Das Gesundheitssystem sei auf regelmäßige Spenden angewiesen, erklärt der Vorstand des DRK Rhein-Sieg.
„Nur noch Vorrat für anderthalb Tage“Blutkonserven werden in Rhein-Sieg knapp – DRK warnt

Blutspendetermin der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid in einem speziellen DRK-Fahrzeug des Blutspendediensts West.
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Schwere Operationen, Krebsbehandlungen, Herstellung lebenswichtiger Medikamente, Hilfe nach einem Unfall: Der Einsatz von Blutkonserven ist vielfältig. Doch nun sind sie besorgniserregend wenig geworden. „Wir haben noch einen Lagerbestand für 1,5 Tage in Nordrhein-Westfalen“, sagt der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Roten Kreuzes Rhein-Sieg, Frank Malotki. „Bei mehreren großen Operationen könnte es schon knapp werden.“
„Normalerweise haben wir ausreichend Blutkonserven für fünf Tage“, sagt Malotki; durch die Weihnachtsfeiertage, den Wintereinbruch und eine Erkältungswelle sei die Zahl der Spenden aber deutlich gesunken. Viele Termine mussten ausfallen oder seien nur spärlich besucht gewesen, so Malotki. Der bereits knappe Vorrat schrumpft sichtbar, sagt der DRK-Vorstand: „Bei bestimmten Operationen oder auch Krebsbehandlungen braucht man schnell 15 bis 20 Konserven.“
Spenden sind nicht lange haltbar
Hinzu komme, dass die Spenden auch nicht lange haltbar seien. Aus dem gespendeten Blut werden zum Beispiel bestimmte Präparate hergestellt, die zur Therapie bei schweren Krankheiten genutzt werden und die schnell verfallen. Sie können aber nicht künstlich hergestellt werden, erläutert der geschäftsführende Vorstand des DRK in Rhein-Sieg. Umso wichtiger seien regelmäßige Spenden: „Unser Gesundheitssystem ist darauf angewiesen.“
„Ein kleiner Piks, anderthalb Stunden Zeit, drei- oder viermal im Jahr - da tut man was Gutes“, fasst Malotki zusammen. Und zwar nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für sich selbst. Denn mit der Blutspende ist auch immer eine Untersuchung verbunden. Es komme durchaus vor, dass eine Spenderin oder ein Spender im Nachhinein kontaktiert werde, weil es Auffälligkeiten im Untersuchungsergebnis gab.
Lange Wartezeiten würden durch ein Anmeldesystem vermieden, das der Blutspendedienst West einführte: Mit der Anmeldung wird gleich eine Zeit für die Spende vergeben. Spontane Besuche seien aber weiterhin möglich. Auch das Blutspendemobil sei weiterhin unterwegs. In größeren Städten, berichtet Malotki, probiere man nun das Konzept von Pop-Up-Lokalen aus: In Einkaufszentren oder ‑straßen würden für einige Wochen oder sogar Monate leer stehende Ladenlokale angemietet und für Blutspenden genutzt. „Die Zahl der Erstspender ist hoch“, sagt Malotki, sie dauerhaft zu halten, sei jedoch schwierig.
Bundesweit weniger Spenden durch Corona-Pandemie
Zu kritischen Versorgungssituationen sei es bislang nicht gekommen, sagt Sarah Wallpott, kaufmännische Direktorin der GFO Kliniken Troisdorf: „Die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten mit Blutkonserven und hier insbesondere die Versorgung mit Notfallkonserven für akute Blutungsnotfälle war beziehungsweise ist in den GFO Kliniken Troisdorf bislang jederzeit sichergestellt.“ Allerdings sei das Blutspendenaufkommen seit der Corona-Pandemie bundesweit zurückgegangen und bislang nicht wieder auf das frühere Niveau gestiegen.
Die Verteilung der Blutkonserven laufe über überregionale Blutspendedienste, Krankenhäuser würden direkt von Blutspendediensten oder über Großhändler beliefert. Die GFO Kliniken Troisdorf arbeiteten mit Großhändlern zusammen; vereinzelt sei es in den vergangenen Jahren zu Kontingentkürzungen gekommen. „Das gilt insbesondere für traditionell spendeschwache Zeiten wie die Sommerferien oder die Weihnachtsfeiertage.
