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Kurioser StandortIndisches Restaurant am Melaten-Friedhof – Nachmittags gibt es Trauerfeiern

5 min

Indisches Restaurant am Melaten-Friedhof

Für ihr Chennai Chef Grand wählten die Betreiber einen ungewöhnlichen Standort.

Hausgemachter Kirschstreusel und Medu Vadai – Frikadellen mit weißen Linsen. Rinderkraftbrühe mit Griesnockerln und Gobi Manchurian – frittierter Blumenkohl. Deutscher Filterkaffee und das Joghurtgetränk Mango Lassi.

Die Mischung könnte nicht kurioser sein. Vor dem Haupteingang am Melaten-Friedhof ist sie Wirklichkeit. Das indische Lokal Chennai Chef Grand hat hier im Januar in den Räumen des ehemaligen Café Herrmann eröffnet. Und dessen Aufgabe übernommen: die Bewirtung von Trauergesellschaften.

Das Ehepaar Narayanan mit Köchen im neuen Chennai Chef Grand am Melatenfriedhof. Rechts auf dem Bild sieht man die eingedeckte Tafel für die nächste Trauergesellschaft.

Das Ehepaar Narayanan mit Köchen im neuen Chennai Chef Grand am Melatenfriedhof. Rechts auf dem Bild sieht man die eingedeckte Tafel für die nächste Trauergesellschaft.

Wochentags bis 17 Uhr können hier Trauernde nach den Beerdigungen zusammenkommen und werden mit belegten Broten und Kuchen bewirtet. Danach beginnt das Restaurantgeschäft. Am Wochenende ist ab mittags durchgehend geöffnet.

Standort an Melaten ist schwierig

Chefin Narayanan Angamouttou (48) sagt: „Das ist eine Herausforderung, aber wir lieben es.“ Der Vorgänger an diesem Ort, der nun noch Vermieter ist, habe gewarnt, der Standort sei für ein Restaurant doch sehr schwierig. Keinerlei Laufkundschaft am Abend, keine Geschäfte drumherum, Anbindung mit Bus und Bahn so lala. „Wir wollen die Nachteile zu Vorteilen machen“, sagt sie lächelnd. Hier sei es ruhig, man könne gut große Familien bewirten und man störe auch keine Nachbarn.

Das Chennai Chef Grand befindet sich in der kleinen Zeile vor dem Haupteingang zwischen Steinmetzbetrieben.

Das Chennai Chef Grand befindet sich in der kleinen Zeile vor dem Haupteingang zwischen Steinmetzbetrieben.

Klar sei aber, dass die Trauergesellschaften eine existenzielle Einnahmequelle sind. Doch gerade diese Feiern mit all ihren Traditionen sind natürlich eine sehr deutsche Sache. „Ein Inder macht eine deutsche Trauerfeier, wie soll das gehen? Das haben uns viele gefragt. Wir haben uns drei Monate lang gut vorbereitet“, sagt die Chefin. Die Karte des Vorgängers mit den traditionellen Brötchenplatten, Suppen und Blechkuchen wurde übernommen. Narayanan Angamouttous Ehemann, der Chefkoch ist, hat sich beigebracht, Mohnstreusel und Mandarinenkuchen selbst zu backen. „Er ist sehr neugierig und gründlich.“

Ein Ganesha-Altar neben deutschem Gastro-Geschirr

Tische werden mit dem üblichen weißen, schmucklosen Gastrogeschirr eingedeckt. Und die deutschen Kellnerinnen, die für den Vorbetreiber arbeiteten, wurden für diese Feiern übernommen. „Sonst würden die Leute auch sicher einen Schreck bekommen, wenn sie nur Inder sehen würden“, sagt die Chefin und lacht. „Das würde uns in Indien umgekehrt genauso gehen.“

Der höchste Hindu-Gott Ganesha auf dem kleinen Altar im Restaurant

Der Hindu-Gott Ganesha auf dem kleinen Altar im Restaurant

Die ersten Gäste seien alle sehr zufrieden gewesen. Und es sei auch schon vorgekommen, dass iranische und asiatische Familien, die auf Melaten einen Angehörigen verabschieden, sich zur Trauerfeier das indische Essen wünschten. Auch eine indische Trauergesellschaft habe es schon gegeben. Und die hat natürlich keine Brötchenplatte mit Wurst bestellt.

