Nach 14 Jahren ist es endlich vollbracht: Oper und Schauspiel sind zurück am Offenbachplatz und tausende Besucher strömten am Wochenende zum großen Eröffnungsfest. Lange Schlangen bildeten sich vor den Eingängen. Am Samstag standen die Menschen in der Sonne, am Sonntag prägten Regenschirme das Bild. „Bitte die Füße abtreten, der Teppich ist ganz neu“, hieß es dann auch, als zur ersten Führung 500 Interessierte auf einmal das Foyer und später den sanierten Opernsaal enterten.
Sie seien mit Skepsis hergekommen, denn von der Kölner Oper habe man ja eine Hiobsbotschaft nach der nächsten gehört, sagte ein Ehepaar, das mit ihren beiden Kindern zur Eröffnung gekommen war. Diese Skepsis sei schnell gewichen: „Aber jetzt, wenn wir diese tollen Farben sehen und alles mit Leben gefüllt ist, das ist einfach wunderbar.“ Ein weiterer Besucher war nicht ganz so positiv gestimmt. „Man hätte auf die Oper ganz verzichten können“, sagte er trotzig. Warum er trotzdem zum Eröffnungsfest gekommen ist? „Um mal zu schauen, wofür mein Steuergeld draufgegangen ist.“
OB Torsten Burmester entschuldigt sich
Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) weiß, dass die Opernsanierung und die Kostenexplosion natürlich ein Reizthema bei den Kölnern ist und war. „Wir wissen alle, dass es zu lange gedauert hat“, sagte er am Samstag beim Auftakt auf dem Offenbachplatz. „Ich muss mich entschuldigen, die Stadt muss sich entschuldigen, weil wir Fehler gemacht haben.“
Die Sanierung der Kölner Bühnen hätte schon 2015 abgeschlossen sein sollen, doch es hat dann noch einmal mehr als ein Jahrzehnt länger gedauert. Die Baukosten sind von anfangs kalkulierten 253 Millionen Euro auf 798,6 Millionen Euro gestiegen. Zwischenzeitlich wurde sogar der Abbruch des Opernhauses diskutiert. Zählt man die Kosten für Kredite und Ausweichspielstätten hinzu, sind am Ende rund 1,465 Milliarden Euro zusammengekommen. Burmester hatte schon im OB-Wahlkampf im vergangenen Jahr betont, dass Oper und Schauspiel die Bühnen aller Kölner sein müssten. Nur so könne eine Versöhnung mit dem Kostendesaster gelingen.

Beim Eröffnungsfest fotografierten Besucher den markanten Zuschauersaal mit den frei schwebenden Balkonen.
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Der Frust soll nun der Begeisterung weichen. Opern-Intendant Hein Mulders sagte in die Menge: „Die Freude kann größer nicht sein.“ Die Kölner könnten „wunderbare Häuser“ besichtigen. „Das gehört Ihnen.“ Der Kölner Schauspielintendant Kay Voges ergänzte: „Ich bin verliebt in diese Gebäude. Nach 14 Jahren Baustelle haben die Bürger den Offenbachplatz zurück.“ Er solle zu einem Ort der Debatte und des Austauschs werden. Der offizielle Festakt zur Eröffnung der Bühnen am kommenden Donnerstag steigt nach genau 14 Jahren, drei Monaten und 18 Tagen der Sanierung.
Mit dabei am ersten Eröffnungstag war Jörg Jung, vor eineinhalb Jahrzehnten der Sprecher der Initiative „Mut zur Kultur“, die sich für die Sanierung eingesetzt hatte. „Mit dem Wissen um die Kostenexplosion hätte das niemand gefordert“, sagt er heute. Aber das Erbe von Architekt Wilhelm Riphahn sei es wert gewesen, für den Erhalt zu streiten. Er trug an diesem Tag einen Baustellenhelm, mit dem er damals für den Erhalt des Ensembles kämpfte.

