Dürfen Gäste direkt an den Haupteingang des Dom-Hotels fahren oder nicht? Die Stadt äußert sich zurückhaltender als im Februar.
Autos am Kölner Welterbe?Eigentümer des Dom-Hotels will Zufahrt auf dem Roncalliplatz – Kritik vom ADAC

Diese Visualisierung zeigt die Verkehrssituation vor Ort.
Copyright: Cadman/Althoff Hotels
Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) rechnet damit, dass nach der Eröffnung des Dom-Hotels die Gäste mit dem Auto über den Roncalliplatz direkt zum Eingang fahren können – und zwar dauerhaft und nicht vorübergehend, wie die Stadt es dieser Redaktion im Februar mitgeteilt hatte. Das bestätigte ein BVK-Sprecher.
Der spätere Betreiber des Fünf-Sterne-Superior-Hotels, die Althoff-Gruppe, wollte sich nicht äußern und verwies auf die BVK. Der Versorgungskammer gehört das Hotel, Althoff betreibt es nach der Eröffnung, die frühestens 2027 erfolgt (wir berichteten). Die BVK spielt den Ball wieder zurück: Aus ihrer Sicht liegt eine Einigung zwischen Althoff und der Stadt vor.
Experte: Ankunft über Tiefgarage unüblich
Über Jahre hieß es, die Zufahrt soll nach der Eröffnung über die Tiefgarage auf ausgewiesene Stellplätze erfolgen und nicht wie früher über den Roncalliplatz. Doch die Tiefgarage der Stadt ist ein Sanierungsfall, der derzeit an den dringlichsten Stellen repariert wird. Solange sollte die Zufahrt laut Aussage der Stadt aus dem Februar vorübergehend doch über den Platz erfolgen.
Die Frage, ob direkt am Kölner Dom und auf einem öffentlichen Platz Autos fahren sollten, ist eine emotionale und umstrittene. Der langjährige Hoteltester und diplomierte Hotelier der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern, Chris Brügger, sagte zuletzt dieser Zeitung: „Ich habe in all den Jahren als Hoteltester in keinem Luxushotel weltweit eine Ankunft über eine Tiefgarage erlebt.“
Allerdings sagt selbst ADAC-Mobilitätsexperte Roman Suthold jetzt: „Autos, die auf dem Roncalliplatz fahren, sind aus der Zeit gefallen.“

Die Visualisierung zeigt die geplante Zufahrt.
Copyright: Cadmann/Ksta-Grafik
Anders als vor sieben Monaten beantwortete die Stadt dieses Mal die Frage nicht direkt, ob die Zufahrt dauerhaft oder nur vorübergehend erfolgt. Sie verwies auf eine laufende Prüfung. Die Stadt betonte aber, dass der Bereich des Roncalliplatzes im Amtsblatt von 1997 als Zufahrt für das Hotel gewidmet ist. Diese Widmung ist laut Verwaltung heute noch gültig.
Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie kamen Gäste früher zum Hotel?
Bis zur Schließung des Dom-Hotels im Jahr 2013 war es üblich, Gäste mit dem Auto bis zum damaligen Eingang auf der Nordseite in der Nähe des Hauptportals des Kölner Doms zu bringen. Die Autos fuhren an der Straße „Am Hof“ gegenüber dem Früh-Brauhaus auf den städtischen Roncalliplatz. Das entsprach in etwa einer Entfernung von 90 Metern.
Wo ist dann das Problem?
Dass die Politik die Zufahrt mit dem Auto 2013 reduzieren wollte und dazu einen Beschluss fasste. Und dass die Verwaltung die Zufahrt sogar verbieten wollte und betonte, dass die BVK einen Beschluss des Stadtrates braucht, wenn sie das ändern will.