Ehepaar betreibt auch das Chennai Chef auf der Amsterdamer Straße

Langfristig hoffen die Betreiber, dass auch die Nachfrage im Restaurant wächst. Der eher strenge Raum soll noch mehr Dekoration erhalten. Bisher fällt vor allem der kleine Altar auf, in dessen Zentrum Ganesha, der hinduistische Gott mit dem Elefantenkopf, steht. „Den hat uns der Priester des großen Hindutempels in Hamm geschenkt, den wir regelmäßig besuchen.“ Ganesha ist der Gott der Weisheit, des Anfangs, des Erfolgs und des Überwindens von Hindernissen.

Das Lokal bietet südindische Spezialitäten

Das Lokal bietet südindische Spezialitäten

Die Restaurantbetreiber sind mutig, aber nicht unerfahren. Seit fünf Jahren führen sie das kleinere Lokal Chennai Chef an der Amsterdamer Straße, Höhe Barbarastraße. Ebenfalls ein eher unglücklicher Standort, an dem sie sich aber mit Qualität und großer Freundlichkeit eine Stammkundschaft erarbeitet haben. Julia Floß, Restauranttesterin des „Kölner Stadt-Anzeiger“, kürte es kürzlich zu einem ihrer Lieblingsorte. „Hier im zweiten Lokal hat mein Mann eine größere Küche und einfach mehr Möglichkeiten.“ Sechs Köche arbeiten mit.

Geschlossene Trauerhalle soll im März Thema im Kölner Rat werden

Das Ehepaar kam 2004 aus der Nähe der Millionenstadt Chennai in Südindien nach Deutschland, sie arbeitete als IT-Fachfrau, er als Ingenieur. „Aber acht Stunden sitzen und das Gleiche tun, gefiel uns irgendwann nicht mehr.“ Sie könnten die Sache gelassen angehen, die Kinder sind erwachsen. „Und anders als in Indien müssen wir uns hier keine Sorgen um Mitgift und teure Hochzeiten machen“, sagt die Chefin und lacht.

Der bunte Schriftzug des Chennai Chef Grand wirkt zurzeit allerdings wie ein Ufo aus einer bunteren Welt im tristen Umfeld. In der Zeile, in dem sich das Restaurant befindet, sind Steinmetzbetriebe aktiv, aber der letzte Blumenhändler schloss 2024. In den leer stehenden Räumen wird nun seit einiger Zeit an drei Tagen in der Woche Gemüse direkt von Erzeugern verkauft. Ein kleiner Farbtupfer immerhin.

Die Trauerhalle ist seit 2023 wegen Bauschäden geschlossen.

Die Trauerhalle ist seit 2023 wegen Bauschäden geschlossen.

Doch ein großes Problem bleibt: Die Trauerhalle des berühmtesten Friedhofs von Köln ist seit 2023 aus Sicherheitsgründen geschlossen. Das Gebäude wurde 1955 gebaut und steht unter Denkmalschutz. Wegen einer „minderwertigen Bauausführung“, wie die Stadt sagt, gebe es an der Fassade und am Vordach zahlreiche Risse und Abplatzungen, die auch die Standsicherheit der Glasbausteinelemente gefährde.

Seit 2023 seien zahlreiche Untersuchungen gemacht worden, um die genauen Schäden und die Kosten einer Sanierung zu ermitteln. Nun endlich gibt es einen ersten konkreten Termin: Es sei angestrebt, in der Ratssitzung am 19. März einen Planungsbeschluss mit Kostenangaben vorzulegen, hieß es auf eine aktuelle Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Erst wenn der abgesegnet ist, kann mit den konkreten Planungen begonnen werden, dann muss noch ein Baubeschluss des Rates folgen. Und erst dann kann angefangen werden. Die Sache wird sich also noch hinziehen.

Im Chennai Chef Grand ist man derweil optimistisch. Bisher seien die Gäste immer mit einem Lächeln aus dem Lokal herausgegangen, sagt Narayanan Angamouttou stolz. Obwohl der Anlass für den Besuch oft ein sehr trauriger ist.