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„Haus unter Kontrolle bekommen“Kölner Bau-Drama hat Bühnentechnik geschadet

6 min
Blick auf das Opernhaus.

Blick auf das Opernhaus.

Wie schlimm sind die Probleme mit der Bühnentechnik wirklich? Dazu äußern sich die Verantwortlichen am Donnerstag. 

Es ist kurz nach halb drei an diesem Donnerstagmittag, als in einem tristen Konferenzraum gegenüber dem Opernhaus am Offenbachplatz bemerkenswerte Sätze fallen. Es ist ein besonderer Zeitpunkt, weil am selben Abend die vier städtischen Bühnen nach 14 Jahren Sanierung für rund 800 Millionen Euro Baukosten mit einem Festakt eröffnen – trotz zahlreicher Probleme mit der Bühnentechnik (wir berichteten).

Schauspielintendant Kay Voges sagt über das bevorstehende Premierenwochenende angesichts zahlreicher Fehlalarme der Brandmeldeanlage: „Ich hoffe so sehr, dass wir feuerfrei und alarmfrei dieses Wochenende überstehen.“ Oder: „Ja, wir haben zu kämpfen. Wir kämpfen jetzt, wo die Bauarbeiter den Platz verlassen haben, ein spielfähiges Theater daraus zu machen.“

Das Pressegespräch am Donnerstag, unter anderem mit Kulturdezernent Stefan Charles (5. von links).

Das Pressegespräch am Donnerstag, unter anderem mit Kulturdezernent Stefan Charles (5. von links).

Und: „Wir müssen aufmachen, damit wir dieses Haus unter Kontrolle bekommen, weil das kann man nur unter Kontrolle bekommen, wenn die Kunst dort geschieht.“ Oder: „Also das ist jetzt auch ein Abenteuer, was wir da machen.“

Voges sagt das so: alarmfrei, kämpfen, Kontrolle, Abenteuer. Er weist aber auch darauf hin, dass Probleme nach einer Sanierung üblich sind, Theater immer auch ein Abenteuer sei. Der externe Sanierungs-Projektleiter Jürgen Marc Volm nennt die Probleme mit der Bühnentechnik „Kinderkrankheiten“.

Kulturdezernent Stefan Charles bezeichnet die Probleme aber als Risiko. „Und diese Risiken, mit denen müssen wir umgehen, und diese Risiken werden uns auch noch eine Weile begleiten.“ Wie lange eine Weile dauert, sagt auf Nachfrage niemand, sie wissen es nicht. Und Opernintendant Hein Mulders sagt: „Es ist nicht so gekommen, wie wir es uns gewünscht haben.“

Alle vier Bühnen sind betroffen

Mulders selbst hatte mit seinen Aussagen am Wochenende den Fokus auf die Probleme gelenkt, als er dem „Deutschlandfunk“ sagte: „Bühnenpodien, Technik, Drehscheibe, Obermaschinerie: Da hakt es im Moment, das muss ich auch ehrlich sagen.“

Danach blieb lange unklar, was das heißt, welche der vier Bühnen betroffen sind und was das für den Spielbetrieb bedeutet. Erst am Donnerstag beantworten die Bühnen diese Fragen.

Voges erklärt späte Kommunikation

Voges sagt, dass die Verantwortlichen die „Anpassungen“ unter sich ausmachen wollten. „So haben wir es gedacht. Jetzt machen wir es öffentlich, bevor das Raunen weiter zunimmt und uns die Festtage versaut.“

Und es ist nicht nur das Opernhaus betroffen, auch das Schauspielhaus hat Probleme mit der Technik und vor allem deren Zuverlässigkeit. Voges spricht davon, dass sich auch im Kleinen Haus und der Kinderoper die teils fehlende Wechselwirkung der Technikelemente bemerkbar macht.

Dass vieles jetzt erst auffällt, ist demnach auf die Stresstests in den vergangenen zwei Monaten zurückzuführen, die erst nach der Rückkehr an den Offenbachplatz möglich gewesen seien.

Technikpult schaltet sich ab und reagiert nicht

Beispielsweise ist im Schauspielhaus bei den Generalproben am Mittwoch und Donnerstag das sogenannte Inspizientenpult ausgefallen. Für 20 Minuten ging laut Voges nichts mehr. Mit dem Pult wird eine Aufführung organisiert. Laut Voges fingen seine Mitarbeiter das Problem mit Funkgeräten auf, das würde das Publikum nicht merken. 

