Überraschende Entdeckung an DombauhütteKosten für Sanierung des Römisch-Germanischen Museums steigen erneut

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Die Werkstätten der Dombauhütten im Untergrund der Innenstadt sind nass.

Die Werkstätten der Dombauhütten im Untergrund der Innenstadt sind nass.

Dass Wasser aus der Decke in die Dombauhütte tropft, ist seit Jahren klar. Doch der folgenschwere Grund war niemandem bekannt.

Mitten in der Innenstadt schmieden zwei Männer einen schwarzen Pfosten. Er soll die Papst-Terasse des Kölner Doms umrahmen. Die Arbeit in der letzten Schmiede der Kölner Innenstadt, mitten in der Dombauhütte, wird durch ein völlig durchnässtes Dach erschwert. „Es sind regelrechte Tropfsteinhöhlen entstanden“, sagt Dombaumeister Peter Füssenich über seine Werkstätten. Direkt neben der Schmiede arbeiten zwei Steinmetze an geschwungenen Figuren für die Fassade des Doms. In ihrem Raum hängen mehrere Eimer, die das tropfende Wasser auffangen sollen. In den vergangenen Jahren hatte das Erzbistum sogar ein neues Behelfsdach gebaut, damit die Werkstätten überhaupt nutzbar bleiben.

Lange ist die Stadt davon ausgegangen, dass bloß die Dichtung über den Werkstätten undicht geworden sei. Die Decke der Werkstätte ist der Durchgang zwischen Dom und Roncalliplatz, ein beliebter Weg, der seit einigen Monaten von einem weißen Zelt überdeckt ist. Bei den Sanierungsarbeiten, die eigentlich rund 1,9 Millionen Euro kosten sollten, stellte sich heraus: Die Dichtung ist nicht das Problem. Der Estrich, eingebaut in den 70er-Jahren, hat sich mit der Betonschicht verbunden. Dadurch ist die Decke undicht.

„Erstmals seit 40 Jahren sind wir zur Tragschicht durchgedrungen“

Die Gebäudewirtschaft der Stadt schätzt die Lage zwar als ungefährlich ein, die Sanierung ist nun jedoch deutlich aufwendiger und teurer. Der Estrich muss komplett entfernt und neu eingesetzt werden. Das weiße Zelt bleibt nun wesentlich länger stehen, erst im Oktober werden die Arbeiten – Stand jetzt – abgeschlossen sein. Die Kosten steigen auf rund fünf Millionen Euro. Der erste Bauabschnitt soll Anfang August fertig sein, sodass zumindest der Zugang zum Museum Ludwig wieder frei wird.

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Die „Tropfsteinhöhle“ unter der Domebene.

Die „Tropfsteinhöhle“ unter der Domebene.

Das Zelt ist notwendig, um eine Schadstoffbelastung für Passanten auszuschließen. „Erstmals seit 40 Jahren sind wir zur Tragschicht durchgedrungen“, sagt Füssenich. Von den Erkenntnissen ist auch er überrascht. Dass man bei alten Bestandsgebäuden vor einer Sanierung allerdings nicht genau wisse, wie der Zustand ist, sei normal. „Es gibt keinen Plan, der uns sagen kann, was auf uns zukommt. Die Bauteile verhalten sich so, wie sie sich verhalten.“ Er ist erleichtert, dass das Problem jetzt langfristig gelöst wird. „Die Feuchtigkeit ist hier über Jahre eingedrungen. Wir sind sehr froh, dass die Mitarbeiter endlich wieder im Trockenen arbeiten können. Es ist keine Freude, in nassen Werkstätten zu arbeiten.“

Schwierigkeiten bei der Räumung des Römisch-Germanischen Museums

Wer welche Kosten übernimmt, wird aktuell noch ermittelt. Denn an den Decken ist sowohl das Erzbistum als auch die Stadt beteiligt. Aktuell gehen die Verantwortlichen davon aus, dass die Stadt rund drei Viertel der Kosten übernehmen wird. Die Arbeiten stehen in einem direkten Zusammenhang zur Sanierung des anliegenden Römisch-Germanischen Museums, die im kommenden Jahr starten soll. Ein halbes Jahr lang wurden die Kunstwerke aus dem Museum gehoben, teilweise mit Sicherheitstransporten.

Petra Rinnenburger und Peter Füssenich auf der Baustelle des Römisch-Germanischen Museums.

Petra Rinnenburger und Peter Füssenich auf der Baustelle des Römisch-Germanischen Museums.

Dabei gab es diverse Schwierigkeiten: Ein Baustellenwagen hat ein Zufahrtstor kaputt gefahren, der Lastenaufzug ist während der Arbeiten ausgefallen. Ziel ist es, den Rohbau wiederherzustellen und dann die Sanierung vollständig zu planen. Viele denkmalgeschützte Elemente wie etwa eine Wand im Museum, Decke und Lampen, Mosaik und das Grabmal von Lucius Poblicius sind denkmalgeschützt und müssen besonders vorsichtig behandelt werden, teilweise müssen sie während der Bauarbeiten im Gebäude verbleiben – und werden dafür nun geschützt.

Kölner Domumgebung: Niemand weiß genau, was in den 70ern gebaut wurde

Die Gebäudewirtschaft hofft noch im laufenden Jahr auf einen Baubeschluss, sodass Anfang 2024 tatsächlich saniert werden kann. „Ab dem Baubeginn gehen wir von einer Bauzeit von drei bis vier Jahren aus“, sagt Petra Rinnenburger, Betriebsleiterin der Gebäudewirtschaft. „Wir schützen das, was an Ausstellung drin bleibt und versuchen, bis zum Rohbau zurückzubauen.“ Die Gesamtkosten, die im Rahmen der Sanierung entstehen, werden durch die Sanierungen an der Dombauhütte, welche die Stadt im Rahmen des Projekts durchführt, wohl weiter steigen. Beide Bauten sind in den 70er-Jahren in einem gemeinsamen Komplex entstanden, aus der Zeit gibt es jedoch kaum Dokumentationen und Unterlagen zu den Baudetails.

Denkbar also, dass weitere böse Überraschungen warten, wenn der Baubestand des Römisch-Germanischen Museums ab dem kommenden Jahr saniert wird. Schon im vergangenen Sommer stellte sich heraus, dass die erste Kostenschätzung (41,7 Millionen Euro) vollkommen unrealistisch ist. Die geplanten Kosten stiegen schon damals auf 91 Millionen Euro. Mit Blick auf die Komplexität des Projekts scheint ein dreistelliger Millionenbetrag denkbar. Die Gebäudewirtschaft setzt sich schon seit rund einem Jahr dafür ein, einen höheren Risikozuschlag mit einzuplanen. Doch im Fall der Dombauhütten-Decke sagt auch Rinnenburger: „Das hätte auch mit einem höheren Risikozuschlag zu einer Kostensteigerung geführt.“

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