Außenansicht des Dom-Hotels.
Copyright: Costa Belibasakis
Was hatte die Politik denn beschlossen?
Im März 2013 hatten SPD und Grüne einen Antrag in den Verkehrsausschuss eingebracht, der auch beschlossen wurde. Darin hieß es unter anderem: „Umwidmung der gesamten Platzfläche des Roncalliplatzes, sodass diese nur in Ausnahmefällen befahren und beparkt werden darf.“ Es sollte eine „zahlenmäßig enge Begrenzung der Zufahrtsberechtigungen“ erfolgen. Das Ziel: „Umsetzung aller Maßnahmen im Laufe diesen Jahres.“ Also bis Ende 2013. Nach einem Jahr sollte geprüft werden, ob versenkbare Poller mit Zugangskarten sinnvoll sind.
Das ist 13 Jahre her. Was wurde daraus? Das Verfahren wurde nicht abgeschlossen. Obwohl die Verwaltung im städtischen Amtsblatt vom 7. August 2013 sogar noch weiter ging als der Verkehrsausschuss. Dort heißt es, dass die Stadt „beabsichtigt“, die Benutzung von Flächen rund um den Dom auf Fußgänger zu beschränken. Es handelt sich um eine sogenannte geplante Teileinziehung der Fläche.
Die Stadt schrieb: „Ein Befahren der Platzflächen durch den Anlieferverkehr sowie die Zu- und Abfahrt des Dom-Hotels sind künftig nicht mehr möglich.“ Das Vorgehen erfolge aus „überwiegenden Gründen des öffentlichen Wohles“. Doch zunächst handelte es sich nur um die Ankündigung, danach konnten Anlieger Bedenken anmelden.

Das Amtsblatt der Stadt von 1997: Darin ist die damalige Zufahrt gestrichelt eingezeichnet.
Copyright: Amtsblatt/Stadt Köln
Und dann?
Das im Amtsblatt gestartete Verfahren hat die Verwaltung laut eigener Aussage nie abgeschlossen.
Warum?
Sie startete zwar laut eigener Aussage Gespräche mit den Anliegern, um Einwände zu erhalten, unter anderem wegen der Radwegeführung zur Hohenzollernbrücke. Aber das Verfahren wurde nie abgeschlossen, bis heute nicht. Die Stadt teilte mit: „Das Verfahren ruht zurzeit.“ 13 Jahre nach der Ankündigung der Stadt im Amtsblatt, aus „überwiegenden Gründen des öffentlichen Wohles“ die Pläne umzusetzen.
Die Grünen in der Innenstadt-Bezirksvertretung haben aktuell eine Anfrage an die Verwaltung gestellt, ob das Verfahren wieder aufgenommen wird. Die Antworten liegen bisher nicht vor.
Früher hatte sich die Verwaltung klarer geäußert, oder?
Ja. Beispielsweise 2018 schrieb diese Redaktion unter der Überschrift „Hotel will Vorfahrt für Limousinen“. Damals sagte die frühere Leiterin des Stadtplanungsamtes, Anne Luise Müller: „Wir haben der Bayerischen Versorgungskammer gesagt, dass sie für eine solche Zufahrt auf dem Roncalliplatz zunächst einen Beschluss des Stadtrates benötigt und einen Vertrag mit der Verwaltung.“
Laut Müllers Aussage müsste der Investor ein Konzept ausarbeiten, dem die Polizei zustimmen müsse. Die Terroranschläge mit Lastwagen in Europa verschärften diese Diskussion. Erst danach, so Müller, könne eine Vorlage für den Rat entstehen. Diese Vorlage liegt bis heute nicht vor.
Und warum geht die BVK jetzt von einer dauerhaften Zufahrt aus?
Da kommt das städtische Amtsblatt von 1997 ins Spiel. Dort heißt es, dass die Fläche von der Straße „Am Hof“ bis zum Brunnen am früheren Eingang des Hotels als Zu- und Abfahrt gewidmet ist. Die Gültigkeit der 29 Jahre alten Widmung bestätigte die Verwaltung.
Was heißt das konkret?
Kristina Isabel Schmidt ist Akademische Rätin auf Zeit und lehrt und forscht im Öffentlichen Recht an der Universität Bonn. Schmidt bezeichnete die Widmung im Amtsblatt als „entscheidenden Rechtsakt“. Mit Blick auf das nicht abgeschlossene Verfahren für den Roncalliplatz von 2013 sagt sie: „Dementsprechend ist jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt die Zu- und Abfahrt des Dom-Hotels für jedermann zulässig.“
Jedermann meint laut ihrer Aussage tatsächlich jeden, der zum Dom-Hotel fahren oder von dort wegfahren möchte, und nicht nur Gäste des Dom-Hotels. Eine solche Beschränkung ergebe sich aus dem Wortlaut des im Amtsblatt abgedruckten Ratsbeschlusses von 1997 jedenfalls nicht. Da 2013 aber nur der Verkehrsausschuss die Vorfahrt ändern wollte, braucht es für den Vollzug laut Schmidt noch einen Beschluss des Stadtrates.
Wie ist die neue Vorfahrt denn geplant, unabhängig von der Frage, ob sie dauerhaft ist oder nicht?
Nach Neubau und Sanierung ist der Eingang auf die Ostseite verlegt worden, die Fahrstrecke bis zum Eingang wäre nur noch 30 bis 35 Meter lang und damit kürzer.

