Agrippabad in KölnWeitere Zeugen melden sich nach mutmaßlichem Sexualdelikt

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Außenaufnahme des Eingangsbereiches zum Agrippabad.

Die Polizei fasste die acht Tatverdächtigen am Ausgang des Agrippabades.

Die acht beschuldigten Jugendlichen und Männer schweigen zu den Vorwürfen.

Nach dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch an einem 13-jährigen Mädchen im Agrippabad hat Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) ihre Hoffnung ausgedrückt, „dass die mutmaßlichen Täter zur Rechenschaft gezogen werden“. Die Nachricht über die mögliche sexuelle Belästigung eines Kindes in einem Schwimmbad habe sie betroffen gemacht. „Ich hoffe sehr und habe auch volles Vertrauen, dass die Polizei die Umstände zügig und vollständig aufklären kann.“

Sonntagabend hatte die Polizei drei 16-Jährige und fünf junge Männer (3 x 21, 22, 26) festgenommen, die die 13-Jährige gegen 18.15 Uhr im Außenbereich des Schwimmbads in der Innenstadt bedrängt und belästigt haben sollen. Ein 16-Jähriger soll dem Kind in die Bikinihose gegriffen haben.

Das Mädchen konnte sich befreien und einen Bademeister informieren, der rief die Polizei. Die acht Männer aus Syrien, der Türkei und dem Irak wurden noch im Eingangsbereich festgenommen. Nach den Vernehmungen und der erkennungsdienstlichen Behandlung wurden die 16-Jährigen an ihre Eltern übergeben, auch die anderen fünf wurden wieder entlassen.

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Zur Frage, warum die Polizei sich dazu entschlossen hat, in ihrer Pressemitteilung zu dem Vorfall die Nationalität der acht Beschuldigten zu nennen, sagte Behördensprecher Wolfgang Baldes, dies tue man grundsätzlich nur in Einzelfällen. Dabei orientiere man sich „sehr genau“ an den Vorgaben des Deutschen Presserates.

In Richtlinie 12.1 heißt es dort unter den Gründen, die für eine Nennung sprechen: „Eine Straftat wird aus einer größeren Gruppe heraus begangen, von der ein nicht unbeachtlicher Anteil durch gemeinsame Merkmale wie ethnische, religiöse, soziale oder nationale Herkunft verbunden ist.“

Wer von den Beschuldigten sich wie genau an der Tat beteiligt haben soll, steht noch nicht fest. Das Mädchen wurde am Dienstag im Beisein der Eltern bei der Polizei angehört. Inzwischen hätten sich auch weitere Zeugen gemeldet, berichtete ein Polizeisprecher.

Die Beschuldigten selbst schweigen zu den Vorwürfen. Die Polizei wertet Aufnahmen aus der Videoüberwachung des Bades aus. Geprüft wird unter anderem, ob die acht beschuldigten Männer möglicherweise schon zuvor mit ähnlichen Übergriffen in dem Schwimmbad aufgefallen waren.

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Auf Nachfrage bestätigte die Polizei insgesamt rund 60 angezeigte Sexualdelikte in Kölner Schwimm- und Freibädern seit Januar 2022. Opfer waren sowohl Erwachsene als auch Minderjährige. Mit „Sexualdelikten“ sind laut Polizei Fälle von sexueller Belästigung gemeint, aber auch Beleidigungen auf sexueller Basis, exhibitionistischen Handlungen, Herstellung von Bildaufnahmen und sexueller Missbrauch. „Aufs Jahr betrachtet lässt sich eine Häufung in den Sommermonaten erkennen“, sagte Polizeisprecher Christoph Schulte.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sollen vor einigen Wochen zum Beispiel zwei elf Jahre alte Mädchen ebenfalls im Außenbecken des Agrippabades von einem Mann belästigt worden sein, der sich vor ihren Augen entblößte. Angehörige der Kinder, die ebenfalls im Bad waren, informierten die Bademeister. Auch in diesem Fall ermittelt die Polizei.

Ein langjähriger Stammgast im Agrippabad ist Hartmut Menden, ehemaliger Stadtrat der Kölner CDU. Ihm sei schon vor einiger Zeit aufgefallen, berichtet er, dass das Aufsichtspersonal des Bades sich in den vergangenen Monaten nur noch „sporadisch“ und „eher selten“ im Außenbereich aufhalte. Das sei ärgerlich, zumal im Becken nach seinem Erleben auch häufig „wild mit dem Ball gespielt werde, den man dann auch schon mal an den Kopf bekommt“. Dafür interessiere sich das Personal aber in der Regel nicht. „Da kommt mal jemand raus, dreht seine Runde und geht dann aber auch relativ schnell wieder rein“, schildert Menden. Er selbst habe sich kürzlich schriftlich bei den Kölnbädern darüber beschwert. Die Kölnbäder waren für eine Stellungnahme am Dienstag nicht erreichbar.

Ursula Enders von „Zartbitter e.V.“, der Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, wünscht sich schon lange eine breit angelegte Informations- und Präventionskampagne in den Kölner Schwimmbädern, die über das Thema sexuelle Gewalt aufklärt. „Andere Städte machen das schon lange“, sagt sie. Eine solche Kampagne müsse Kinder, Jugendliche und ihre Eltern ermutigen, genau hinzuschauen, mögliche Grenzverletzungen in Schwimmbädern sehr früh zu erkennen und Hilfe zu holen.