BundesverdienstordenZwei Kölnerinnen erhalten Auszeichnungen im Rathaus

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Oberbürgermeisterin Henriette Reker verleiht die Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Judith Grümmer-Kehrer und Ursula Wolf.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker verlieh die Orden der Bundesrepublik Deutschland an Judith Grümmer-Kehrer (l.) und Ursula Wolf.

Henriette Reker überreichte Judith Grümmer-Kehrer und Ursula Wolf die hohen Ehrungen für deren besonderes soziales Engagement.

Als der Brief mit der Einladung ins Rathaus zum Empfang bei Oberbürgermeisterin Henriette Reker sie vor einigen Monaten erreichte, da dachte Ursula Wolf zunächst, jemand würde sich einen Spaß mit ihr erlauben. Das berichtete die Mülheimerin am Freitag, als sie  neben der Kölnerin Judith Grümmer-Kehrer im Hansasaal Platz genommen hat.

Die beiden Frauen wurden für ihr Engagement mit Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. „Es ist mir eine Ehre, zwei so tollen Frauen wie Ihnen in die Augen zu schauen und Ihnen stellvertretend für den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, diese Auszeichnungen überreichen zu dürfen“, sagte Henriette Reker.

Zwei Kölnerinnen erhalten Verdienstorden der Bundesrepublik

Judith Grümmer-Kehrer bekam die Verdienstmedaille und Ursula Wolf für ihr Lebenswerk das Verdienstkreuz am Bande. Vor mehr als 20 Jahren hat Ursula Wolf den Verein „Alzheimer Gesellschaft im Bergischen Land“ mitgegründet, dessen zweite Vorsitzende und Koordinatorin sie ist. „Bis heute sind Sie unermüdlich im Einsatz und tragende Säule des Vereins, der es zu verdanken ist, dass jährlich zwischen 60 und 100 Familien von ehrenamtlichen Demenz-Begleiterinnen und -Begleitern betreut werden können“, so Reker.

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Mülheimerin wird für ihre Arbeit mit Demenzkranken geehrt

Die Sozialpädagogin habe über Jahre Erfahrung im Beruf mit Menschen gesammelt und sogar ein eigenes Schulungssystem entwickelt, bei dem die ehrenamtlich Mitarbeitenden in dem Verein fachlich vorbereitet mit den Betroffenen und ihren Angehörigen in Kontakt kämen sowie die Chance erhielten, über eine regelmäßige Supervision das Erlebte im Erfahrungsaustausch zu verarbeiten, hieß es in der Laudatio weiter. „Im Lauf der Jahre hat sich herausgestellt, dass vor allem die Angehörigen viel mehr Unterstützung benötigen als die erkrankten Menschen“, betonte Wolf in ihrer Dankesrede. Sie fühle sich geehrt und bedankte sich bei den vielen Helferinnen und Helfern, empfinde es allerdings nicht so, „dass ich mehr tue als viele andere Menschen auch“, sagte die Mülheimerin.

Zweite Ehrung erhält die Gründerin des Unternehmens „Familienhörbuch“

Ähnlich bescheiden nahm auch Judith Grümmer-Kehrer die hohe Auszeichnung entgegen. Neben ihrer Arbeit als Journalistin hatte sie  2014 ein Familienhörbuch-Projekt initiiert, bei dem schwer erkrankte Mütter und Väter Audio-Biografien für ihre Kinder aufnehmen. Das Vorhaben erlangte schnell große Nachfrage, sodass die Kölnerin 2019 das Unternehmen „Familienhörbuch“ gegründet hatte, dessen Geschäftsführerin sie ist. Das Ziel: möglichst vielen unheilbar erkrankten Müttern und Vätern mit minderjährigen Kindern im gesamten deutschsprachigen Raum kostenfrei eine professionelle Audio-Biografie zu erstellen. „Ein solches persönliches Familienhörbuch macht die Lebensgeschichten in den vertrauten Stimme hörbar und bewahrt sie für die Nachwelt auf“, beschriebe OB Reker den besonderen Stellenwert dieser Arbeit, die sich aus Spenden finanziert.

Das Besondere an Menschen wie Ihnen ist, dass sie fast nie selbst der Meinung sind, etwas Außergewöhnliches zu schaffen
Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln

„Wir helfen Sterbenskranken dabei, einen Abschluss zu finden und das Unausweichliche anzunehmen und den Familien, gemeinsam einen selbst bestimmten Weg von Abschied und Trauer gehen zu können“, sagte Judith Grümmer-Kehrer. Inzwischen würden sich auch schon Wissenschaftler für das Projekt interessieren. Man hoffe darauf, dass die  Familienhörbücher als therapeutisch begleitende Präventionsmaßnahme gegen posttraumatische Belastungsstörungen in Trauerprozessen bei Kindern künftig als Kassenleistung anerkannt werden können.

„Das Besondere an Menschen wie Ihnen ist, dass sie fast nie selbst der Meinung sind, etwas Außergewöhnliches zu schaffen“, sagte Reker. „Ich aber kann Ihnen versichern, dass dem so ist und bedanke mich im Namen der Stadt Köln bei Ihnen.“

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