Das Unglück, bei dem am 3. März 2009 zwei junge Männer in Nachbarhäusern starben, jährt sich am heutigen Dienstag zum 17. Mal.
Katastrophe am WaidmarktWunde des Kölner Archiveinsturzes soll bis 2032 geschlossen sein

Die Einsturzstelle des Stadtarchivs am Waidmarkt wird noch bis zum Jahr 2032 eine Baustelle sein.
Copyright: Arton Krasniqi
23 Jahre nach dem Einsturz des Stadtarchivs am Waidmarkt soll die Wunde geschlossen sein – bis zum Jahr 2032 wollen die am Bau der Nord-Süd-Stadtbahn beteiligten Bauunternehmen mit dem Rohbau fertig sein, der U-Bahn-Tunnel soll durchgängig vom Hauptbahnhof bis in die Südstadt befahrbar sein. In Vergessenheit geraten soll die Wunde allerdings nicht, das wollen unter anderem die Initiativen „Archiv-Komplex“ und „Köln kann auch anders“ sicherstellen.
Archiveinsturz 2009: Zwei junge Männer starben in Köln
Der 3. März 2009 soll dauerhaft im kollektiven Kölner Gedächtnis haften bleiben, der Waidmarkt zu einem Ort der Erinnerung und des Gedenkens werden. Beim Einsturz des Stadtarchivs während der Bauarbeiten für einen neuen U-Bahn-Tunnel starben zwei junge Männer, Kevin und Kahlil, in den Trümmern zweier benachbarter Wohnhäuser. Eine ältere Frau nahm sich wenige Tage später das Leben, sie hatte ihre Wohnung verloren.
Die Stadt Köln hat damals einen Teil ihres Gedächtnisses eingebüßt. Bis die 1,7 Millionen aus der Einsturzgrube geborgenen Archivobjekte vollständig restauriert sind, werden nach Einschätzung der Stadt noch 30 bis 40 Jahre vergehen. Immerhin konnten 95 Prozent des Archivguts gesichert werden, fünf Prozent sind unrettbar verloren.
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Dass am Ende fast ein Vierteljahrhundert zwischen dem Einsturz und der Fertigstellung des U-Bahn-Tunnels vergangen sein wird, hängt auch damit zusammen, dass die Einsturzstelle erst seit sechs Jahren saniert wird. Dort soll ein unterirdisches Bauwerk für den Gleiswechsel entstehen. Erst nachdem 2020 ein Vergleich zwischen der Stadt Köln und den an der Arge Los Süd beteiligten Baufirmen geschlossen worden war, konnten die Vorarbeiten beginnen. 2022 folgten die ersten Arbeiten für die eigentliche Sanierung.
5000 Kubikmeter Schutt liegen in der Grube
Die Baufirmen arbeiten derzeit nach Angaben der KVB in einer Tiefe von rund 18 Metern. Sie haben sich bei einem Vergleich mit der Stadt Köln dazu verpflichtet, baulich alles wieder in Ordnung zu bringen. Im nächsten Schritt planen sie aus statischen Gründen eine weitere Lage aus Stahlrohren einzubauen, um die Baugrube zu stabilisieren. Danach sollen die Zwischendecke abgerissen und die unterste Ebene der Grube freigeräumt werden. Neben Beton und Kies befinden sich darin zurzeit 5000 Kubikmeter Boden und Schutt, die beim Einsturz eingedrungen waren. Hinzu kommen 2000 Kubikmeter Beton, die direkt nach dem Einsturz gegen einen möglichen Auftrieb in die Grube geschüttet wurden. Einen Teil der Arbeiten müssen Taucher im Grundwasser übernehmen, das in der Grube steht.
