Die Bühnentechnik ist Jahre vor den vier Bühnen fertig geworden, dadurch sollten Kinderkrankheiten ausgeschlossen sein. Eigentlich.
Vor Opern-PremiereKölner Bühnen kämpfen mit technischen Problemen

April 2025: Ein Blick auf die Bühnetechnik im Opernhaus.
Copyright: Alexander Schwaiger
Wenige Tage vor der ersten Aufführung in der neu sanierten Oper am Sonntag hakt die Bühnentechnik – die Inszenierung des Premierenstücks „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss am Sonntag muss deshalb verändert werden.
Opernintendant Hein Mulders bestätigte die Probleme am vergangenen Eröffnungswochenende im „Deutschlandfunk“. Er sagte: „Bühnenpodien, Technik, Drehscheibe, Obermaschinerie: Da hakt es im Moment, das muss ich auch ehrlich sagen.“ In dem Beitrag heißt es, dass laut Mulders eine weitere Verschiebung nach 14 Jahren Sanierung aber nicht infrage kommt.
Im Gegensatz zu den vier Häusern (Oper, Schauspiel, Kinderoper, Kleines Haus) war die Bühnentechnik schon 2017 bis zu 95 Prozent fertiggestellt, 2021 sogar zu 98 Prozent. Der Begriff Bühnentechnik steht im Wesentlichen für drei Bestandteile: die Licht- und Medientechnik, die Obermaschinerie und die Untermaschinerie.
Technik ist laut Stadt abgenommen
Die Obermaschinerie beispielsweise fährt mit bis zu 1,8 Metern pro Sekunde die Hintergrundbilder aus dem Opernturm nach unten. Sie sind teils 18 zu neun Meter groß. Im alten Opernhaus geschah das noch über Taue und Gewichte und mit viel mehr Personal als bei der neuen digitalen Bühnentechnik und den Steuerpulten, die per Touchscreen bedient werden.
Laut einer Stadtsprecherin sind die technischen Anlagen fertiggestellt, geprüft und abgenommen.
Die Verantwortlichen der Bühnen hatten es im Januar 2021 sogar als Vorteil bezeichnet, dass die Technik weit vor den vier Häusern installiert ist: „Die Sparten können also ab dem ersten Tag auf allen vier Bühnen uneingeschränkt proben, die neue Bühnentechnik wird beherrscht, mögliche technische Kinderkrankheiten sind behoben.“

Das Jahr 2017: Ein Bild von der Bühnentechnik.
Copyright: Max Grönert
Die Stadt bestätigte die aktuellen Probleme auf Nachfrage am Dienstag indirekt. Sie wies darauf hin, dass sich die komplexe Bühnentechnik und ihr Zusammenspiel nach einer Sanierung erst im Proben- und Vorstellungsbetrieb testen lasse. Technische Störungen in den ersten Wochen und Monaten sind laut der Sprecherin „realistisch“.
Die Stadt teilte mit: „Insofern haben sich Veränderungen auch bei der Inszenierung des Stücks ‚Der Rosenkavalier‘ im Vergleich zur ursprünglichen Planung ergeben.“
Die Frage nach dem Umfang der Reduzierung ließ sie offen. Mehrere Gesprächspartner verwenden gegenüber dieser Redaktion das Wort „abgespeckt“. Andere nennen die Technik im Opernhaus „eingeschränkt“, die anderen Bühnen sollen nicht betroffen sein.
Abgesagte Technikshow in der Oper
Für das Eröffnungsfest am vergangenen Wochenende hatte die Stadt versprochen: „Technikshows zeigen, was die neue Bühnentechnik alles kann.“ Doch für die Oper fiel diese Präsentation aus, Gäste quittierte das am Sonntag mit einem trockenen: „Willkommen in Köln“ (wir berichteten). Die Frage zu den Gründen ließ die Stadt am Dienstag weitgehend inhaltlich unbeantwortet, verwies nur auf die Priorität der Endproben zum „Rosenkavalier“.
Zur Frage, was passiert, wenn die Bühnentechnik am Sonntag bei der Premiere Probleme bereiten sollte, teilten die Bühnen mit: „Im ungünstigsten Fall kann dies auch zu Verzögerungen, Unterbrechungen oder einer Vorstellungsabsage führen. Aber auch das ist wegen der hochkomplexen Maschinerie generell und in allen technisierten Theaterbetrieben ein Risiko.“

