, ebenfalls eine enge Shoppingstraße mit viel Verkehr. Dort verunglückten 2021 insgesamt 24 Radfahrerinnen und Radfahrer auf dem Abschnitt zwischen Innerer Kanalstraße und Mauenheimgürtel.

Platz Drei auf der Negativliste belegt die Cäcilienstraße mit 23 Radunfällen zwischen Neumarkt und Deutzer Brücke. „Ein schmaler Radweg, viele Hindernisse, schlechte Sichtbeziehungen, viel Fußverkehr, viele ein- und ausparkende Autos und wenig Ausweichmöglichkeiten“ beschreibt Christoph Schmidt die Probleme. „Unangenehm zu fahren.“ Es bräuchte dringend Radstreifen und mehr Platz für Radfahrer.

Platz Vier nimmt die Zülpicher Straße mit 22 Unfällen ein, und zwar im Bereich Roonstraße bis Unimensa. Hauptursache Nummer eins sind die KVB-Schienen, in denen immer wieder Radler hängen bleiben und stürzen. Schmidt wünscht sich vor allem im Bereich Bahnhof Süd/Dasselstraße ein in die Schienen eingelassenes Gummiprofil, das Stürze verhindern kann und das die KVB bereits in Weidenpesch einsetzt.

Auch die Bonner Straße ist gemäß Statistischem Landesamt zwischen Chlodwigplatz und Koblenzer Straße ein gefährliches Pflaster: 16 Radfahrer verunglückten hier 2021. Das Problem laut ADFC sind vor allem Zweite-Reihe-Parker, die die Fahrbahn verengen, weil sie „nur mal eben schnell“ etwas einkaufen wollen. Es bräuchte auf dem Abschnitt dringend mehr Ladezonen, fordert Schmidt – und häufigere Kontrollen des Verkehrsdienstes.

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