Nach den bisherigen Planungen soll dieser Teil der Arbeiten bis zum Jahr 2029 abgeschlossen sein. Die Baugrube wird sich dann in einem Zustand befinden, wie zum Zeitpunkt vor dem Einsturz. Im Anschluss muss unter Wasser eine Betonsohle gegossen werden. Danach können die Baufirmen das Gleiswechselbauwerk bauen. Der Rohbau dafür soll im November 2031 fertig sein, sodass die Stadtbahnen dann spätestens Anfang 2032 fahren könnten.
Das Kunstprojekt im vergangenen Jahr war ein erstes Signal dafür, dass am Waidmarkt Leben und Kultur stattfinden können
Ob es wirklich so kommt, steht allerdings weiterhin nicht zweifelsfrei fest, es gibt Risiken. Die KVB räumt ein, dass auf dem Weg bis dahin noch bislang unbekannte Probleme auftreten könnten. Die Baurbeiten könnten aufwendiger sein als bisher angenommen wird, was eine Verzögerung nach sich ziehen würde. „Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass es sich um eine havarierte Baugrube handelt, bei der bisher – aufgrund des sich darin befindlichen Materials – noch nicht alle Bereiche erkundet werden konnten“, teilte eine KVB-Sprecherin mit.
Bleibt am Ende die Frage, was mit dem Waidmarkt geschehen soll, sobald die Baugrube verschlossen ist. War zunächst ein unterirdischer Gedenk- und Kunstraum im Bereich des Gleiswechselbauwerks angedacht, ist inzwischen klar, dass sich das aus technischen Gründen nicht realisieren lässt. Die beteiligten Bauunternehmen haben stattdessen 4,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um den Waidmarkt zu beleben. „Das haben wir Stadtkämmerin Dörte Diemert zu verdanken, die sich bei den Verhandlungen dafür eingesetzt hat“, sagt Günter Otten von der Initiative Archiv-Komplex. Das Ziel bestehe darin, einen Gedenkort zu schaffen, der gleichzeitig auch ein öffentlicher Platz ist. „Es muss ein Treffpunkt für die Nachbarschaft werden, mit grünen Elementen“, sagt Otten.

Günter Otten von der Initiative Archiv-Komplex steht an der Einsturzstelle am Waidmarkt
Copyright: Max Grönert
Rund zwei Millionen von den 4,8 Millionen Euro investiert die Stadt Köln derzeit in künstlerische Projekte, die am Waidmarkt stattfinden und dabei helfen sollen, ein Zukunftszenario für den Ort zu entwerfen. Den Auftakt machte die Künstlergruppe Observatorium aus dem niederländischen Rotterdam, die im Sommer 2025 einen Holzpavillon aufstellte und Gedanken zum Archiveinsturz sammelte. „Das war ein erstes Signal dafür, dass am Waidmarkt Leben und Kultur stattfinden können“, sagt Otten.
Noch in diesem Jahr folgt das Programm „Magischer Realismus: Verwandlungspotenziale und ungeahnte Perspektiven für ein außergewöhnliches Stück Stadt“. 2027 geht es mit „Freiraumvisionen: Andere Stadtlandschaften für ein zukunftsorientiertes kulturelles Leben“ weiter, und 2028 kommt das Format „Das Laboratorium am Waidmarkt: Neue kulturelle Identitäten für einen zukünftigen Ort der Kölner Stadtgesellschaft“. Für den Zeitraum von 2029 bis 2031 ist ein Werkstattverfahren geplant. Sollte mit der Sanierung der Baugrube alles glattlaufen, könnte 2032 am Waidmarkt die Neugestaltung beginnen.
Für den heutigen Dienstag ist erneut eine Gedenkveranstaltung der Stadt Kön an der Einsturzstelle geplant, das Unglück jährt sich zum 17. Mal. Erstmals wird Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) teilnehmen. Wie in jedem Jahr werden um 13.58 Uhr die Glocken der Südstadt-Kirchen läuten, um zur Einsturzzeit an die Katastrophe zu erinnern, die in Köln eine bleibende Wunde hinterlassen hat.