April 2025: Die Bühne im Opernhaus samt Technik.
Copyright: Alexander Schwaiger
Intendant Mulders sagte im „Deutschlandfunk“: „Sie können sich das so vorstellen: Wenn eine große Maschine relativ früh abgenommen wird, aber dann eigentlich noch zehn Jahre stillsteht, kriegt man solche Situationen, dass die Maschine schon läuft, aber dann plötzlich auch wieder nicht läuft.“
Hat die Stadt die Bühnentechnik in der Vergangenheit nicht ausreichend instand gehalten? Die Verwaltung beantwortete diese Frage am Dienstag nicht. Vor zwei Jahren hatte sie mitgeteilt: „Eine regelmäßige Wartung durch die Betriebs- und Projektleitung findet statt.“ Die Kosten dafür beliefen sich demnach auf rund 250.000 Euro jährlich.
Bühne macht nicht, was sie soll
In einem Beitrag der „Tagesthemen“, der vor rund vier Wochen gedreht wurde, zeigten sich die Probleme mit der Technik: Darin will Techniker Mino Roy die Bühne im Boden versenken, doch sie bewegt sich nicht – und zeigt keine Fehlermeldung an.
Roy sagt: „Kleinere Schwierigkeiten gibt es schon öfter, aber eigentlich wird mir dann angezeigt, was dann das Problem ist.“ Und: „Die Bühnenmaschinerie ist tatsächlich auch schon an die zehn Jahre alt. Und manche elektronischen Bauteile kommen da einfach an ihre Lebensgrenze.“

2017: Die Bühnen zeigen, was die neue Technik kann.
Copyright: Max Grönert
Vor zwei Jahren hatte die Stadt mitgeteilt, dass die zulässige Nutzungsdauer aller Technikkomponenten durch die Betriebs- und Projektleitung kontinuierlich stattfindet. Beispielsweise sind bestimmte Hydraulikschläuche schon planmäßig erneuert worden.
2017 zeigten Bühnen-Chefs die Technik den Journalisten
In der Vergangenheit hatten die Bühnen-Verantwortlichen die frühzeitige Fertigstellung der Technik als großes Plus bezeichnet. Sie hatten sogar Medienvertreter im August 2017 eingeladen, um die neue Bühnentechnik zu präsentieren.
Der damalige technische Betriebsleiter Bernd Streitberger sagte: „Wir wollen auch mal etwas zeigen, was gelungen ist.“ Seiner Aussage nach war die Technik damals zu 95 Prozent fertiggestellt. Die Kosten für den Umbau der Bühnen gab er seinerzeit mit 40 Millionen Euro für die Oper und weiteren 39 Millionen Euro für Schauspiel, Kinderoper und Kleinem Haus an.
In dem Beitrag der „Tagesthemen“ sagt Techniker Mino Roy mit Blick auf Sonntag: „Ich glaube, für mich persönlich kommt die wirkliche Erleichterung mit dem Schlussapplaus der Eröffnungspremiere. Davor bleibt die Anspannung unverändert.“
Die Sanierung der Kölner Bühnen und das Geld
Im Juni 2012 fiel der letzte Vorhang in der Kölner Oper. Danach begann die auf gut drei Jahre angelegte Sanierung und Erweiterung von Oper, Schauspiel, Kleinem Haus und Kinderoper, die letztlich wegen vieler Planungs- und Baufehler 14 Jahre dauerte.
Als reine Planungs- und Baukosten waren damals rund 253 Millionen Euro vorgesehen. Mittlerweile sind es 798,6 Millionen Euro. Ob es bei dieser Summe bleibt, ist zumindest offen.
Viele Baufirmen haben Nachträge gestellt. Das meint, dass sie aus ihrer Sicht mehr Arbeit leisten mussten, als die Stadt aus ihrer Sicht angefragt hatte. Dafür wollen sie Geld haben. Es ist ein übliches Verfahren. In den nächsten Monaten wird darüber verhandelt.
Rechnet man die Kosten für die Finanzierung des Baus über Kredite und die Kosten für die Interimsspielstätten hinzu, verändert sich die Rechnung: Aus 2012 geplanten 540,9 Millionen Euro könnten rund 1,465 Milliarden Euro werden.
Die Summe ist mit Unsicherheiten verbunden, weil die Finanzierungskosten schwankten. Die Bühnen hatten im Laufe der Bauzeit begonnen, die Finanzierungskosten zu nennen, um laut eigener Aussage Transparenz zu schaffen. Das ist unüblich.
Doch als die Projektleitung Mitte 2024 wechselte, endete diese Transparenz – damals übernahmen der frühere Baudezernent Markus Greitemann und Projektmanager Jürgen Marc Volm.
