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Kunst zum Kaufen und LeasenKölner Künstler-Kollektiv „Kunstspecht“ zeigt Werke im Alten Pfandhaus

3 min
Dietmar Frings hat mit 55 Jahren sein Studium der Bildhauerei begonnen. Ihn interessieren Materialverbindungen wie etwa Stoff und Stein, die er zu wesenhaften Objekten verarbeitet.

Dietmar Frings hat mit 55 Jahren sein Studium der Bildhauerei begonnen. Ihn interessieren Materialverbindungen wie etwa Stoff und Stein, die er zu wesenhaften Objekten verarbeitet.

Das Künstlerspecht-Kollektiv strebt nach zugänglicher Kunst. Ihre Werke sind im Alten Pfandhaus vom 5. bis zum 7. Dezember ausgestellt.

Bei einem Umschüler denkt man zwar eher an ein jüngeres Semester, aber genau das ist Dietmar Frings streng genommen auch. Der 56-Jährige hat nämlich erst vor gut einem Jahr das Studium der Bildhauerei begonnen, und wird sich bei seinem nächsten runden Geburtstag den Bachelor of Fine Art ans Revers heften können. Da er die Ausbildung berufsbegleitend macht, dauert sie nicht drei, sondern fünf Jahre, aber das ist Frings egal.

Er liebt sein zweigleisiges Dasein. Seit 25 Jahren ist er in der Wohnberatung für ältere und behinderte Menschen in Köln tätig, was er als sehr erfüllende Aufgabe empfindet. „Aber die Kunst war schon immer da.“ Und gerade während der Corona-Zeit, als er das eigene Atelier in einem Abriss-Objekt hatte, wurde ihm klar, dass er „einen größeren Diskurs für mich“ brauche.

Späte Berufung zum Bildhauer

Er arbeitete rund neun Monate lang an seiner Bewerbungsmappe. Dann bewarb er sich damit an der Alanus-Hochschule für Kunst in Alfter, erhielt die Zulassung und studiert nun gemeinsam mit rund 40 deutlich Jüngeren. Früher, erzählt der angehende Bildhauer, habe er nur „auf Stein und Holz rumgeschlagen“. Inzwischen interessieren ihn vor allem Material-Verbindungen. Stoff und Stein, beispielsweise. Seine Skulpturen haben vielfach etwas geheimnisvoll Wesenhaftes. Man betrachtet sie und rechnet irgendwie damit, dass sie sich plötzlich bewegen könnten – in etwas hineinkriechen oder aus etwas herausschlüpfen.

Brigitte Mekelburg paart bei ihren Arbeiten handwerkliche Präzision und Lustvoll-Spielerisches.

Brigitte Mekelburg paart bei ihren Arbeiten handwerkliche Präzision und Lustvoll-Spielerisches.

Seine Künstler-Kollegin Brigitte Mekelburg hat ebenfalls erst mit weit über 50 Jahren die Alanus-Hochschule absolviert, war zuvor viele Jahre sowohl als Schreinerin als auch im Bereich Soziale Arbeit erfolgreich tätig. Fragt man die gebürtige Essenerin nach ihrer künstlerischen Fokussierung, antwortet sie lächelnd: „Ich matsche!“

In feuchtem Material zu wühlen, bereite ihr großes Vergnügen, erklärt die 71-Jährige und vergleicht sich ein wenig mit Kindern, die vergnügt mit Eimerchen, Schüppchen Sand und Wasser zugange sind. Allerdings bewegt sich die Bildende Künstlerin den eigenen Worten nach „mit größter Präzision – was Form und Größe angeht“. Trotz dieser Exaktheit – auch in Bezug auf das Handwerkliche – haben ihre Arbeiten etwas Lustvoll-Spielerisches.

Mekelburg und Frings gründeten vor gut drei Jahren gemeinsam mit acht weiteren Kölner Künstlerinnen und Künstlern im Alter zwischen rund 30 bis 80 Jahren das Kollektiv Kunstspecht. „Es ist ganz wichtig, immer miteinander im Dialog und Austausch zu sein“, betont Dietmar Frings und führt aus, welches Ziel sich das Kollektiv außerdem gesetzt hat. Man wolle Kunst vom Sockel holen, sie nahbar und erschwinglich machen, damit möglichst viele Menschen Unikate statt Massenware an der Wand aufhängen können. Vor diesem Hintergrund erarbeiteten sie ein Leasing-Konzept, das im privaten Umfeld inzwischen ganz gut funktioniert. Allerdings wünscht sich die Kunstspecht-Gruppe mehr wechselnde Kunst in Räumen mit Publikumsverkehr wie Arztpraxen – etwa durch monatlich gemietete Werke.

Wie vielseitig das Kollektiv Kunstspecht ist, wird man am zweiten Adventswochenende bei der Jahresausstellung im Alten Pfandhaus sehen und erleben können. Die Vernissage zur Kunstspecht-Werkschau im Alten Pfandhaus, Kartäuser Wall 20, findet am 5. Dezember von 18 bis 22 Uhr statt. Am 6. und 7. Dezember kann die Ausstellung jeweils von 15 bis 20 Uhr besucht werden. Zum Abschluss gibt es am Nachmittag des zweiten Adventssonntags ab 16. 30 Uhr noch ein kulturelles Rahmenprogramm. Der Eintritt ist frei.