„Zeit ist nicht reif für Entscheidung“Kölner Stadtrat stoppt Pläne für Ausbau der Hohenzollernbrücke

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Der Blick auf die Hohenzollernbrücke und den Kölner Dom

Der Blick auf die Hohenzollernbrücke und den Kölner Dom

Die Politik fordert ein Verkehrsgutachten, das klärt, wie das Nadelöhr am Heinrich-Böll-Platz aufgelöst wird. Doch das kostet Zeit.

Der Kölner Stadtrat hat am Donnerstagabend die Pläne der Stadtverwaltung für die Erweiterung der denkmalgeschützten Hohenzollernbrücke gestoppt. Der Fuß- und Radweg an der südlichen Seite der Brücke am Kölner Dom soll von derzeit vier Metern auf elf Meter erweitert werden, um die Konflikte zu reduzieren.

Bisher hatte die Verwaltung nicht geklärt, wie die Menschen am linksrheinischen Übergang zum Museum Ludwig geführt werden sollen, vor allem im weiteren Verlauf zum Rheingarten oder zum Roncalliplatz. Die Stelle am Heinrich-Böll-Platz ist schon jetzt ein Nadelöhr.

Sabine Pakulat (Grüne) sagte: „Es besteht vor allem die Angst, dass es an den Anschlusspunkten bei einer guten Annahme der neuen Brücke noch enger wird als es jetzt schon jetzt.“ Die Politik wolle deshalb die Reihenfolge umdrehen. „Es braucht die Sicherheit, dass der Ausbau nicht zu neuen Engpässen und Konflikten führt.“ Teresa De Bellis-Olinger (CDU) sagte: „Die Zeit ist noch nicht reif, eine Entscheidung zu treffen.“

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Die Politikerinnen und Politiker wollen den Beschluss also erst treffen, wenn die offenen Fragen per Verkehrsgutachten beantwortet sind – die Verwaltung wollte das danach tun. Doch dieses Vorgehen lehnte ein breites Bündnis aus Grünen, CDU, SPD, FDP und Volt mit einem Antrag ab.

Wie berichtet, hatte sich das schon am Tag vor der Sitzung angedeutet. Die Linken lehnten den Antrag ab, Michael Weisenstein wies auf die Verzögerung hin: „Jetzt haben wir wieder Stillstand, Stillstand, Stillstand.“ Ursprünglich war der Baubeschluss für 2026 vorgesehen.

Die Verwaltung hatte dem Rat den erweiterten Planungsbeschluss inklusive einer Variante vorgelegt. Bei einer Zustimmung hätte die Stadt mit 3,6 Millionen Euro wie vorgesehen weitergeplant – doch das wollte die Mehrheit nicht, obwohl Verkehrsdezernent Ascan Egerer im Falle von Verzögerungen mit Kostensteigerungen rechnet. Momentan kalkuliert die Stadt mit 62,5 Millionen Euro.

Urheberrecht ist betroffen

Die Frage, wo die Nutzerinnen und Nutzer später am Museum Ludwig abfahren, berührt auch das Urheberrecht der Architekten von Museum Ludwig und Philharmonie sowie der Flächen davor. Die Architekten sind Godfrid Haberer und Peter Busmann. Eine Rampe lehnten sie ab. Auch Dombaumeister Peter Füssenich wollte zuerst wissen, wie die Abfahrten gestaltet werden. Er lehnte auch die Optik des Brückenbogens ab, der deutlich schmaler ist als die anderen drei.

Bislang war laut Verwaltung unklar, wo auf dem neuen Brückenbauwerk die Fußgängerinnen und Fußgänger unterwegs sind und wo die Radfahrerinnen und Radfahrer. Das sollte ebenfalls erst nach dem Ratsbeschluss geplant werden. Auf dem schmalen Weg kommt es seit Jahren häufig zu Konflikten, wenn viel Betrieb ist, weil es keine klare Trennung gibt.

Der Weg gilt wegen der Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke und der Nähe zum Dom als Anziehungspunkt für Touristen. Im beschlossenen Antrag heißt es nun: „Prüfung einer getrennten Rad- und Fußwegführung über den Rhein und in der weiteren Führung.“ Auch die Pläne für den Ausbau des nördlichen Fuß- und Radweges an der Brücke sollen bald vorliegen.

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