Zwei Lager mobilisieren im Pantaleonsviertel. Menschen pro und contra Suchthilfezentrum wollen auf die Straße gehen.
Vor RatsbeschlussStreit um Kölner Suchthilfezentrum – zwei Demos angekündigt

Plakate gegen das Suchthilfezentrum hängen an Wohnhäusern nahe des geplanten Standortes Perlengraben/Wilhelm-Hoßdorf-Straße in Köln. (Archivbild)
Copyright: Thilo Schmülgen
Im Pantaleonsviertel spitzt sich die Debatte um das geplante Suchthilfezentrum weiter zu – und verlagert sich jetzt sichtbar auf die Straße. Noch bevor der Kölner Rat in seiner Sitzung am 5. Februar (Donnerstag) über den Standort am Perlengraben/Wilhelm-Hoßdorf-Straße entscheidet, haben beide Seiten Demonstrationen angekündigt. Befürworter und Gegner mobilisieren, jede Gruppe mit eigener Botschaft, eigenem Zeitpunkt und klaren Erwartungen an Politik und Verwaltung.
Den Auftakt macht die Interessensgemeinschaft (IG) Pantaleonsviertel, ein Zusammenschluss von Anwohnenden, Immobilienbesitzenden und Gewerbetreibenden. Sie ruft für Samstag (31. Januar) zu einer Demonstration auf. Start ist um 11 Uhr vor dem Berufskolleg am Kartäuserwall, von dort soll es durch das Viertel bis zur Wilhelm-Hoßdorf-Straße gehen. Das Motto lautet: „Über uns darf nicht hinweg entschieden werden!“. Die IG kritisiert unter anderem, dass ein „belastbares Gesamtkonzept“ bislang fehle und Entscheidungen zu früh getroffen würden.
„Südi bleibt solidarisch“ plant Kundgebung vor dem Rathaus
Nur wenige Tage später folgt die Gegendemonstration. Unter dem Titel „Hilfe statt Verdrängung: Ja zum Suchthilfezentrum am Perlengraben“ ruft ein Zusammenschluss von Anwohnenden zur Kundgebung auf dem Laurenzplatz vor dem Rathaus auf. Termin ist Donnerstag (5. Februar) um 13.30 Uhr – zeitlich bewusst parallel zur Ratssitzung. Die Gruppe, die unter dem Arbeitstitel „Südi bleibt solidarisch“ auftritt, positioniert sich klar für das Suchthilfezentrum und wirbt für einen konstruktiven Dialog.
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„Wir verstehen, dass aufgrund der zunächst fehlenden Informationen im Viertel Sorgen und Bedenken entstanden sind“, sagt Anwohner Sebastian Endres. Gleichzeitig bekräftigt die Gruppe ihre Unterstützung für das Vorhaben. Das vorgestellte Konzept aus Zürich sei erprobt und biete die Chance, der offenen Drogenszene wirksam zu begegnen – auch im Interesse des Viertels.
Online-Petitionen sammeln Stimmen für und gegen das Suchthilfezentrum
Ähnlich äußert sich Dr. Eva-Maria Grommes aus dem angrenzenden Severinsviertel. Ziel sei es, Fehlinformationen entgegenzutreten und die Debatte zu versachlichen. Eine reine „Not in my Backyard“-Haltung führe nicht weiter, sagt sie. Statt Spaltung wolle man Austausch – mit der Stadt ebenso wie mit skeptischen Anwohnenden.
Parallel zur Mobilisierung auf der Straße wächst auch der digitale Rückhalt: Eine Online-Petition für das Suchthilfezentrum zählt inzwischen mehr als 1200 Unterschriften. Sie fordert unter anderem transparente Sicherheitskonzepte, eine enge Einbindung der Nachbarschaft und weitere Standorte – ausdrücklich auch in Kalk. Für einen gänzlich anderen Standort sprechen sich an anderer Stelle rund 6700 Menschen aus.