Jörg Jung, Sprecher der Initiative Mut zur Kultur. Mit diesem Helm hat er vor rund 15 Jahren für die Sanierung geworben.
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Was die neue Bühnentechnik, die bereits seit 2017 eingebaut ist, wirklich kann, erlebten die Besucher in einer Vorführung im Schauspielhaus. Zu Klängen der „Star Wars“-Titelmelodie wurde eine Laser- und Nebelshow aufgeführt. Dann ertönte der Rap-Song „Who Let the Dogs Out“ und ein Roboterhund enterte die Bühne, die kurz darauf hochgefahren wurde. „Da haben sie ja alles rausgehauen, das war ein bisschen Hollywood“, entfuhr es einer Zuschauerin.
Eine solche Technikshow hätten sich auch die Besucher des großen Opernsaals gewünscht. Auf den Tickets war sie noch angekündigt, dann aber doch nicht realisiert worden. Dem Vernehmen nach kollidierte die ursprüngliche Idee mit den Planungen zum Eröffnungskonzert am Sonntagabend. Begeistert waren die Besucher trotzdem ob der bombastischen Optik. Viele hatten dafür lange angestanden, denn die Tickets waren im Vorfeld begrenzt. Ein Ehepaar aus Bonn verzichtete letztlich aufs Schlangestehen und sah es ganz pragmatisch: „Wir haben Karten für die Cäcilia Wolkenburg und sind im Januar ohnehin wieder hier.“
Köln: Bei Backstage-Tour auf der Bühne
Bei der Backstage-Entdeckungstour konnten die Besucher selbst die Hauptbühne betreten und Einblicke erhaschen, die bei einem Opernbesuch sonst verborgen bleiben. „Die Bühne ist keine Fläche, sondern ein dreidimensionaler Arbeitsraum“, hieß es im Audioguide der Führung. Dort konnte man schon Teile der Bühnenbilder für die ersten drei Projekte sehen.

Die Kölner entdecken das Schauspielhaus wieder.
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Die Aufbauten von der Verdi-Oper „Rigoletto“ feierten dabei ebenfalls ihr Comeback am Offenbachplatz. Kurz vor dem Ende an der alten Spielstätte im Jahr 2012 hätte das Stück hier Premiere gefeiert. Das Bühnenbild sei dann zunächst in die Interimsstätten Musical Dome und später Staatenhaus gewandert. Nun schließe sich der Kreis. Die Aufbauten zu „Kain und Abel“ von Alessandro Scarlatti habe man aus Essen übernommen. Ganz neu seien die Bühnenbilder zum „Der Rosenkavalier“ (Richard Strauss).

Lange Schlangen vor dem fertig renovierten Opernhaus am Offenbachplatz.
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Am Samstagabend begeisterte Chilly Gonzales als Hauptact das Publikum am Offenbachplatz. Der Pianist, Kanadier und Wahl-Kölner seit vielen Jahren, trat mit diversen Gästen bei bestem Wetter auf und ließ sich von OB Burmester dann noch eine allerletzte Zugabe genehmigen.
Abgerundet wurde das Familienfest am Sonntag mit einem großen Bühnenprogramm. Moderator Ralph Caspers („Wissen macht Ah!“, „Sendung mit der Maus“) bestand den „Opernführerschein“. Vier Opernsänger und -sängerinnen begleiteten ihn und gaben eine Kostprobe ihres Könnens. Caspers präsentierte sich als Schirmherr der Kölner Kinderoper, es sei „weltweit das einzige Operngebäude, das extra für Kinder gebaut wurde.“ Auch diese neuen Räume konnten im Keller des Gebäudekomplexes besichtigt werden. Die Kinder konnten versteckte Requisiten suchen – und für Selfies standen die Kultfiguren „Maus“ und „Neinhorn“ parat.
Am Abend sollte Kasalla auftreten.
