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„Das ist einer von uns“So erinnern sich Freunde und Weggefährten an Fritz Schramma

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Kölnerinnen und Kölner füllen das Kondolenzbuch für den ehemaligen Oberbürgermeister. Und bewundern einen „ganz normalen“ Menschen.

Wenn Menschen auf den letzten Weg ihres Lebens einbiegen, ist es ihnen in der Regel ein Anliegen, noch einmal Menschen zu sehen, die ihnen nahestehen. So war es wohl auch bei Fritz Schramma. Der ehemalige Kölner Oberbürgermeister ist am Montag im Alter von 78 Jahren gestorben, wir berichteten. Am Mittwoch erzählt sein ehemaliger Parteifreund Thomas Breuer, er habe Schramma vor wenigen Tagen noch gesprochen. Breuer ist ins Historische Rathaus gekommen, um sich in das Kondolenzbuch für Schramma einzutragen, das dort ausliegt. In der Piazzetta ist es still. Die Menschen, die vorbeikommen, zeigen ihren Respekt vor dem ehemaligen Kölner Oberbürgermeister, indem sie nur mit gedämpfter Stimme sprechen.

„Egal wo man in Köln hinkommt: Der ist heiß geliebt“, sagt Breuer. „Das ist eine tolle Persönlichkeit – gewesen, muss man ja jetzt leider sagen.“ Breuer und Schramma verband eine jahrelange Freundschaft, auf politischer Ebene, aber auch darüber hinaus.

„Es gibt ja so Typen, die sonnen sich in ihrem Amt. Aber so war der Fritz nie. Wenn der Fritz ein Problem hatte, dann rief der auch einfach in der Stadtverwaltung den Sachbearbeiter an. Er war bürgernah ohne Ende.“

Ein Oberbürgermeister „wie man sich ihn wünscht“

Nähe, das Wort wird auch auf den anderen Seiten des Kondolenzbuchs immer wieder Erwähnung finden. „Ich finde einfach, er war so ein richtiger Kölscher“, erzählt eine städtische Angestellte, die sich in ihrer Mittagspause Zeit für einige Zeilen für Schrammas Kondolenzbuch genommen hat. „Er hatte so einen guten Bezug zu so vielen verschiedenen Menschen. Er war einfach ganz normal.“ Er sei ein Oberbürgermeister gewesen, wie sie sich ihn gewünscht habe. „Den Menschen verbunden.“

Wenn die Menschen über Schramma nachdenken, kommen sie oft nicht um den frühen Tod seines Sohnes herum, der als Fußgänger Opfer eines illegalen Straßenrennens in der Kölner Innenstadt geworden war. „Das war natürlich heftig“, erinnert sich die Stadtangestellte. Aber neben Mitleid schwingt immer auch etwas Bewunderung in den Aussagen mit. Bewunderung dafür, wie Schramma mit dieser Situation umging. „Solch ein Verlust kostet ja wahnsinnig viel Kraft. Und dann diese Energie und Lebenskraft zu haben, sich trotzdem so sehr für Köln einzusetzen“ – die Bewunderung für Schramma, die über das Gesicht der Frau huscht, vervollständigt ihren Satz.

Im Referendariat und als Oberbürgermeister: Fritz Schramma blieb der Gleiche

Bewunderung für Fritz Schramma empfinden auch Gabriela (77) und Ekkerhard Walter (81), als sie sich in das Kondolenzbuch eintragen. „Er war ein sehr positiver, heiterer Mensch. Den aber doch der Tod seines Sohnes sehr umgehauen hat. Und das hat mir damals sehr leidgetan“, sagt Gabriela Walter. „Es tut einem auch selbst weh, wenn so ein netter und aufgeschlossener Mensch so trauert.“

Ekkerhard und Gabriela Walter tragen sich in das Kondolenzbuch ein

Ekkerhard (vorne) und Gabriela Walter widmeten Fritz Schramma in dessen Kondolenzbuch letzte Worte.

Walter kannte Fritz Schramma schon länger als der Großteil Kölns. Beide wollten Lehrer werden, als sie sich in der Referendariatszeit an der Uni kennenlernten. So besuchten sie unter anderem denselben Sprachkurs in Frankreich. „Wir haben uns immer sehr nett unterhalten, wenn wir uns später getroffen haben. Er war sehr positiv und offen“, erzählt Gabriela Walter. Ob im Referendariat oder als Oberbürgermeister: Verändert habe Fritz Schramma sich in all den Jahren nicht, sagt sie.

„Er war sehr sozial, sehr weltoffen. Und sehr engagiert für Köln“, erzählt Gabriela Walter. Ekkerhard Walter nickt, erwähnt die Zeit im Kölner Stadtrat, als CDU und SPD unter Schramma zusammengearbeitet haben, sagt aber: „Er war primär Kölner. Und für die Bürger da, nicht für seine Karriere.“

Ulla hielt Fritz den Rücken frei

Das bewundert auch Thomas Breuer an seinem Freund. Fritz Schramma habe alle vereinen können. „Egal welche Partei. Sie werden keinen Sozialdemokraten finden, der schlecht über ihn redet. Sie werden auch keine Grünen finden, die schlecht über ihn reden“, ist sich der CDU-Mann sicher. Schramma selbst war im vergangenen Jahr aus der CDU ausgetreten. Breuer sagt: „Natürlich hat man unterschiedliche Auffassungen. Aber er war hoch angesehen. Eben weil er menschlich war.“

Daran, ist sich Breuer sicher, hatte auch Fritz Schrammas Frau Ulla einen großen Anteil. „Fritz war immer ein Mann der Öffentlichkeit. Und Ulla hat das immer ertragen, akzeptiert und ihm bravourös den Rücken freigehalten. Da kann man nur den Hut vor ziehen“, sagt er.

„Man hat verstanden: Das ist einer von uns“

Auch für andere Kölnerinnen und Kölner, die Schramma letzte Worte in seinem Kondolenzbuch widmen, war es die Menschlichkeit, die den ehemaligen Oberbürgermeister so besonders gemacht hat. „Ich habe mich öfter mit ihm unterhalten. Das war ein Mensch, dem man vertrauen konnte. Und der einem selbst vertraut hat“, erzählt ein Kölner, nachdem er sich in das Kondolenzbuch eingetragen hat. 

Ihn habe die Fähigkeit fasziniert, wie Schramma mit Leuten sprach und Bürgern wie ihm zugehört habe. „Er war einfach ein sehr netter, liebenswürdiger, zugewandter Mensch. Auch wenn man kein wichtiger Funktionsträger war. Natürlich hatte er sein enges Programm, aber das hat er dann auch so gesagt“, erzählt er und zitiert: „So Jung, jetzt müssen wir uns aber verabschieden!“ Die ehrliche, direkte Art, die Tatsache, dass Schramma alle gleich behandelte: Das sei etwas gewesen, das den ehemaligen Oberbürgermeister mit den Kölnern verbunden habe. „Man hat als Bürger verstanden: Das ist einer von uns.“