Die Mängelliste ist nach Informationen dieser Zeitung lang, unter anderem soll die Durchruf- und Mithöranlage nicht gut oder gar nicht funktionieren. Sie sorgt dafür, dass die Schauspieler wissen, wann sie auftreten. Demnach mussten im Opernhaus Türen auch aufgebrochen werden, weil sie sich mit den Transpondern nicht öffnen lassen. Auch die Untermaschinerie und Hubpodien sollen nicht arbeiten, wie geplant.

Nichts davon dementieren die Verantwortlichen am Donnerstag auf Anfrage, teils bestätigen sie es, etwa die Sorgen wegen der Untermaschinerie. Sie bildet mit der Obermaschinerie und der Licht- und Medientechnik die Bühnentechnik.

Mulders wird emotional

Mulders' Stimme stockt am Donnerstag sogar kurz, er denkt darüber nach, vor der Premiere des „Rosenkavaliers“ am Sonntag das Publikum zu informieren. Er betont, dass die Inszenierung „intakt“ ist. „Alles, was von unten nach oben ging, wird jetzt von links und rechts und von hinten kommen“, erklärt Mulders die Änderungen.

Aufgrund der Fehlalarme samt Anrücken der Feuerwehr in den vergangenen Tagen haben die Bühnen-Verantwortlichen noch am Donnerstag die Mitarbeitenden darauf vorbereitet, dass bei den Aufführungen am Wochenende möglicherweise sogar die Sicherheitsbeleuchtung im Zuschauerraum und auf der Bühne plötzlich versehentlich angeht – und trotzdem weitergespielt wird.

Internes Schreiben klärt auf, was zu tun ist

Laut einem internen Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt, wird an einer Nachjustierung der Sensibilität gearbeitet, doch die Arbeiten, um die Fehlalarme zu vermeiden, „werden Zeit in Anspruch nehmen“.

In dem Schreiben heißt es, dass dieses „KEINE unmittelbare Gefahr für die Mitarbeitenden oder die Zuschauer“ bedeutet, „die Vorstellung kann trotzdem fortgesetzt werden, auch wenn es bedeutet, dass sie im hellen Licht der Sicherheitsbeleuchtung stattfindet“. Laut Voges ist ein Brandmelder zu nahe an einem Leuchter platziert.

Jahrelange Verzögerung schadete Technik

Wie berichtet, war die Bühnentechnik schon 2017 bis zu 95 Prozent fertiggestellt, 2021 zu 98 Prozent. Diese Aussagen stammen von den damaligen Bühnen-Verantwortlichen selbst. Sie betonten stets, dass es von Vorteil sei, dass die Technik weit vor den eigentlichen Häusern fertig sei, Kinderkrankheiten ausgemerzt werden könnten.

Am Donnerstag hört sich das anders an: Volm, seit 2024 angestellt, sagt auf die Frage, ob die vielfache Verzögerung des Großbauprojektes der Bühnentechnik geschadet habe: „Vermutlich auf die Länge betrachtet schon. Das hätte wahrscheinlich 2017 keiner gedacht, dass es dann 2026 wird.“

Ähnlich hatte am Mittwoch auch Jens Schröder von der Firma Theater Technische Systeme GmbH (TTS) argumentiert, sie hat Teile der Obermaschinerie geliefert. Schröder hatte gesagt: „Sie haben ja zu Hause auch keinen Laptop von vor zehn Jahren.“

Laut Schröder von TTS hat die Stadt Köln die Bühnentechnik nicht von einer Firma eingekauft, sondern von mehreren. „Das ist unüblich“ und könnte laut Schröder Abstimmungsprobleme verursachen. Das bestätigen Volm und Voges, letzterer sagt: „Gut wäre es gewesen, hätte man geschafft, eine Firma zu haben.“

Da viele Teile der Technik schon 2017 abgenommen worden sind, ist ihre Gewährleistung abgelaufen. Die Stadt muss die Reparatur selbst zahlen. Das bestätigt Volm. Seiner Aussage nach betrifft das rund 80 Prozent der Technik, bei den anderen 20 Prozent will er prüfen, ob er doch noch Geld zurückerhält. Volm betont, dass die Technik über die Jahre gewartet wurde, für 250.000 Euro im Jahr, doch erst der Stresstest könne die Realität zeigen.

Volm sagt: „Aber ich kann Ihnen sagen, von der Projektseite und von der Baustellenseite ist alles sicher abgenommen, getestet. Wir sind in kein Wagnis hineingerannt und versuchen jetzt irgendwie, da schnell zu eröffnen, weil der Druck so groß ist. Nein, wir haben fertig.“

Trotzdem wird das Premieren-Wochenende zum Stresstest für alle, so oder so. Aus der Belegschaft heißt es: „Es ist sehr riskant, die Premieren durchzuführen.“