ADAC-Mobilitätsexperte Roman Suthold.
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Und wie soll sie aussehen?
Die Zufahrt soll über Schutzpoller an der Straße „Am Hof“ geregelt werden. Die Stadt hatte die Domplatte seit Ende 2017 mit Pollern gesichert, um Terroranschläge mit Lastwagen zu verhindern. Das Thema Sicherheit hat auch bei der Zufahrt zum Dom-Hotel eine tragende Rolle gespielt. Denn theoretisch könnten Attentäter per Wagen sonst direkt auf den Roncalliplatz gelangen, wenn sie ein Zimmer im Dom-Hotel mieten und es keine Poller gäbe.
Wie die neue Polleranlage konkret aussehen soll, teilte die Stadt nicht mit. Derzeit laufen laut einer Sprecherin Voruntersuchungen. Unter anderem wird geschaut, wo Versorgungsleitungen liegen und ob es alte Kampfmittel im Boden gibt. Beispielsweise besteht der Verdacht auf einen Blindgänger. Laut der Sprecherin sind nach dem Ende der Planungen und Vorarbeiten mindestens sechs Monate Bauarbeiten veranschlagt.
Suthold vom ADAC sagt: „Als Außenstehender ist es auch nicht nachvollziehbar, warum mit zweierlei Maß gemessen wird: Die Trankgasse auf der anderen Seite des Doms ist für Autos gesperrt, auf dem Roncalliplatz sollen sie aber fahren dürfen. Wenn es eine Zufahrt für das Dom-Hotel geben sollte, müsste diese zumindest auf optisch attraktive Weise vom Rest der Domplatte abgegrenzt sein.“
Und die städtische Tiefgarage: Werden die Plätze für das Dom-Hotel bis zur Eröffnung fertig?
Die Stadt sagt trotz des Sanierungsbedarfs der Tiefgarage von 1971: ja. „Aktuell besteht im Hinblick auf den Baufortschritt in der Tiefgarage kein zeitlicher Konflikt zur Eröffnung des Dom-Hotels.“ Wie berichtet, verzögert sich die Eröffnung des Hotels immer wieder. Nun gilt der 29. Januar 2027 als Fertigstellungstermin, an den sich der Probebetrieb anschließt.
In den nächsten vier Jahren sollen nur die schlimmsten Schäden an der Tiefgarage für bis zu 6,5 Millionen Euro ausgebessert werden – möglicherweise ab 2030 soll die Generalsanierung folgen.
