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Hürden bei der UmsetzungWie es mit dem Projekt „1000 Stühle, 1000 Bäume“ weitergeht

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Dörte Gatermann, Vorsitzende Haus der Architektur Köln (hdak) vor dem Kubus auf dem Josef Haburich Hof mit den roten Stühlen

Dörte Gatermann, Vorsitzende vom Haus der Architektur Köln (hdak) mit den roten Stühlen, die ab dem 19. Juni wieder auf dem Neumarkt stehen sollen.

Mit der Initiative möchte das Haus der Architektur das Klima in der Stadt verbessern und das Miteinander fördern. Doch die Umsetzung gestaltet sich schwierig.

Als Beitrag zu einem lebendigen Miteinander in der Stadt und zur Verbesserung des Kölner Stadtklimas auf dem Weg zur Klimaneutralität 2035 wurde vor drei Jahren die Initiative „1000 Stühle, 1000 Bäume“ vom Haus der Architektur Köln (hdak) gestartet. Die Idee ist ebenso einfach wie überzeugend: Bäume sorgen für Schatten und bessere Luft, Stühle schaffen Aufenthaltsqualität und fördern Begegnungen. Kurz: mehr Leben im öffentlichen Raum.

Umsetzung komplizierter als gedacht

2024 brachte die hdak-Vorsitzende Prof. Dörte Gatermann gemeinsam mit ihrem Team das Projekt auf den Weg. Ein anonymer Spender sagte die Startfinanzierung zu. Schnell wurde klar, dass die Umsetzung komplizierter ist als gedacht: Vier Dezernate und elf Ämter sind beteiligt, bevor ein Stuhl aufgestellt oder ein Baum gepflanzt werden darf.

„Der öffentliche Raum hat leider keine Lobby. Wenn man dort etwas verändern will, wollen viele mitreden. Das alles zu durchleuchten, war sehr zeitaufwendig. Nicht jeder Platz kann bepflanzt werden, unterirdische Leitungen machen die Sache kompliziert und auch die Kosten sind höher als geplant. Wir mussten weitere Sponsoren gewinnen“, sagt Gatermann. Die roten Stahlstühle kosten 300 Euro pro Stück, ein Baum etwa 1.000 Euro. Hinzu kommen Pflanz- und Standortkosten: 1.500 Euro für einen Baum im Kübel bis zu 8.000 Euro für eine dauerhafte Pflanzung im Boden.

Ab September an fünf Kölner Plätzen

Aus 27 Bewerbungen wählte die hdak fünf Standorte aus: den Josef-Haubrich-Hof, den Luftschiffplatz in Nippes, das Klettenplätzchen in Klettenberg, den Platz vor dem Literaturhaus sowie den Dorothee-Sölle-Platz. Die Projekte werden von Bürgerinitiativen getragen, die sich um die Pflege der Plätze, Bäume und Stühle kümmern.

Zwei Jahre nach dem Projektstart stellt sich die Frage: Wo sind die 1.000 Bäume und 1.000 Stühle im Kölner Stadtbild? „Ab September werden die Ergebnisse an fünf Kölner Plätzen sichtbar. Die Umsetzung hat deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen als erwartet. Aber wir sind fast am Ziel, und Köln kann bald mit anderen europäischen Städten wie Paris oder Zürich mithalten“, sagt Dörte Gatermann.

Idee kommt aus Paris

Die Idee der beweglichen Stühle stammt aus Paris. Im Jardin du Luxembourg gehören sie seit Jahrzehnten selbstverständlich zum Stadtbild. Mehr als 4.500 dieser Stühle stehen dort dauerhaft zur Verfügung. In Köln gilt der Neumarkt als das Zugpferd des Gesamtprojekts. 2025 wurde der Platz, der aufgrund von Drogenkonsum und Obdachlosigkeit von vielen Bürgerinnen und Bürgern eher gemieden wird, für einige Monate in eine italienische Piazza verwandelt. Hundert rote Stühle luden zum Verweilen ein. Nach vier Monaten wurden sie aber wieder entfernt.

Dabei verfügt der Neumarkt über beste Voraussetzungen für eine dauerhafte Aufwertung: Bäume, ein Brunnen und ausreichend Platz sind vorhanden. Dennoch zeigte sich, wie schwierig die Umsetzung einer dauerhaften Bestuhlung im öffentlichen Raum ist. Ein Grund sind die zahlreichen Veranstaltungen auf dem Neumarkt – vom Weihnachts- über den Weinmarkt bis zum Roncalli Zirkus –, die dem Projekt enge Grenzen setzen. Hinzu kommen Haftungsfragen, der Pflegeaufwand sowie Vandalismus.

Vandalismus ist in Köln ein Problem

„Wir müssen die Stühle bewachen, nicht nur weil sie gestohlen werden könnten, sondern weil manche sie durch die Gegend werfen oder in Richtung der KVB-Gleise schieben. Diesen Missbrauch kenne ich weder aus Zürich noch aus Paris. Vandalismus ist in Köln ein Problem – aber wir werden eine Lösung finden“, erklärt Dörte Gatermann.

Ob aus der Vision „1000 Stühle, 1000 Bäume“ tatsächlich ein dauerhaftes Stück Stadtkultur wird, ist noch offen. Die Idee findet jedoch breite Unterstützung. „Ich begrüße ausdrücklich das Ziel, diese Initiative weiter auszubauen und in alle Veedel Kölns zu tragen“, sagt Oberbürgermeister Torsten Burmester, der die Schirmherrschaft übernommen hat.

Am 19. Juni um 15 Uhr startet auf dem Neumarkt der nächste Versuch. Eingeladen sind alle  Kölnerinnen und Kölner. Sie sollen den Neumarkt neu entdecken, dort verweilen und ins Gespräch kommen – ganz ohne Konsumzwang.