„Diese Kürzungen betreffen immer alle Krankenhäuser gleichermaßen und nicht spezifisch unsere beiden Standorte“, teilt Wallpott mit. Neben Troisdorf und Sieglar betreiben die GFO-Kliniken in der näheren Region auch Krankenhäuser in Bad Honnef, Bonn und Bonn-Beuel. GFO steht für die Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH.
Blutsparende Maßnahmen als Alternative
Wenn es Engpässe gebe, würden unverzüglich alle Chefärztinnen und Chefärzte sowie die Transfusionsbeauftragten der Abteilungen informiert. „Ob Fremdblut benötigt wird oder nicht, prüfen wir ohnehin grundsätzlich bei uns streng. Wenn möglich, wenden wir blutsparende Maßnahmen an – zum Beispiel sogenannte Autotransfusionen bei geeigneten OPs und Patientinnen und Patienten – um weniger mit Fremdblut arbeiten zu müssen.“

Johannes Wingnefeld, Hauptamtsleiter bei der Stadt Lohmar, spendet seit 32 Jahren Blut
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Spender Johannes Wingenfeld: Den 100. Aderlass schon fest im Blick
Lohmarer Johannes Wingenfeld zählt zu den Zeitgenossen, die dafür sorgen, dass es erst gar nicht zu Engpässen kommt. „Ich spende, seitdem ich 18 Jahre alt bin“, sagt der 50-Jährige, der bis vor Kurzem das Bürgermeisterbüro in Siegburg leitete und als Hauptamtsleiter zur Stadt Lohmar wechselte. Seine Mutter habe ihn damals zu seiner ersten Spende mitgenommen. Seitdem sehe er die Blutspende als gute Möglichkeit, etwas Gutes zu tun – und entsprechend habe er noch nie Geld für sein Blut genommen.
„Ich versuche mittlerweile, sechsmal im Jahr zu spenden, und nehme dafür Anfahrten bis zu 15 Kilometern in Kauf“, sagt Wingenfeld, der dazu gerne mit dem E-Bike anreist, aber auch darauf achtet, gemütlich zu fahren und sich nicht zu überanstrengen. „Abends noch kicken sollte man nicht.“ Besonders freue er sich, wenn er jemanden für das Spenden begeistern konnte, der dann feststelle, dass das gar nicht so schlimm sei. „Es macht Spaß, die Leute auf das ganze Umfeld vorzubereiten.
Wingenfeld spendet für das Deutsche Rote Kreuz. Die Kritik, dass damit Geld verdient wird, zählt für ihn nicht. „Dass das wirtschaftlich sein muss, ist doch gar keine Frage.“ 78 Mal spendete er bislang, und den 100. Aderlass hat er schon fest im Blick.
Kommende Spendetermine im Rhein-Sieg-Kreis
Kostüme und Frohsinn sind zur Närrischen Blutspende erwünscht, die am Dienstag, 20. Januar, 15.30 Uhr bis 20 Uhr, in der Kulturhalle kabelmetall in Windeck-Schladern organisiert wird.
Am Sonntag, 25. Januar, lädt das Rote Kreuz in Much von 9 bis 13 Uhr zur Blutspende ein. Erstmals findet die Aktion in der Turnhalle Sülzberg, Klosterstraße 4a, statt.
Für Dienstag, 3. Februar, wird zur Spende auf den Marktplatz in Königswinter-Eudenbach gebeten, von 16 bis 19.30 Uhr, an der Schulstraße 10-12.
Ebenfalls am Dienstag, 3. Februar, 16.30 bis 19.30 Uhr ist die Blutspende im Schulzentrum/Pädagogischen Zentrum an der Alten Marktstraße in Sankt Augustin möglich.
Weitere Termine: Mittwoch, 4. Februar, 16 bis 19 Uhr, Windeck Leuscheid, Evangelisches Gemeidehaus Moesstraße 6, Freitag, 6. Februar, 15 bis 19 Uhr, Siegburg, Gymnasium Alleestraße, Alleestraße 2, und Montag, 9. Februar, 16 Uhr bis 19.30 Uhr, Niederkassel-Mondorf, Katholische Grundschule, Beckergasse 49, sowie im Internet.
Bei Online-Terminreservierung sind Spenden ohne Wartezeit möglich.
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